Polen

Wahl in Polen: Deutschpolen stimmen weniger für PiS

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Die rund 46.000 Wahlberechtigten hierzulande wählten überwiegend das Oppositionsbündnis.

Die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat die Parlamentswahlen in Polen deutlich gewonnen. Sie erhielt bei der Abstimmung am Sonntag 43,6 Prozent. Damit kann Ministerpräsident Mateusz Morawieck mit absoluter Mehrheit weiterhin ohne Koalitionspartner regieren.

Unter den in Deutschland lebenden Polen ist die PiS-Partei allerdings deutlich unbeliebter. Nur ein knappes Viertel der rund 46 000 in Deutschland abgegebenen Stimmen entfiel auf die Regierungspartei. Das teilte die polnische Wahlkommission am Montagabend mit. Stärkste Kraft wurde unter den Deutsch-Polen demnach mit 43 Prozent das größte Oppositionsbündnis, die liberalkonservative Bürgerkoalition. Das Linksbündnis SLD kam auf 19,7 Prozent.

Damit hat die PiS gegenüber den Wahlen 2015 in Deutschland stark eingebüßt. Bei den Parlamentswahlen vor vier Jahren war die Regierungspartei (31,2 Prozent) noch vor der Bürgerplattform (27,55) stärkste Partei gewesen. Für die Stimmenverluste der PiS in Deutschland hat Sozialwissenschaftlerin Agnieszka Lada eine Erklärung. „Zu dieser Wahl haben sich viele Vertreter des jungen Polen registriert, weil sie sich Sorgen um die politische Entwicklung in ihrer Heimat machen“, sagt die Expertin vom unabhängigen Institut für öffentliche Angelegenheiten in Polen. Seit dem EU-Beitritt Polens 2004 seien viele junge, modern denkende und gut ausgebildete Polen nach Deutschland ausgewandert, sagt Lada.

Im polnischen Fast-Food-Restaurant „Tak Tak“ in Berlin-Mitte sind die Wahlergebnisse an diesem Mittag Gesprächsthema. Bei Bigos und Pierogi machen die Gäste hier Mittagspause. Die 18-jährige Kate Wojna arbeitet im „Tak Tak“ als Servicekraft, vor wenigen Wochen zog sie nach Berlin. „Ich bin richtig verärgert“, sagt sie. Auch die Stimmung unter ihren Freunden aus ihrer Heimatstadt Breslau sei ähnlich. „Ich kenne niemanden persönlich, der die PiS gewählt hat“, sagt Wojna.

Sie führt den Sieg der PiS auf einen Mentalitätsunterschied zwischen der Landbevölkerung und den Bewohnern größerer Städte zurück. „Die Menschen auf dem Land interessieren sich nur für ihren eigenen Mikrokosmos“, so Wojna. Auch der niedrige Lebensstandard spiele eine Rolle: Die Pis spreche gezielt ärmere Polen an.

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