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Sinn fürs Dramatische: Cambridge-Analytica-Boss Alexander Nix (grauer Mantel) am Dienstag auf dem Weg ins Büro.
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Sinn fürs Dramatische: Cambridge-Analytica-Boss Alexander Nix (grauer Mantel) am Dienstag auf dem Weg ins Büro.

Cambridge Analytica

Wahlkampf mit Facebook-Daten

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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Der Marktforscher Cambridge Analytica steht unter Beschuss. Im britischen Unterhaus wird sogar die Aussage von Mark Zuckerberg erwartet. CA suspendiert seinen Chef Alexander Nix.

Ermittlungen rund um den Globus, ein Zerwürfnis mit dem Sicherheitschef und massive Kurseinbußen an der Börse – Facebook gerät im Zuge des jüngsten Datenskandals immer stärker unter Druck. Nachdem der kalifornische Konzern in der vergangenen Woche die illegale Weitergabe der Daten von 50 Millionen Kunden öffentlich gemacht hatte, steht außerdem die beschuldigte Marktforschungsfirma Cambridge Analytica (CA) im Kreuzfeuer. Im Gespräch mit britischen Undercoverreportern rühmte sich CA-Boss Alexander Nix dubioser Methoden zur Beeinflussung von Wahlkampagnen, nannte Erpressungsversuche bestimmter Kandidaten mit Prostituierten und korrupte Geschäftsangebote. Das Unternehmen hat Nix inzwischen für die Dauer der Ermittlungen suspendiert.

Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham hat nun einen richterlichen Durchsuchungsbefehl für die Firmenräume beantragt; der Medienausschuss des Unterhauses hat Nix sowie Facebook-Boss Mark Zuckerberg zu einer Anhörung vorgeladen. Bereits befragte Abteilungsleiter des Internetkonzerns hätten das Risiko von Datenleaks heruntergespielt und dadurch sein Komitee in die Irre geführt, schrieb der konservative Ausschussvorsitzende Damian Collins am Dienstag. Er verlange nun Informationen von einem Facebook-Manager „mit ausreichender Autorität“, teilte Collins Zuckerberg mit und erinnerte an dessen Neujahrsversprechen von größerer Transparenz: „Hoffentlich sind Sie dieser Manager.“

Zuckerberg kann sich drücken, Nix nicht

Die US-Aufsichtsbehörde FTC habe ebenfalls Ermittlungen zu dem Fall eingeleitet, berichtete der Finanzdienst Bloomberg. Sollte sie eine Verletzung der Datenschutzregeln feststellen, kann sie hohe Strafen verhängen. Anleger zeigten sich verunsichert. Sie befürchten schärfere Auflagen für Facebook, die es dem Konzern erschweren könnten, seine Werbemaschinerie am Laufen zu halten. Die Facebook-Aktie setzte am Dienstag ihre Talfahrt fort.

Facebook hat nach eigenen Angaben Prüfer der Firma Stroz Friedberg engagiert. Diese sollen untersuchen, ob Cambridge Analytica weiterhin im Besitz der Daten ist. Am Montag seien die Prüfer in deren Londoner Büro gewesen. Konzernintern gibt es ebenfalls Bewegung: Insidern zufolge muss sich Facebook einen neuen Sicherheitschef suchen. Alex Stamos will das Unternehmen wegen Unstimmigkeiten im Umgang mit der mutmaßlichen russischen Desinformationskampagne verlassen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person Reuters. Die „New York Times“ hatte zuerst darüber berichtet.

Während US-Bürger Zuckerberg der Einladung nicht Folge zu leisten braucht, wird der Brite Nix um die Teilnahme an der Anhörung nicht herumkommen. Bisher galt der 42-Jährige in der Welt des Onlinemarketings als Star. „Unsere revolutionäre Arbeitsweise hatte wesentlichen Anteil an Donald Trumps außergewöhnlichem Sieg“, prahlte Nix gern.

Der rechtskonservative Hedgefonds-Milliardär Robert Mercer gehört zu den wichtigsten Geldgebern der Marktforscher, der frühere Trump-Berater Steve Bannon saß kurzzeitig im CA-Vorstand. Vor dem Engagement für Trump arbeitete CA für den Chirurgen Ben Carson und den texanischen Senator Ted Cruz, die dem heutigen Präsidenten beide im Vorwahlkampf 2016 unterlagen.

Den angeblichen Erfolg seiner Firma hat Nix mit einer beispiellosen Sammelwut begründet, die auf winzige Wählergruppen zugeschnittene Anzeigen ermöglichte. Bis zu 5000 Einzeldaten von mehr als 220 Millionen US-Amerikanern habe man gesammelt – von Alter, Geschlecht und Beruf bis hin zu Kauf- und Konsumverhalten. Häufig geschah dies über unverdächtig aussehende „Persönlichkeitstests“, in denen Benutzer sozialer Netzwerke viel von sich preisgeben.

Studenten stellen ihre Daten für Cash zur Verfügung

Dass es dabei nicht immer rechtmäßig zuging, behauptet der frühere CA-Mitarbeiter Christopher Wylie. In ausführlichen Interviews berichtete der Whistleblower der „New York Times“, der britischen Sonntagszeitung „Observer“ sowie dem TV-Kanal Channel 4: Ein Mitarbeiter der Universität Cambridge habe Facebook-Daten aus einem Forschungsprojekt illegal an CA weitergegeben. Die 270 000 Teilnehmer hatten der Studie gegen Bezahlung ihre Daten zur Verfügung gestellt; mit Hilfe ihres durchschnittlich 185 Menschen umfassenden Kreises sogenannter Freunde sei CA auf diese Weise an die Daten von 50 Millionen Facebook-Kunden gekommen, sagt Wylie. CA bestreitet die Vorwürfe.

Undercoverreportern von Channel 4, die sich als reiche Geschäftsleute aus Sri Lanka ausgaben, bot CA-Chef Nix eine Reihe schmutziger Tricks zur Diskreditierung von Politikern an. Man könne ihnen „einige Mädchen ins Haus schicken“, Ukrainerinnen seien „sehr schön, das funktioniert gut“. Oder man biete einem unliebsamen Kandidaten eine korrupte Geschäftsmöglichkeit an, filme ihn dabei und stelle das Material ins Internet. „Das muss alles nicht wahr sein, solange es nur geglaubt wird“, sagte der Manager. Für die schmutzigen Tricks bediene sich CA der Hilfe von früheren britischen und israelischen Geheimagenten.

CA bezeichnete den TV-Bericht als „grob verzerrend“. Gleichzeitig räumte Nix ein, er habe sich den angeblichen Geschäftsleuten als Großmaul präsentiert. „Das tut mir sehr leid, ich habe mich bei den Mitarbeitern entschuldigt.“ In Wirklichkeit arbeite CA nicht mit solch dubiosen Methoden. (mit rtr)

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