Wähler reagieren offenbar

Grünen-Schmuse-Parteitag hat messbare Folgen - Umfrage liefert überraschendes Ergebnis

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Ungewöhnlich starke Emotionen rief der Grünen-Parteitag am vergangenen Wochenende hervor - eine Umfrage könnte nun zeigen: Die Wähler reagieren auf das Treffen.

  • Die Grünen polarisieren in den vergangenen Wochen - auch mit ihrem Parteitag in Bielefeld.
  • Eine Umfrage zeigt einen möglichen Effekt des Treffens.
  • Für die Öko-Partei gibt es allerdings auch einen kleinen Wermutstropfen.

München/Bielefeld - Eine Errungenschaft konnte den Grünen am vergangenen Wochenende niemand wegdiskutieren: Ihr demonstrativ harmonischer Parteitag und die begleitende, überwiegend positive, Berichterstattung erhitzten die Gemüter. Ein Effekt, der nicht von jedem Partei-Treffen ausgeht - bisweilen erregten derartige Termine der Bundestagsparteien auch einfach nur beherztes Gähnen.

Just zum großen Jubelfest für die mit überwältigender Mehrheit wiedergewählten Parteichefs Robert Habeck und Annalena Baerbock aber sackten die vormals so guten Umfragewerte in den Keller: Die Grünen betrachteten sich die 20-Prozent-Marke wieder von unten. Hatte sich hier etwa ein Abwärtstrend in Gang gesetzt? 

Eine Woche später scheint klar: Die Antwort lautet Nein. Möglicherweise haben die Grünen just mit ihrem Parteitag das Blatt wieder gewendet.

Grüne gewinnen nach Parteitag in Umfrage wieder hinzu - SPD und Linke Leidtragende

Denn die Partei hat im am Samstag veröffentlichten "Trendbarometer" von RTL und n-tv zwei Prozentpunkte hinzugewonnen und liegt nun wieder bei 21 Prozent.

Leidtragende der Entwicklung scheinen den Demoskopen zufolge die anderen beiden Parteien aus dem linken Spektrum im Bundestag. SPD und Linke verlieren gegenüber der Vorwoche je einen Prozentpunkt. CDU/CSU, FDP, AfD und die sonstigen Parteien bleiben unverändert.

Wahlumfrage: Schwierige Koalitionsbildung könnte drohen - Nur ein Zweierbündnis möglich

Wenn in dieser Woche Bundestagswahl wäre, könnten die Parteien der Umfrage zufolge mit folgendem Ergebnis rechnen: CDU und CSU kämen auf 26 Prozent (Bundestagswahl 32,9 Prozent), die SPD auf 14 Prozent (20,5 Prozent), die FDP neun Prozent (10,7 Prozent), die Grünen auf 21 Prozent (8,9 Prozent), die Linke auf neun Prozent (9,2 Prozent), die AfD auf 13 Prozent (12,6 Prozent).

Bedeuten würde das, dass es für ein schwarz-grünes Bündnis angesichts des Stimmenanteils der sonstigen Parteien knapp reichen könnte - ansonsten aber erhielte keine Zweier-Koalition eine rechnerische Mehrheit. Denkbar wären hingegen ein Jamaika-Bündnis oder auch eine Kenia-Koalition, wie sie gerade in Brandenburg Realität geworden ist. Die CDU hat erst am Wochenende die Grünen einmal mehr zu ihrem Hauptkonkurrenten ausgerufen.

Umfrage zeigt keine Kanzlermehrheit für Grüne - Linksbündnis bleibt unter 50 Prozent

Möglicher Wermutstropfen für den von einigen Medien schon zum neuen Kanzlerkandidaten ausgerufenen Robert Habeck: Eine Regierungsmehrheit unter Führung der Grünen scheint derzeit nicht in Reichweite. In einer rot-rot-grünen Koalition wären die Grünen zwar die stärkste Kraft - das Bündnis käme allerdings, wäre am Sonntag Bundestagswahl, weiterhin nur auf 44 Prozent der Stimmen. Ohnehin könnte der Partei nach Ansicht eines Experten ein Dilemma drohen

Die Kanzlerraute scheint schon vorbereitet - doch der Weg ins Bundeskanzleramt scheint den Grünen weiterhin rechnerisch verwehrt.

Acht Prozent der Befragten würden sich unterdessen der Erhebung zufolge für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2 Prozent) 22 Prozent aller Wahlberechtigten sind derzeit unentschlossen oder würden nicht wählen (Nichtwähler 2017: 23,8 Prozent). Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa von Montag bis Freitag 2501 Bundesbürger. Die statistische Fehlertoleranz wird mit 2,5 Prozentpunkten angegeben.

Eine kleine Umfrage-Enttäuschung musste in der vergangenen Woche auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einstecken - sie ist nicht mehr beliebteste Politikerin Deutschlands. Die Grünen können unterdessen weiter auf noch bessere Ergebnisse hoffen. Eine andere Erhebung attestierte ihnen im Oktober ein überaus großes Wähler-Potenzial.

fn/AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Kay Nietfeld

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