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Kranke Bäume bereiten Waldbesitzern und Umweltschützern Sorge. 

Wald-Gipfel

Wald zwischen Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen

Zum Wald-Gipfel in Berlin fordern Umweltschützer von der Bundesregierung, ökologische Standards ins Gesetz zu schreiben. Die Forstwirtschaft hat andere Prioritäten.

Der Wald braucht Hilfe. Naturschützer, Waldeigentümer, Förster und die Politik sind sich in diesem Punkt einig. Doch wie soll die aussehen? Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will darüber am heutigen Mittwoch mit Wirtschaft und Verbänden diskutieren. Schwerpunktthema des Gipfels werden unter anderem übergreifende Klima-Nothilfen für unter Dürren und Schädlingen leidende Forstflächen sein. Außerdem soll über die Unterstützung bei der Räumung von beschädigten Waldflächen und der Wiederaufforstung sowie weniger Steuern für Forstbetriebe diskutiert werden.

„Wir fordern Soforthilfen in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro für die Räumung der Schäden“, sagte Larissa Schulz-Trieglaff, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der privaten Waldeigentümer (AGDW). Auch der Bund Deutscher Forstleute (BDF) erhofft sich finanzielle Unterstützung zu Wiederaufforstung der zerstörten Wälder. Ziel müsse sein, artenreiche Mischbestände aufzubauen und die Weiterverbreitung des Borkenkäfers wirksam zu verhindern, sagt Jens Düring, Sprecher des BDF.

Der BDF kritisiert außerdem, dass Deutschland personell und organisatorisch nicht mehr krisensicher aufgestellt sei. „Die zahlreichen Organisationsreformen und Rechtsformwechsel haben in den vergangenen 30 Jahren zu einem massiven Personalabbau von 60 Prozent geführt.“ Im Jahr 2018 seien Fördermittel in Millionenhöhe nicht abgeflossen. Grund sei der Personalmangel bei Forstbehörden.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung forderten Umweltorganisationen wie der NABU, BUND, Greenpeace und der WWF eine ökologische Waldwende. Es gelte, alles zu tun, um den Wald in seinen Funktionen als Kohlenstoff-Speicher, Lebensraum oder Trinkwasserproduzenten zu erhalten. Sie fordern unter anderem, ökologische Mindeststandards für eine schonendere Waldwirtschaft im Bundeswaldgesetz festzuschreiben.

Von Landwirtschaftsministerin Klöckner erwarten die Umweltorganisationen, sämtliche geplanten Investitionen auf ihren Beitrag zum Gemeinwohl und zum Schutz der Wälder zu prüfen. Öffentliche Gelder sollten nur dann fließen, wenn sie zur Stärkung des Waldökosystems beitragen. Eine Subventionierung der Forstwirtschaft, die den Status quo erhält und auf eine Maximierung des Holzertrags hinwirkt, dürfe es nicht geben.

Von Fabian Boerger

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