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Wahl in Frankreich: Mélenchon wird zum potenziellen „Königsmacher“

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Von: Sonja Thomaser

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Jean-Luc Melenchon (M), Präsidentschaftskandidat der linken Partei „La France insoumise“.
Jean-Luc Melenchon (M), Präsidentschaftskandidat der linken Partei „La France insoumise“. © Daniel Cole/dpa

Macron und Le Pen kämpfen vor der Stichwahl in der Präsidentschaftswahl in Frankreich um die 7,7 Millionen linken Wähler:innen des radikal-linken Jean-Luc Mélenchon.

Paris - Die Stichwahl in der Präsidentschaftswahl in Frankreich steht nun an, und Emmanuel Macron und Marine Le Pen gingen am Montag (11.04.2022) in entgegengesetzte Richtungen, um die Unterstützung neuer Wähler:innen zu gewinnen, um die letzte Runde in weniger als zwei Wochen zu gewinnen.

Macron machte sich laut der britischen Tageszeitung The Guardian auf den Weg nach Norden, wo er mehrere Stunden damit verbrachte, mit Menschenmassen in Denain zu sprechen, einer ehemaligen Bergbaustadt, die einst von Sozialisten kontrolliert wurde, heute aber eine rechtsextreme Hochburg ist. Le Pen machte sich auf den Weg nach Süden ins nördliche Burgund, wo der Pariser Pendlergürtel auf die ländliche Gegend trifft und wo sie bereits Unterstützung genießt.

Wahl in Frankreich: Wähler:innen für die zweite Runde mobilisieren

Macron und Le Pen müssen die 49 Prozent der Wähler:innen überzeugen, die am Sonntag keinen von ihnen beiden unterstützt haben. Ebenso die 25,1 Prozent, die überhaupt nicht gewählt haben.

Beide werden versuchen, einige der über 7,7 Millionen Wähler:innen abzuwerben, die den radikal-linken Kandidaten Jean-Luc Mélenchon unterstützt haben. Der linke Kandidat kam am Sonntag (10.04.2022) bei der Vorwahl mit 21,95 Prozent der Stimmen nah an die zweite Runde heran.

Soziale Fragen werden zum Problem für Macron

In Denain, einst Teil des französischen Kernlandes des Kohlebergbaus, aber heute eine der ärmsten Städte Frankreichs ist, stimmten laut Guradian am Sonntag fast 42 Prozent für Le Pen und knapp 15 Prozent für Macron.

Immer wieder griff die Öffentlichkeit den Präsidenten mit seinem höchst umstrittenen Ziel an, das Rentenalter von 62 auf 65 anzuheben. Als er das letzte Mal versuchte, die Maßnahme durchzusetzen, löste dies wochenlange landesweite Streiks aus. Andere treiben die steigenden Lebenshaltungskosten und die Sorge um Arbeitsplätze und Gesundheit um.

Wahl in Frankreich: Linke fühlt sich politisch verwaist

Macron muss eine verfeindete Wählerschaft von den politischen Extremen vereinen, um am 24. April für ihn zu stimmen. Da sich viele, insbesondere die Linke, durch das Ergebnis vom Sonntag politisch verwaist fühlen, wird die erste Hürde sein, sie überhaupt zur Abstimmung zu bewegen.

Macron sagte laut Guardian, er sei bereit, politischen Rivalen, die in der ersten Runde verloren haben, die Hand zu reichen und eine „neue Methode“ in Betracht zu ziehen. Er weigerte sich jedoch, genauer zu werden, und sagte nur, dass er mit ihnen sprechen würde. Er sagte auch, er werde sein Programm „entwickeln“, nachdem er sich die „Wut und Verzweiflung“ derjenigen angehört habe, die ihn nicht gewählt hatten, und insbesondere die Sorgen junger Menschen über die Umwelt.

„Ich sehe die Spaltungen und die Wut im Land und ich höre die Stimmen derer, die für die Extreme gestimmt haben, sogar derer, die für Madame Le Pen gestimmt haben“, sagte er. Er fügte hinzu: „Mit der Anzahl der Menschen, die für die extreme Rechte und die extreme Linke gestimmt haben, kann ich nicht so weitermachen, als ob nichts passiert wäre.“

Wahl in Frankreich: Mélenchon rät nicht zu Le Pen - aber auch nicht zu Macron

Der Präsident ging nach den endgültigen Zahlen des französischen Innenministeriums mit einem Vorsprung von mehreren Punkten aus der ersten Wahlrunde hervor und erzielte 27,84 Prozent gegenüber Le Pens 23,15 Prozent. Mehr als 3,2 Millionen Wähler:innen, die andere rechtsextreme Kandidaten gewählt haben, darunter Éric Zemmour, werden wahrscheinlich ihre Unterstützung auf Le Pen übertragen.

Mélenchon hat sich als potenzieller Königsmacher auf dem dritten Platz herausgestellt, nachdem er in einem überraschenden Anstieg mit knapp 22 Prozent bis auf wenige Punkte an Le Pen herangekommen war.  Mélenchon hat seinen Anhängern:innen zwar geraten, im zweiten Wahlgang nicht für Le Pen zu stimmen, hat aber laut Guardian aufgehört, ihnen zu raten, Macron wählen. Hohe Enthaltungen in der zweiten Runde dürften ein Vorteil für Le Pen sein. (Sonja Thomaser)

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