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Wahlkampfhilfe durch den Weltranglistenersten

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Von: Thomas Roser

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Djokovic (links) mit Vucic.
Djokovic (links) mit Vucic. © AFP

Novak Djokovic entdeckt sein serbisches Herz.

Das Blitzlichtgewitter wollte bei der Visite von Tennis-Ass Novak Djokovic in Serbiens Präsidentenpalast kein Ende nehmen. Wen auch immer er von „den größten Staatsmännern der Welt“ empfangen habe, ob Wladimir Putin, Xi Jinping oder Angela Merkel, „so etwas haben wir noch nie erlebt“, versicherte Staatschef Aleksandar Vucic am Donnerstag freudestrahlend seinem Gast: „Es ist jemand gekommen, der größer als wir alle ist. Alle wollen Novak sehen: Ein großes Danke, dass du hier bist!“

Zur Zufriedenheit hat Serbiens allgewaltiger Landesvater wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen am 3.April allen Grund. Denn gemeinsame Auftritte mit dem autoritär gestrickten Vucic hatte der sich stets als „apolitisch“ bezeichnende Djokovic in den vergangenen Jahren auffällig vermieden.

Als der esoterisch angehauchte Djokovic im Dezember per Twitter seine Unterstützung für die Proteste gegen ein umstrittenes Lithium-Bergwerk signalisierte, schien er sich gar als ein Kritiker der Machthaber zu erkennen geben. Doch das Tauziehen um die Einreise des ungeimpften Weltranglistenersten in Australien hat die bisher sehr losen Bande zwischen dem mächtigsten und dem populärsten Serben merklich gestärkt. Gekonnt spielte sich das neue Duo bei ihrem medial inszenierten Dankbarkeitstreffen die Komplimentenbälle zu. Es sei ihm ein Bedürfnis, dem Präsidenten zu danken, versicherte Djokovic dem Gastgeber. Er sei während seiner Zeit „im Gefängnis“ (gemeint ist die Corona-Quarantäne) mit vielen Problemen konfrontiert gewesen, doch habe sich dank der Unterstützung seiner Familie und seiner Nation „nie vereinsamt“ gefühlt: „Als Mensch und Sportler empfinde ich eine persönliche Dankbarkeit, dass Sie als Präsident hinter mir standen. Meine Verbindungen zu Serbien stärken sich von Tag zu Tag.“

Gestärkt kann sich auch Vucic fühlen dank der Lobeshymnen seines neuen Wahlhelfers. Denn zuletzt hatten die Korruptions-Skandale in den Reihen seiner nationalistischen SNS sowie Gegenwind in der internationalen Arena den Glanz des Mächtigen etwas getrübt. Selbst die wiederholten Enthüllungen über angebliche Attentatspläne auf den Präsidenten zeigten bei seinen ermatteten Landsleuten kaum mehr den wohl erhofften Mitleidseffekt. Zuletzt versuchte Vucic, mit einer „Einmalhilfe“ von 100 Euro für alle 18 bis 30-Jährigen die Herzen und Stimmen der Jungwähler:innen zu gewinnen.

Die Kinderherzen im Land würden aber nun „noch stärker für Novak und Serbien“ schlagen, versicherte der launig zwischen „du“ und „Sie“ wechselnde Vucic zum Abschied seinem Gast: „Wir freuen uns, dass Sie der Erste auf der Weltrangliste sind: Danke für alles und danke, dass Sie Serbien lieben.“

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