Donald Trump gibt nicht auf

„Wahlbetrug“: Donald Trump verbreitet Fake-News, TV-Sender löscht Tweet

  • vonMirko Schmid
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Donald Trump und seine Wahlbetrugs-Anschuldigungen erreichen ein neues Level. Der Nachrichtensender OAN hat einen Tweet gelöscht, den Donald Trump verbreitet hatte.

  • Donald Trump behauptet, dass 2,7 Millionen „seiner“ Stimmen „gelöscht“ oder in Stimmen für Joe Biden „gedreht“ wurden.
  • Seine wüsten Anschuldigungen, wonach es einen „Wahlbetrug“ gegeben habe, entsetzen Regierungsethiker:innen.
  • Trump News: Alle Nachrichten zum abgewählten Präsidenten der USA

Update von Freitag, 13.11.2020, 13.22 Uhr: Die Behauptung, wonach 2,7 Millionen angebliche Stimmen für Donald Trump zur US-Wahl 2020 technisch „geklaut“ worden seien, stellt sich als Falschnachricht heraus. Der rechtskonservative Fernsehsender „One American News Network“ (OAN) hatte die Wahlforschungsagentur Edison Research in einem Tweet zitiert, in dem behauptet wird, dass ein technischer Betrug dazu geführt habe, dass Stimmen für Donald Trump im Millionen-Ausmaß gefälscht worden seien. Trump hatte den Tweet umgehend weiterverbreitet.

Nur: Edison Research, das Umfragen und Abstimmungsberichte veröffentlicht und Wahldaten für viele Nachrichtenagenturen bereitstellt, darunter ABC, CBS und CNN, hatte zuvor von einer solchen Anschuldigung nie gehört, wie „The Dispatch Fact Check“ berichtet. Das Zitat war schlichtweg erfunden und erlogen. OAN löschte den Tweet im Anschluss kommentarlos. Donald Trump hält das nicht davon ab, die Rechtmäßigkeit der mittels der IT-Systeme des Anbieters Dominion ausgezählten Wahlstimmen infrage zu stellen.

Donald Trump spricht weiter von „Wahlbetrug“.

Donald Trump spricht unbeirrt weiter von „Wahlbetrug“

In einem neuen Tweet teilt der abgewählte Präsident einen Beitrag von Fox News, in dem mehrere Medienberichte der letzten Jahre zusammengefasst werden, die kleinere und größere Pannen der Dominion-Systeme darstellen. Donald Trump nimmt dies zum Ansatz, sich erneut fälschlicherweise zum betrogenen Wahlsieger auszurufen. Trump: „Die fraglichen Staaten sollten sofort in die Kategorie der Trump-Siege einsortiert werden. Biden hat nicht gewonnen, er hat massiv verloren!“ In seinem Anschluss-Tweet lobt er den „großartigen“ Fox-Moderatoren Lou Dobbs dafür, ein „machtvolles Stück bestätigt“ zu haben. Beide Tweets wurden von Twitter mit Warnhinweisen versehen.

Erstmeldung von Donnerstag, 12.11.2020, 20.20 Uhr: Washington D.C. – Seit über einer Woche hat sich Donald Trump gegenüber der US-amerikanischen Öffentlichkeit nicht mehr öffentlich zu Wort gemeldet, während die Zahl an Corona-Neuinfektionen weiterhin bedrohlich steigt. Aus seinem „Twitter-Keller“ (CNN) wettert der abgewählte Präsident hingegen fleißig weiter gegen einen angeblichen und unbewiesenen „Wahlbetrug“. Diese Anschuldigungen erreichen jetzt ein neues Level - Donald Trump fabuliert von 2,7 Millionen Stimmen, die ihm geklaut worden seien.

Donald Trump behauptet, knapp eine Million seiner Stimmen sei „gelöscht“ worden

Im Mittelpunkt steht dabei der Dienstleister Dominion Voting Systems. Das IT-Unternehmen stellt in vielen US-amerikanischen Bundesstaaten die Infrastruktur für die Stimmabgabe. Donald Trump wirft Dominion jetzt vor, 2,7 Stimmen der US-Wahl 2020 gefälscht zu haben. Alleine in Pennsylvania seien 941.000 Trump-Stimmen einfach gelöscht und dazu 221.000 in Stimmabgaben für Joe Biden umgewandelt worden. Die „New York Times“ recherchierte seine Vorwürfe umgehend und kam zu dem Schluss: „Nein, Dominion-Wahlmaschinen haben keine breitflächigen Wahlprobleme verursacht.“ Es gäbe schlicht keinen einzigen Hinweis auf einen „Wahlbetrug“.

Während Twitter seine absolut unbewiesene Behauptung erst nach Stunden als „umstritten“ markierte, fand Walter Shaub, der ehemalige Vorsitzende der US-amerikanischen Behörde für Regierungsethik klare Worte: „Das ist eine gefährliche Lüge.“ Trump stellt die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2020 seit Tagen als „Wahlbetrug“ dar und klammert sich an seinen Sessel im Weißen Haus. Immer mehr Republikaner raten dem Präsidenten, von seinen unbewiesenen Anschuldigungen und Lügen abzusehen, und seine Niederlage einzugestehen.

Donald Trump sucht die Schuld für angeblichen „Wahlbetrug“ bei seinen ehemaligen FBI-Chefs

Statt dessen führt Donald Trump einen persönlichen Rachefeldzug. In einem Tweet fordert er mit den Worten „ok, ich habe genug gesehen“ Senator John Kennedy, Fox News-Moderatorin Maria Bartiromo und das Justizministerium auf, die von Trump geschassten FBI-Chefs James B. Comey und Andrew McCabe ins Visier zu nehmen. Trump macht sie dafür verantwortlich, dass sie sich nicht hinter seine Anschuldigungen eines lange geplanten Staatsstreiches der Demokraten gestellt hatten, weswegen er die Wahl nun infolge von „Wahlbetrug“ „gestohlen“ bekommen habe.

Der Senator Chris Coons aus Delaware berichtet gegenüber CNN, dass ihm dutzende Republikaner im Senat zum Wahlsieg von Joe Biden gratuliert hätten. „So ziemlich alle Republikaner im Kongress wissen, dass Donald Trump verloren hat. Sie können es nur nicht öffentlich sagen, weil sie Angst haben, von ihren Wähler:innen abgestraft zu werden, wenn sie sich offen gegen Trumps Lügen stellen.“ (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

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