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Journalisten warten auf die ersten Ergebnisse. 

Wahlen in Thailand

Wahlergebnis lässt auf sich warten

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In Thailand sind auch die regierenden Militärs verärgert über das Chaos im Wahlamt.

Gerüchtehalber soll die Wahlbeteiligung in einer Stadt 218 Prozent betragen haben. Angeblich sind zwei Millionen Stimmen für ungültig erklärt worden.

Meldungen wie diese sorgen dafür, dass viele Thailänder bezweifeln, dass bei den Parlamentswahlen alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Der Wahlleiter verwirrt die Öffentlichkeit mit flapsigen Bemerkungen. „Ich habe keinen Taschenrechner dabei“, erklärte Jarungwit Pumma, Generalsekretär der Wahlkommission, als er nach Gründen für die Verzögerung bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses gefragt wurde. Und fügte hinzu: „Die Zahlen sind noch in Bewegung. wir können sie nicht veröffentlichen. Bitte warten Sie noch ein paar Tage.“ Jetzt will das Gremium am Freitag mit einem provisorischen und erst am 9 Mai mit einem endgültigen Wahlergebnis rausrücken.

„Je länger die Bekanntgabe der Resultate dauert, um so schlechter ist das Ergebnis für die Militärs“, hatte der Politikwissenschaftler Thitinan Pongsudhirak von der Chulalongkorn Universität in Bangkok vor Thailands erstem Urnengang seit dem Militärputsch im Jahr 2014 gewarnt. Er hatte freilich ebenso wenig wie viele Beobachter und das Regime damit gerechnet, dass ausgerechnet der den Generälen nahestende Wahlrat die Glaubwürdigkeit des Urnengangs untergraben würde.

„Ich spekuliere, dass es massive Probleme bei der Übermittlung der Resultate in die Zentrale gibt“, sagt ein Diplomat in Bangkok. Eine andere Erklärung könnte schlechtes Training der eingesetzten Beamten sein. Andere Experten vermuteten, die Computer des Wahlrats seien gehackt worden.

Da internationale Wahlbeobachter zu spät ins Land gelassen wurden, gibt es nun keine neutrale Vertreter, die die Ehre des Wahlrats retten könnten. Selbst Vertreter von Phalang Pracharat, der militärnahen Partei, räumten ein: „Es gibt widersprüchliche Zahlen.“ Am Montag verkündeten angesichts unerklärter Verzögerungen Vertreter der Oppositionspartei Phuea Thai und Vertreter von Anakot Mai des Multimilliardärs Thanathorn Juangroongruangkit ihre Forderung nach einer Überprüfung des Resultats.

Der Diktator schweigt

Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen hatte die Phalang Pracharat Partei, die den bisherigen Diktator wieder zum Regierungschef des südostasiatischen Königreichs küren will, etwa ebenso viele Stimmen geholt wie die Phuea Thai Partei, die 2014 von den Generälen gestürzt wurde. Trotz eines Stimmenanteils von rund 30 Prozent holten Phalang Pracharat nur 98 Wahlkreise. Über eine Liste kommen laut vorliegenden Ergebnissen weitere 17 Kandidaten ins Parlament – genug für Prayuth, um sich mit Hilfe von 250 von den Generälen ausgesuchten Senatoren zum Premierminister wählen zu lassen.

Prayuth, ein früherer Chef der Streitkräfte, hat sich bislang nicht öffentlich zu der herrschenden Verwirrung geäußert. Doch der Offizier müsste angesichts des Durcheinanders eigentlich vor Zorn toben. Denn das Chaos untergräbt die Glaubwürdigkeit seines überraschenden Erfolgs.

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