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Walter Lübcke ist tot.

Ermittlungen

Tod von Walter Lübcke: Druck der Öffentlichkeit wächst

Die Spurensuche nach dem Tod von Walter Lübcke geht weiter. Ein Ersthelfer soll Blut weggewischt haben.

Dirk Hintermeier bleibt gelassen und freundlich, obwohl ihm der russische Moderator auf der Nase herumtanzt. Längst sollen die Journalisten die Straße vor dem Tatort in Istha wieder geräumt haben, aber der junge Mann im hellblauen Hemd redet ununterbrochen weiter in sein Mikrofon. Hintermeier, Sprecher des Landeskriminalamtes, nutzt dann eine Sprechpause, um das Kamerateam aus Moskau endlich zum Gehen zu bewegen. Die Szenerie betrachten mehrere Frauen und Männer in Zivil aus einiger Entfernung sichtlich genervt. Sie gehören zum Team der Spurensicherung und wollen weiterarbeiten.

Fall Lübcke: Tatortgruppe erstellt Bild der gesamten Lage

20 Ermittler der Tatortgruppe des LKA und des Erkennungsdienstes sind fast den kompletten Mittwoch auf dem Gelände des erschossenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke damit beschäftigt, „ein möglichst präzises Bild der gesamten Lage“ zu erstellen, wie Hintermeier erklärt. Es gehe dabei nicht darum, dass bislang Ermittlungen vergessen wurden, vielmehr arbeite man von Schritt zu Schritt immer präziser. „Man schaut da von grob nach fein“, sagt der 52-Jährige, „zunächst wird ermittelt, ob es sich um Unfall, Suizid oder ein Gewaltverbrechen handelt, dann macht man entsprechend weiter.“

Dass Lübcke an einem Schuss in den Kopf starb, hatten LKA und Staatsanwaltschaft bereits am Montag bestätigt. Die am Dienstag gebildete Sonderkommission „Liemecke“ wurde gestern von 20 auf 50 Ermittler aufgestockt. „Wir haben hier den wichtigsten Tatort in Hessen seit Jahren“, sagt Hintermeier. Der Druck der Öffentlichkeit sei groß, das sei allen an der Aufklärung Beteiligten bewusst. Um in Ruhe arbeiten zu können, hat die Polizei die gesamte Straße „Turnplatz“ wieder gesperrt. Das Bundeskriminalamt unterstützt die Ermittlungen.

Schussverletzung an Lübckes Kopf erst im Krankenhaus als solche erkannt

Inzwischen ist bekannt, dass die Schussverletzung an Lübckes Kopf erst im Krankenhaus als solche erkannt wurde. Bis dahin waren die Beteiligten noch von einer natürlichen Todesursache ausgegangen. Nach Informationen der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA)“ gehörte der Sanitäter, der Lübcke zunächst versorgte, nicht der Besatzung des angeforderten Rettungswagens an. Vielmehr ist der Erstversorger von Lübckes Familie gerufen worden. Er kam von der Kirmes zu Lübckes Haus, auf dessen Terrasse der 65-Jährige aufgefunden worden war. Das Grundstück befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Kirmesgelände. Nach Informationen mehrerer Medien hat der Sanitäter den Tatort insofern verändert, dass er Blut weggewischt haben soll.

Laut „HNA“ handelt es sich bei dem Sanitäter um einen Freund von Lübckes jüngerem Sohn. Nachdem dieser den Vater auf der Terrasse gefunden hatte, rief er den Freund. Die Ermittler müssen nun die Intention des Mannes herausfinden. Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft, erklärte, dass man dazu keine Stellungnahme abgebe.

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