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Wahrheitsliebe

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Die Fälschungen waren nicht einmal alte Lire wert. Der afrikanische Staat Niger hat Irak niemals Uran verkauft, konnte dies wegen wasserdichter Kontrollen

Die Fälschungen waren nicht einmal alte Lire wert. Der afrikanische Staat Niger hat Irak niemals Uran verkauft, konnte dies wegen wasserdichter Kontrollen nicht und ist wahrscheinlich auch nie befragt worden. Doch die Behauptung erfüllte ihren Zweck, neben anderen, die von ähnlich unglücklicher Liebe zur Wahrheit zeugten: Der Kongress in Washington ermächtigte Präsident George W. Bush zum Krieg. Soweit die lustige alte Geschichte.

Nun haben sich Geheimdienstveteranen in den USA aufgerafft, dem Präsidenten ein paar Vorschläge zu machen, zum Beispiel seinen Vize Richard Cheney zu feuern und zur Abwechslung mal wieder ehrlich zu sein. Sie erklären und belegen, wie ihre Erkenntnisse zweckdienlich umgebogen worden sind. Sie nehmen ihre früheren Arbeitgeber (CIA, FBI und der Rest der Familie) also in Schutz. Missbrauch ihrer Arbeitsergebnisse geht ihnen wider die Berufsehre. Das mag ein Motiv sein.

Interessanter ist freilich, dass sie auf dem Umweg über kleine kritische Publikationen an die Öffentlichkeit gehen. Im Watergate-Fall wurde das noch heimlich getan. Präsident Richard Nixons Lügengebäude brachte ein nur unter dem Decknamen "Deep Throat" bekannter, also tatsächlich unbekannter Informant eines Reporters zum Einsturz. Die Unwahrheiten nicht ertragen zu können, aber den Dienstherrn doch nicht ganz zu verraten, war damals, 1972, die Spielregel. Jetzt wird mit offeneren Karten gespielt. Sollte es in Washington noch demokratische Hoffnungen geben an einem Ort, wo man sie zuletzt vermutet hätte?

Dossier: Irak nach dem Krieg

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