Wahlleute des Electoral College
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Das Wahlleute des Electoral College sind ein Gremium des US-amerkanischen Wahlsystems.

US-Wahl 2020

Wahlsystem in den USA: Warum Trump ohne Mehrheit US-Präsident wurde

Das US-amerikanische Wahlsystem sieht bei der Präsidentschaftswahl 2020 die Bestimmung des Präsidenten durch Abstimmung der Wahlleute des Electoral College vor.

  • Am 3. November wählen die Bürgerinnen und Bürger der USA zum 59. Mal den Präsidenten des Landes.
  • Die Wahl des Präsidenten erfolgt indirekt durch 538 Wahlleute des Electoral College.
  • News zur US Wahl 2020: Alle Neuigkeiten und Hintergrundinformationen zu den Präsidentschaftswahl in den USA

Washington – Am 3. November 2020 finden die US-Wahlen 2020 statt. Mithilfe eines komplizierten Wahlsystems wählen die US-Bürger ihren Präsidenten für die kommenden 4 Jahre. Für die Präsidentschaftswahl werden Wahlleute des Electoral College von den US-Bundesstaaten und dem Bundesdistrikt (District of Columbia) entsandt.  

Trump gegen Biden: Für die US-Wahl 2020 werden Wahlleute des Electoral College entsandt

Das Electoral College ist ein formales Gremium des US-amerikanischen Wahlsystems und kann sinngemäß mit Wahlmännerkollegium ins Deutsche übersetzt werden. Das Gremium besteht aus 538 Wahlleuten, die in einem 4-Jahres-Turnus den Präsidenten und den Vize-Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika wählen. Bei den US-Wahlen 2016 setzte sich der amtierende Präsident Donald Trump (74sich gegen seine Kontrahentin Hillary Clinton (72) durch. Bei den US-Wahlen 2020 im November verteidigt der Republikaner Donald Trump sein Amt gegen den demokratischen Herausforderer Joe Biden (77).

Die Wahlleute des Electoral College werden von den US-Bundesstaaten und dem Bundesdistrikt (District of Columbia) entsandt. Die Anzahl der Wahlleute, die einen Staat im Electoral College vertreten, richtet sich ungefähr nach dessen Bevölkerungszahl. 48 US-Bundesstaaten sowie der Bundesdistrikt bestimmen die Wahlleute für das Electoral College per Mehrheitswahlrecht: Nur der Kandidat, der die meisten Wählerstimmen erhielt, entsendet seine Wahlleute. Lediglich in Maine und Nebraska werden die Stimmen nach Proporz aufgeteilt.

Mit Stimmen des Electoral College: US-Wahlen und Bundestagswahlen sind grundlegend verschieden

Bei den US-Wahlen 2020 wird für die folgenden vier Jahre ein Präsident gewählt. Das zugrunde liegende Wahlsystem unterscheidet sich jedoch von dem in Deutschland angewendeten. Sämtliche US-Bundesstaaten – mit Ausnahme von Maine und Nebraska – ermitteln ihre Wahlleute für das Wahlmännerkollegium mithilfe des Mehrheitswahlrechts. Nur die Wahlleute des Kandidaten mit den meisten Wählerstimmen werden für das Electoral College benannt. Somit bleiben bei dieser indirekten Wahlmethode die Stimmen für die unterlegenen Kandidaten bei der dortigen Wahl des Präsidenten unberücksichtigt.

Daher kann es wie bei der Präsidentschaftswahl 2016 passieren, dass mit Donald Trump der Kandidat zum Präsidenten gewählt wurde, der insgesamt betrachtet weniger Wählerstimmen erhielt als seine damalige Kontrahentin Hillary Clinton. In Deutschland wird hingegen bei Wahlen wie beispielsweise der Bundestagswahl ein Verhältniswahlsystem angewendet. Die Parlamentssitze werden gemäß der relativen Stimmverteilung vergeben. So fließen sämtliche abgegebenen Wählerstimmen in das Wahlergebnis ein und der Wählerwille wird möglichst genau widergespiegelt.

Die Wahl von Präsident und Vize-Präsident durch das Electoral College und die wichtigsten Termine bis zum Inauguration Day

Im November 2020 ist es soweit: dann wählen die US-Bürger ihren Präsidenten für die kommenden vier Jahre. Nachdem Donald Trump das Präsidentschaftsrennen 2016 gegen Hillary Clinton gewann, tritt er nun gegen den Demokraten Joe Biden an. Der Wahlprozess folgt dabei einem festen Ablauf.

3. November 2020Wahltag (Erster Dienstag zwischen dem 2. und 8. November)
14. Dezember 2020Wahl von Präsident und Vize-Präsident durch das Electoral College
6. Januar 2021 Stimmauszählung und Ergebnisbekanntgabe
20. Januar 2021Amtseinführung

Am Wahltag wählen die US-Bürger mithilfe eines relativen Mehrheitsentscheids die 538 Wahlmänner und -frauen für das Electoral College. Lediglich in Maine und Nebraska werden die Wahlleute für die US-Wahlen 2020 mit dem Wahlsystem der Rangfolgewahl bestimmt – in Maine seit 1972, in Nebraska seit 1996. 41 Tage nach dem Wahltag wählen die Wahlleute des Wahlmännerkollegiums schließlich den Präsidenten und den Vize-Präsidenten. Nach Auszählung der Stimmen wird das endgültige Ergebnis am 6. Januar bekanntgegeben. Die Amtseinführung des neuen Präsidenten findet immer am 20. Januar statt.

Keine absolute Mehrheit bei US-Wahlen 2020: Wie der Präsident in diesem Fall bestimmt wird

Das US-amerikanische Wahlsystem sieht die Bestimmung des Präsidenten mittels Abstimmung der Wahlleute des Electoral College vor, die mit Ausnahme der Wahlleute aus Maine und Nebraska per Mehrheitswahlrecht bestimmt wurden. Es sei angemerkt, dass für die Wahlleute von zahlreichen Bundesstaaten keine Verpflichtung besteht, gemäß dem Wählerwunsch ihres Wahlkreises abzustimmen. Sie können ihre Stimme auch dem anderen Präsidentschaftskandidaten zuweisen. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 verweigerten zwei Wahlleute Donald Trump ihre Stimme, bei Hillary Clinton änderten sogar acht Wahlleute ihr ursprünglich Hillary Clinton zugedachtes Wahlmandat.

Erlangt nach Abstimmung des Wahlmännerkollegiums keiner der Präsidentschaftskandidaten eine absolute Mehrheit, muss das Repräsentantenhaus einen der drei Kandidaten zum Präsidenten bestimmen, die vom Electoral College die meisten Stimmen bekamen. Hierzu kam es bislang jedoch erst zweimal im Laufe der US-amerikanischen Geschichte. Erzielt auch das Repräsentantenhaus keine Einigung, übernimmt zunächst der Vizepräsident die Geschäfte, bis der rechtmäßige Präsident feststeht.

Wahlleute des Electoral College: Ihre Verteilung auf die Bundesstaaten für die US-Wahlen 2020

Nach dem Wahltag berufen alle US-Bundesstaaten ihre von den Wählern bestimmten Wahlleute für das Electoral College, um den Präsidenten zu wählen. Das Wahlmännerkollegium besteht aus insgesamt 538 Wahlleuten. Dabei soll die Anzahl der Wahlleute von der Bevölkerungszahl des jeweiligen Staates abhängen. Für die US-Wahlen 2020 gilt folgende Verteilung der Wahlleute:

  • Alabama (9)
  • Alaska (3)
  • Arizona (11)
  • Arkansas (6)
  • Colorado (9)
  • Connecticut (7)
  • Delaware (3)
  • Florida (29)
  • Georgia (16)
  • Hawaii (4)
  • Idaho (4)
  • Illinois (20)
  • Indiana (11)
  • Iowa (6)
  • Kalifornien (55)
  • Kansas (6)
  • Kentucky (8)
  • Louisiana (8)
  • Maine (4)
  • Maryland (10)
  • Massachusetts (11)
  • Michigan (16)
  • Minnesota (10)
  • Mississippi (6)
  • Missouri (10)
  • Montana (3)
  • Nebraska (5)
  • Nevada (6)
  • New Hampshire (4)
  • New Jersey (14)
  • New Mexico (5)
  • New York (29)
  • North Carolina (15)
  • North Dakota (3)
  • Ohio (18)
  • Oklahoma (7)
  • Oregon (7)
  • Pennsylvania (20)
  • Rhode Island (4)
  • South Carolina (9)
  • South Dakota (3)
  • Tennessee (11)
  • Texas (38)
  • Utah (6)
  • Vermont (3)
  • Virginia (13)
  • Washington (12)
  • Washington, D. C. (3)
  • West Virginia (5)
  • Wisconsin (10)
  • Wyoming (3)

Wie bereits am Beispiel der letzten Präsidentschaftswahl zwischen Donald Trump und Hillary Clinton aufgezeigt, gewährleistet das US-amerikanische Wahlsystem nicht, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen von Wahlleuten auch zwangsläufig derjenige Kandidat ist, für den die Mehrheit der Wähler votierte.

Indirekte Wahl über das Electoral College: Kritik am Wahlsystem der USA und alternative Vorschläge  

Donald Trump wurde Präsident, obwohl mehr Wähler für Hillary Clinton stimmten – 2016 als Omen für die US-Wahlen 2020?
Aller Voraussicht nach werden die US-Wahlen 2020 wieder ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Nachdem Donald Trump sich schon vor vier Jahren nur äußerst knapp gegen Hillary Clinton durchsetzen konnte, könnten auch dieses Mal wenige „Swing States“ entscheiden, wer für die nächsten vier Jahre Präsident der Vereinigten Staaten sein wird. Die historisch gewachsene politische Zwei-Parteien-Struktur ist ein Grund für meist sehr knappe Wahlergebnisse.

Die Ausgestaltung des Wahlsystems mit relativem Mehrheitswahlrecht und indirekter Wahl über das Electoral College unterstützt einen knappen Wahlausgang zusätzlich. Eine Alternative zeigen bereits die US-Bundesstaaten Maine und Nebraska. Dort werden die Wahlleute durch ein Rangfolgewahlrecht ermittelt, um den Wählerwillen besser in der Auswahl der Wahlmänner abbilden zu können, welche im Wahlmännerkollegium die Bürger des Staates bei der Präsidentschaftswahl vertreten. (Von Sebastian Reif)

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