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Pedro Sánchez, Ministerpräsident von Spanien und Kandidat der sozialistischen Partei (PSOE), jubelt mit seiner Frau Begonia Gomez. 

Wahl in Spanien 

Der Widerständler

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Pedro Sánchez hat die spanischen Sozialisten zum Wahlsieg geführt. Vor zweieinhalb Jahren war er noch für ihre bisher tiefste Krise verantwortlich. 

Sonntag, in der Nacht auf Montag, genießt Pedro Sánchez das Bad in der Menge vor der Parteizentrale in der Madrider Calle Ferraz. „Die Zukunft hat gewonnen!“ ruft er, „die Vergangenheit hat verloren!“ Er ist die Zukunft, die Rechte ist die Vergangenheit. Diesmal hat sie verloren. Auch wenn die extreme Rechte mit 24 Abgeordneten ins spanische Parlament einzieht – regieren wird er, Pedro Sánchez, 47 Jahre alt, Generalsekretär der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE): ein europäischer Sozialdemokrat, der soeben von den Wählern im Amt des Ministerpräsidenten bestätigt worden ist, wenn die formale Ungenauigkeit hier erlaubt sei.

Im Amt muss ihn natürlich das Parlament bestätigen, und bis es soweit ist, werden noch viele Wochen vergehen. Aber Sánchez spürt schon mal den angenehmen Rückenwind eines wenn auch nicht blendenden, so doch klaren Wahlsiegs. Das ist zurzeit nicht vielen Sozialdemokraten vergönnt.

Die knapp 7,5 Millionen Wähler, die der PSOE an diesem Sonntag 28,7 Prozent der Stimmen bei der Wahl zum spanischen Parlament bescherten, haben für den bisherigen Höhepunkt einer ziemlich unwahrscheinlichen Politikerkarriere gesorgt. Als Sánchez vor gut zwei Monaten Neuwahlen ansetzte, hätte kaum jemand einen Pfifferling auf ihn gewettet; als er vor zehn Monaten mit einem Misstrauensvotum gegen den damaligen Regierungschef Mariano Rajoy liebäugelte, auch nicht. Und in den Jahren davor, als er es eigensinnig mit all den machtvollen Konkurrenten in seiner eigenen Partei aufnahm, sowieso nicht.

Pedro Sánchez: Seine Autobiographie hat ihm viel Häme eingebracht

Vor kurzem hat Sánchez eine politische Autobiografie veröffentlicht, die ihm viele lästerliche Kommentare eingebracht hat (welchem Regierungschef fällt es ein, noch vor dem Ausstieg aus dem Amt eine Autobiografie zu schreiben?), deren Titel aber Sánchez’ Selbsteinschätzung enthält: „Handbuch des Widerstands“ heißt das Werk. Pedro Sánchez ist ein Widerständler. Das ist keine großartige Qualität, hat Sánchez aber weit gebracht.

Vor zweieinhalb Jahren, im Herbst 2016, schien Sánchez bereits am Ende seiner Karriere angekommen zu sein, als ihm der damalige PSOE-Vorstand den weiteren Rückhalt verweigerte, weil er sich wiederum jeder konstruktiven Lösung der damaligen politischen Krise im Land verweigert hatte (die schließlich mit der Wiederwahl Rajoys ein Ende fand).

Sánchez verschwand in der Versenkung und tauchte mit dem Rückhalt der Mehrheit der PSOE-Mitglieder und gegen den Widerstand des Parteiestablishments wieder daraus auf: Im Mai 2017 wurde er erneut zum Parteichef gewählt. Und gut ein Jahr später zum Regierungschef, gegen alle Auguren. In den vergangenen zehn Monaten hat er an politischer Statur gewonnen, er hat sich Freunde in Europa gemacht, darunter Angela Merkel, er hat eine soziale Agenda auf den Weg gebracht. Er hat seine Rolle gefunden. Viele mögen ihn immer noch nicht und halten ihn bloß für einen machtverliebten Opportunisten. Dass er trotz schlechten Umfragewerten im Februar an diesem Sonntag doch gewonnen hat, liegt auch an der wachsenden Furcht, den seine rechten Gegner einflößen. Die Zukunft gehört Sánchez. Zumindest die nähere.

Lesen Sie dazu den Leitartikel:Spanien braucht eine starke Linkskoalition

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