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Walther Leisler Kiep im Juli 2013.

CDU-Schatzmeister

Walther Leisler Kiep gestorben

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Der langjährige Schatzmeister der CDU ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Wegen seiner Rolle in der CDU-Spendenaffäre um Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl war er lange umstritten.

Walter Leisler-Kiep stand nie in der allerersten Reihe der Bonner Republik – aber er war über viele Jahre eine entscheidende Figur im politischen Innenleben der CDU.  Offenbar geworden ist das immer dann, wenn wieder ein Parteispendenskandal aufgedeckt wurde, und das war in den 80er und 90er Jahren häufiger der Fall. Leisler-Kiep arbeitete offenkundig seit seiner ersten Wahl zum Bundesschatzmeister der CDU 1972 mit schwarzen Kassen und diversen Steuertricks, um die Finanzen seiner Partei aufzubessern. 1990 wurde er wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung verurteilt, entging der Strafe aber, weil der Bundesgerichtshof das Urteil wegen Verfahrensfehlern aufhob. Knapp zehn Jahre später war er dann eine der Schlüsselfiguren in der Parteispendenaffäre um den CDU-Vorsitzenden und Kanzler Helmut Kohl. Er soll eine Millionenspende des Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber erhalten und am Rechenschaftsbericht vorbei geschmuggelt haben. 2004 wurde er wegen Falschaussage in der Spendenaffäre rechtskräftig verurteilt.

Doch die Seite des ebenso ruchlosen wie undurchsichtigen Finanzjongleurs war nur die eine des CDU-Politikers. Die andere war die des weltläufigen und charmanten Hanseaten, einen Politikertypus von dem es in der rheinisch-katholisch ausgerichteten CDU nicht viele gab. Er unterstützte als Bundestagsabgeordneter gegen den Parteikurs die Ostpolitik Willy Brandts und war später lange Jahre Vorsitzender der Atlantikbrücke. Leisler-Kiep stammt aus einer alten Hamburger Kaufmannsfamilie und machte vor seinem politischen Engagement eine ansehnliche Karriere in der Wirtschaft. In manchen Porträts wurde er als einer der reichsten Politiker Deutschlands bezeichnet. In Hamburg erzielte er auch noch einen besonderen politischen Erfolg: Bei der Bürgerschaftswahl 1982 holte er als Spitzenkandidat für die CDU das bis dahin beste Ergebnis von 43,2 % - und wurde doch nicht Bürgermeister, weil der erhoffte Koalitionspartner den Einzug ins Parlament verpasste.

Vor zehn Jahren veröffentlichte er seine Memoiren, und natürlich ging es auch darin um sein Wirken im Schattenreich der Parteifinanzen. Wenn er sich an den Tag erinnere, an dem er Schatzmeister der CDU wurde, erinnere er sich an einen Tag, der kein guter war für ihn, an einen Tag, an dem er in das schlechteste Geschäft seines Lebens einwilligte, sagte damals. „Im Rückblick stehen den 21 Jahren als Schatzmeister der CDU 22 Jahre an gerichtlichen Verfahren gegenüber", schrieb er in seinen Erinnerungen. „Die Hoffnung, mit Hilfe dieses Amtes für meine politische Überzeugung zu wirken, hat sich nicht erfüllt." Das war ein Satz über das Scheitern. Immerhin, es gehörte Mut dazu, ihn aufzuschreiben. Und Stil, nicht immer nur Zuversicht verkünden zu wollen. 

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