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Weihevoll: Tor zum Priesterseminar der Piusbrüder.

Piusbrüder

Warten auf ein Machtwort des Papstes

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Bischof Gerhard Ludwig Müller läuft seit Wochen Sturm gegen die Provokationen der Piusbruderschaft. Seine Hilferufe blieben in Rom jedoch bislang offenbar ungehört. Von Sabine Hamacher

Um nicht weniger als "Sein oder Nichtsein des Christentums in Europa" geht es der Piusbruderschaft. Mit diesen Worten jedenfalls verteidigte der Regens des Pius-Priesterseminars in Zaitzkofen, Stefan Frey, am Montag die für den 27. Juni geplante und vom zuständigen Regensburger Bischof nicht erlaubte Weihe von drei Priestern und drei Diakonen.

Bischof Gerhard Ludwig Müller läuft seit Wochen Sturm gegen die als provokativ empfundene Ankündigung der erzkonservativen Gruppe. Seine Hilferufe blieben in Rom jedoch bislang offenbar ungehört - obwohl die vier Pius-Bischöfe keine Ämter in der Kirche ausüben dürfen, auch nachdem der Papst ihre Exkommunikation zurückgenommen hat. Das umfasst nach Auffassung der deutschen Bidschöfe auch Priesterweihen.

Eine Open-Air-Messe mit mehr als 1000 Teilnehmern sei für die Weihen in Zaitzkofen geplant, hatte der Spiegel am Wochenende berichtet. Die Piusbruderschaft bestritt aber am Montag, diesmal eine außergewöhnliche Form zu wählen; die Feiern fänden - wie immer seit der Gründung der Einrichtung 1978 - in einem Festzelt statt. Regens Frey schlug einen beschwörenden Ton an: "Wir spenden diese Priesterweihe, weil wir damit unsere Einheit mit der Kirche Roms zum Ausdruck bringen wollen", erklärte er auf der Internetseite der Bruderschaft.

Frey begründete die Weihe mit einer "Notsituation" der Kirche: Die Zahl der Kirchgänger habe seit den 50er Jahren um 85 Prozent abgenommen, die Zahl der Priesterweihen in deutschen Diözesen sei 2008 auf unter 100 gesunken. "Wir wollen keine Parallelkirche, sondern innerhalb der einen, wahren katholischen Kirche das unschätzbare Gut der katholischen Tradition bewahren."

Zollitsch: Weihen sind Affront

Doch genau dies, die Abspaltung in eine Parallelkirche, wirft der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch der Bruderschaft vor. Die geplanten Weihen seien "ein Affront gegen die Einheit der Kirche", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz vergangene Woche dem Deutschlandradio. Die Traditionalisten verweigerten jeden Dialog, fügte er hinzu.

Der seit langem schwelende Konflikt brach offen aus, als Papst Benedikt der XVI. im Januar die Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft aufhob. Damit wollte er den Traditionalisten entgegenkommen, denen die katholische Kirche zu weltoffen geworden ist. Er stieß aber den weitaus größeren moderaten Teil seiner Kirche heftig vor den Kopf. Umso mehr, als es sich bei einem der vier betroffenen Bischöfe, Richard Williamson, um einen notorischen Holocaust-Leugner handelt. Williamson, Bernard Fellay, Alfonso de Galarreta und Bernard Tissier de Mallerais waren 1988 unerlaubt vom Gründer der Bruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, geweiht und deshalb vom Papst exkommuniziert worden.

Auch nach der Aufhebung der Exkommunikation hätten die Pius-Bischöfe "kein Amt und keine Funktion in der Kirche", betont Zollitsch. Er stützt sich damit auf einen Brief, den der Papst Mitte März an die Bischöfe in aller Welt schrieb. Darin hielt er fest, dass die Traditionalisten bis zur Klärung der doktrinellen Fragen "keine Ämter rechtmäßig in der Kirche" ausüben. Pius-Bischof Fellay, der an den Weihen in Zaitzkofen teilnehmen will, sieht das anders. Bei seinem Besuch im Vatikan am 5. Juni habe er "keinerlei Signale bekommen, dass die Weihen gegen Kirchenrecht verstoßen würden", sagte er laut Spiegel.

Das ist entweder arg dreist - oder Fellay weiß schon mehr als andere. Für die nächsten Tage wird ein klärendes Motu Proprio, ein Papstwort also, erwartet. In seinem März-Brief hatte Benedikt angekündigt, die bisher im Vatikan für die Piusbruderschaft zuständige Kommission Ecclesia Dei der Glaubenskongregation anzugliedern. Damit soll dann auch eine juristisch bindende Klarstellung einhergehen. mit kna/pkr

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