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USA warfen in Irak Napalm ab

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Im Krieg gegen Irak warf das US-Militär offenbar auch Bomben ab, die in ihrer Wirkung den international geächteten Napalm-Bomben ähnlich sind und schwerste Verbrennungen verursachen.
Im Krieg gegen Irak warf das US-Militär offenbar auch Bomben ab, die in ihrer Wirkung den international geächteten Napalm-Bomben ähnlich sind und schwerste Verbrennungen verursachen. © ap-Archiv

"Feuerbomben" gleichen dem geächteten KampfstoffDas US-Militär hat beim Krieg in Irak offenbar Bomben abgeworfen, die in ihrer Wirkung den international geächteten Napalm-Bomben ähnlich sind und schwerste Verbrennungen verursachen. Mehr dazu im Dossier Irak nach dem Krieg

Von Daniel Herrmann

FRANKFURT A. M., 7. August. US-Oberst James Alles, Kommandant der Marine Air Group 11, sagte der kalifornischen Zeitung, seine Flugzeuge hätten ein Dutzend Brandbomben nahe Bagdad auf die Brücken über den Saddam-Kanal und über den Tigris abgeworfen. Unglücklicherweise seien dort Menschen gewesen, was auf Cockpit-Videos zu erkennen sei. "Es waren irakische Soldaten da. Das ist keine schöne Art zu sterben", sagte der Oberst. Auch ein Marines-Sprecher, Oberst Michael Daily, bestätigte der Union-Tribune den Einsatz von Feuerbomben. Außerdem räumte er ein, dass viele diese Waffen Napalm-Bomben nennen, weil ihre Wirkung "bemerkenswert ähnlich" sei.

Schon während der Kampfhandlungen hatten truppenbegleitende Journalisten berichtet, die USA setzten Napalm-Bomben gegen irakische Soldaten ein. Die australische Journalistin Lindsay Murdoch, die für den Sydney Morning Herald und den Melbourne Age in Irak war, schilderte detailliert, wie Artillerie der US-Marines und Flugzeuge der US-Luftwaffe eine Stellung der Iraker auf dem Berg Safwan nahe Basra mit Napalm eindeckten. Das US-Militär dementierte dies umgehend. Napalm sei seit den frühen 1970er Jahren nicht mehr eingesetzt worden. Die letzten Napalm-Vorräte seien April 2001 zerstört worden, teilte das Pentagon mit.

Diese Darstellung ist nicht ganz falsch. Denn die US-Flugzeuge warfen Bomben vom Typ "MK 77" ab, die das US-Militär als "Feuerbomben" bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um eine Weiterentwicklung von Napalm-Bomben, die lediglich einen geringfügig anderen Sprengstoffmix enthalten. Napalm ist aus 21 Prozent Benzol, 33 Prozent handelsüblichem Benzin und 46 Prozent Polystyrene zusammengesetzt. Laut der US-Organisation "FAS Military Analysis Network", einem Zusammenschluss von Atomwissenschaftlern, der 1945 von Mitgliedern des Manhattan Project gegründet wurde, ist in den "MK 77" das Benzin durch Flugbenzin ersetzt worden. Im Internet bezeichnet die FAS die "MK 77" deswegen auch schlicht als Napalm-Bombe.

Laut dem unabhängigen Internet-Dienst "The Ordnance Shop" enthält die "MK 77" rund 280 Liter brennbare Flüssigkeit. Diese ist mit einem Gel zähflüssig gemacht. Beim Aufschlag versprühe die Bombe das brennbare Gel in einem weiten Umkreis. Gleichzeitig setzen mehrere Zünder das Gemisch in Brand. "Früher", schließt die Beschreibung, "hat man den Inhalt der Feuerbomben Napalm genannt."

Das US-Militär vermeidet die Bezeichnung Napalm, weil der Kampfstoff seit dem Vietnam-Krieg von der Genfer Konvention geächtet ist. Damals ging das Bild des vietnamesischen Mädchens Kim Phuc um die Welt, das am 8. Juni 1972 Opfer eines Napalm-Angriffs der USA wurde.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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