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Kreativ bis zum Anschlag: Wahlwerbe-Anstecker für das Duo McCain-Palin.

USA

Wahlkampf gegen die Presse

Die Republikaner tun sich seit Nixon schwer mit Zeitungen - dabei sind die gar nicht links. Palin giftet trotzdem gegen führende Blätter. Von Eva C. Schweitzer

Von EVA C. SCHWEITZER

Sarah Palin guckt triumphierend in die Menge ihrer Fans. "Ich habe etwas über Senator Obama gelesen, und raten Sie mal wo", - nun wird ihre Stimme schneidend - "in der New York Times!"

Gejohle und Pfeifen; die Menge weiß genau, was die republikanische Kandidatin damit meint: Dieses Blatt für ostküstenbewohnende, cappuccinotrinkende, volvofahrende, Bagel essende Eierköpfe. Und John McCain legt kurz darauf nach: Die New York Times sei ein "Propaganda-Werkzeug für die Demokraten", meinte er. Und viele Zeitungen hätten sich auf die Seite des Demokraten Barack Obama geschlagen.

"McCain macht Wahlkampf gegen die Presse", meint Jay Rosen, Journalistikprofessor an der New York University. Erst diese Woche erregte sich der Senator über ein Portrait seiner Frau Cindy in der Times, in dem über ihre frühere Medikamentensucht berichtet wurde. Das sei die "schlimmste Art von Gossenjournalismus". Und McCains Partei hat seit der Bush-Präsidentschaft ein gespaltenes Verhältnis zu Journalisten. "Die Republikaner führen einen richtigen Kulturkrieg gegen die Medien", sagt Rosen.

Und das nicht erst seit gestern. Schon Bush sprach, auf Anraten seiner rechten Hand Karl Rove, am liebsten im Fernsehen direkt zu den Amerikanern. Das führte dazu, dass der Präsident regelmäßig auf dem Bildschirm lange Reden hielt wie sonst nur Fidel Castro, sich Interviews aber weitgehend verweigerte.

Seit der ehemalige Parteirebell McCain seinen Frieden mit Bush und dem rechten Parteiflügel gemacht hat, hat er auch dessen Attitüde übernommen, auf der "liberalen Presse" herumzuhacken. Dabei ist die US-Presse, verglichen mit europäischen Standards, konservativ. Was Wunder, gehören die meisten Zeitungen doch Wall Street-Investmentfonds. Die New York Times, die in den USA als linke Bastion gilt, ist politisch auf der Linie der FAZ.

Das erstaunlichste daran aber ist, dass McCain lange ein Medienliebling war. "Jeder einzelne Kampagnenreporter würde am liebsten mit McCain nach Massachussets durchbrennen und ihn heiraten, wenn er nur könnte", spottete MSNBC-Moderator Joe Scarborough in Vanity Fair noch im Juli. Inzwischen aber bekommt McCain mehr Flak von der Presse als Obama, wie eine Studie des unabhängigen Pew Research Center erst diese Woche feststellte. Das Center hatte 2412 Artikel in 48 Zeitungen über einen Zeitraum von sechs Wochen ausgewertet; 59 Prozent davon waren negativ gegenüber McCain, nur 14 positiv. Hingegen waren 36 Prozent der Artikel über Obama positiv und 29 negativ. Zugenommen hat die Kritik an McCain vor allem seit der Finanzkrise, als selbst das konservative Wall Street Journal gegen den Kandidaten wetterte.

Letztlich gehe der Hass der Republikaner auf die so genannten liberalen Medien noch auf US-Präsident Richard Nixon zurück, meint Leslie Stahl, die langjährige Anchorfrau der TV-Anstalt CBS. "Und noch schlimmer war Nixons Vizepräsident Spiro Agnew." Agnew beschimpfte Journalisten als "schwatzende Bonzen des Negativismus", er sprach von "Nationalmasochismus", der von einem "verweichlichten Presscorps von flegelhaften Snobs" ermutigt werde, die sich selber für Intellektuelle hielten.

Geschrieben wurden solche Reden von William Safire, der später immerhin New York Times-Kolumnist wurde, und Pat Buchanan, ein Rechtsaußen, der den Capitol Hill, den Sitz des Senats, schon mal als "israelisch-besetztes Territorium" bezeichnet hat. Buchanan kandidierte 2000 gegen Bush, und verlor. Auch mit Agnew nahm es kein gutes Ende: Er wurde später wegen Bestechlichkeit zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt.

So richtig hat sich die Beziehung zwischen Presse und Republikanern nicht mehr erholt, der Ton hat sich sogar verschärft. Denn McCain bekommt heute Schützenhilfe von einer Auswahl rechter Blogs, von Newsmax.com über "Drudge Report" bis zu "Little Green Footballs", aber auch von Kabelsender wie das Murdoch-eigene Fox-News.

Nun ist Barack Obama zwar der Mediendarling, aber ist ist keineswegs pressefreundlich: Zwar erlaubt er sich keine feindseligen Ausfälle, aber Pressekonferenzen gibt auch er eher selten. Und auch der Kontakt zu ihm ist nicht einfach zu haben. Journalisten, die in der Wahlnacht Zutritt zu seinem Pressecenter in Chicago wollen, wo es Internet für die Laptops gibt und sein Pressesprecher bereitsteht, müssen dafür zahlen - stolze 935 Dollar. Da könnte sich Sarah Palin schon ein Paar Manolo Blahniks kaufen.

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