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Werbung für Nigerias Präsident Buhari auf einem Auto in Abuja.

Nigeria

Kampf alter Männer

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Die Wahl in Nigeria verspricht keine Veränderung - trotz des Scheins der Pluralität.

Mit über 70 Kandidaten werden bei der nigerianischen Präsidentschaftswahl am 16. Februar eine Rekordzahl an Bewerbern antreten – doch der Schein der Pluralität trügt. Eine wirkliche Chance haben lediglich zwei Kandidaten, die zur eingeschworenen politischen Elite des fast 190 Millionen Einwohner zählenden Staates gehören: Der derzeitige Präsident Muhammadu Buhari sowie der einstige Vizepräsident Abubakar Atiku. Beide sind über 70 Jahre alt und haben schon mindestens vier Mal für das höchste Staatsamt kandidiert, beide gehörten zeitweise sogar derselben Partei an und stammen aus dem muslimischen Norden des Landes. Obwohl die Abstimmung vermutlich äußerst knapp ausgehen wird: Überraschungen sind weder vom ehemaligen Diktator Buhari noch vom Wirtschaftsmagnaten Atiku zu erwarten.

Das sollte vor vier Jahren eigentlich anders sein, als Buhari gegen den amtierenden Präsidenten Goodluck Jonathan gewann: Es war das erste Mal, dass in Nigeria ein Machtwechsel durch Wahlen und nicht durch einen Coup stattfand. Damals waren die Erwartungen an den angeblich unerbittlichen Korruptionsbekämpfer Buhari riesig: Von dem Ex-General erhoffte man sich außerdem, dass er den Aufstand der extremistischen Boko-Haram-Sekte im Nordosten des Landes beenden und die unter dem Verfall des Erdölpreises leidende Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen würde.

Gelungen ist dem 76-jährigen Staatschef nichts von alledem. Die Korruption blüht auch vier Jahre später noch in vollem Umfang, die Extremisten im Nordosten des Landes sind – statt zerschlagen zu sein – seit mehreren Monaten wieder auf dem Vormarsch und die Wirtschaft befinde sich „im miserabelsten Zustand aller Zeiten“, wie Herausforderer Atiku klagt.

Während seiner vierjährigen Amtszeit hielt sich Buhari mehr als fünf Monate lang zu Krankenhausaufenthalten in England auf: Seitdem kursieren Gerüchte, wonach der Präsident in Wahrheit längst gestorben und von dem sudanesischen Double „Jubril“ ersetzt worden sei. Zumindest sagen die Gerüchte etwas über die Wahrnehmung der Effizienz Buharis aus: Warum sich diese in einer zweiten Amtszeit auf wunderbare Weise steigern sollte, können auch seine Anhänger nicht sagen.

Keine Hoffnung für Arme

Ob Abubakar Atiku mehr zustande bringen würde, muss bezweifelt werden – zumindest bei der Korruptionsbekämpfung ist von ihm sogar noch weniger zu erwarten. Der schwerreiche Geschäftsmann war selbst wiederholt in Finanzskandale verwickelt: 2006 wurde ihm vorgeworfen, als Vizepräsident weit über 100 Millionen US-Dollar an Steuergeld in sein Business-Imperium geschleust zu haben. Vier Jahre später beschuldigte ihn der US-Senat, mindestens 40 Millionen Dollar an „fragwürdigen Geldern“ in die USA geschafft zu haben. Atiku begann seine berufliche Karriere als Zollbeamter: Ein Sektor, der als Hochburg der Korruption gilt. Er selbst sei immer sauber geblieben, versichert der vierfache Ehemann und Vater von 28 Kindern in seiner Biografie: Ihm sei es lediglich darauf angekommen, „den nigerianischen Staat reicher zu machen“.

In seinem Wahlkampf konzentrierte sich der Kandidat der Demokratischen Volkspartei (PDP) ganz auf die Belebung der Ökonomie. Er werde bis zum Jahr 2025 den Umfang der größten afrikanischen Volkswirtschaft auf 900 Milliarden Dollar verdoppeln, versprach Atiku. Das solle unter anderem durch eine Privatisierung des staatlichen Erdölkonzerns NNPC erreicht werden: Doch seine politischen Gegner vermuten dahinter den Versuch, sich und seinen Kumpanen das Tafelsilber des Landes zuzuschustern.

Wie diese Wahl auch immer ausgeht: Die fast 100 Millionen Nigerianern, die unterhalb der Armutsgrenze leben und mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen, sollten sich keine Hoffnungen machen.

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