Bayern

Die Wahl und das Geld

Bayerische Parteien sind kreativ: Die SPD setzt auf Obamas Erfolgsrezept und hofft auf viele kleine Spenden. Die Günen lassen ihre Unterstützer Wahlplakate spenden - und die freien Wähler verzichten ganz.

München (ap) - Nur noch wenige Wochen, dann wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Über den Sieg entscheidet dabei nicht zuletzt Geld, denn die bessere und aufwendigere Werbekampagne könnte den entscheidenden Ausschlag geben. Auch deswegen sind viele Parteien kurz vor dem Wahlkampfendspurt auf der Suche nach Spendern, die mit ihrem Geld die Kassen füllen. Zunehmend gehen die Parteien dabei neue Wege.

Die bayerische SPD orientiert sich am US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Viele kleine Spenden sollen es sein, erklären die Sozialdemokraten. Die Unterstützer haben dabei nicht nur die Möglichkeit auf der Homepage, mit Lastschrift oder Kreditkarte sowie per Telefonanruf zu spenden, sondern auch zu bestimmen, ob das Geld einem bestimmten Themenbereich zufließen soll oder einem speziellen Wahlkreiskandidaten.

Diese Individualität bei den Spenden habe es in Deutschland so noch nicht gegeben, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der bayerischen SPD, Thomas Beyer. Hier sei man auch Vorbild für den Bund.

Die themenabhängigen Spenden solle Identifikation mit den Inhalten entstehen, sagt Beyer. Ab fünf Euro ist der Spender dabei und soll später über die genaue Verwendung seines Geldes informiert werden. Ein Aufwand, der zwar beträchtlich werden könnte, der aber durchaus gewünscht ist. So bekomme man Kontakt zu den Unterstützern, sagt Beyer. Das bringe noch einmal genauso viel wie das Geld selbst. Am Ende seien ihm deswegen zwei Spender, die fünf Euro gäben, lieber als einer mit fünfzehn Euro. Insgesamt will der SPD-Landesverband rund zwei Millionen Euro aufwenden.

Ein eigenes Grünen-Plakat spenden

Eine Premiere bieten auch die bayerischen Grünen ihren Unterstützern: Sie können ein Plakat an einem Standort ihrer Wahl spenden. Das Plakat komme von der Partei, erklärt Sprecher Alex Burger. Seit einer Woche laufe der Aufruf dazu im Internet, 20 Interessenten hätten sich inzwischen gemeldet. Die heiße Phase des Wahlkampfs habe aber noch nicht begonnen.

Deswegen kann der Grünen-Sprecher auch noch keine konkrete Prognose für das Spendeneinkommen der Partei machen. Vielleicht 40.000 bis 50.000 Euro schätzt er. Das Wahlkampf-Budget des Landesverbandes liegt bei 300.000 Euro.

Die CSU gibt sich beim Thema Wahlkampfspenden deutlich bedeckter: Wie hoch das Aufkommen ist und ob es eher kleine oder große Spenden sind, sagt die Partei nicht. Auch wie hoch das Budget für den aktuellen Wahlkampf genau ist, verrät Sprecher Hans Michael Strepp nicht. Es liege aber im Bereich der Kosten für den vergangenen Wahlkampf. Damals gab die CSU rund 5 Millionen Euro aus.

Eine kleine Neuerung bei den Spenden haben auch die Christsozialen anzubieten. Wer will, kann ihnen über den Internetbezahldienst PayPal Geld zukommen lassen, der sonst vom Bezahlen bei Online-Auktionshäusern bekannt ist. Grundsätzlich sei das Thema Spenden nicht im Vordergrund, sagt Strepp. "Für uns stehen die Inhalte und die politische Botschaft klar im Vordergrund."

PayPal gibt es seit kurzem auch bei der bayerischen FDP, die zum ersten Mal im Netz auf Spendensuche geht. Er sei gespannt wie das angenommen werde, sagt Sprecher Lars Pappert. Er betont, wie wichtig Spenden seien. Sie würden auch darüber entscheiden, ob eine Partei in der heißen Phase des Wahlkampf noch einmal nachlegen und sich Radiospots oder Anzeigenkampagnen leisten könne. Das könne entscheidenden Einfluss haben. Der Landesverband will 500.000 Euro ausgeben.

Nicht für alle sind Spenden eine wichtige Geldquelle

Bei der Linken muss man schon ein bisschen suchen, um die Möglichkeit zu spenden auf der Homepage zu finden. Auch gibt es dort keine direkte Spendemöglichkeit, sondern nur eine Kontonummer. Spenden seien kein so großes Thema, sagt Sprecher Pascal Meiser. "Viele unserer Unterstützer haben es nicht so dicke." Mit Großspenden könne die Linke deswegen nicht rechnen.

Kein Thema sind Spenden dagegen bei den Freien Wählern. Als einzige Gruppierung mit Chancen auf den Landtagseinzug haben sie keine Spendenmöglichkeit auf ihrer Homepage. Und Großspenden von der Industrie würden sie ohnehin nicht annehmen, sagt Geschäftsstellenleiter Michael Fischl. Da gehe es um die eigene Unabhängigkeit.

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