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Die Wahl-Duelle im Vergleich

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Von: Daland Segler

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Die "Fünfkampf"-Runde der ARD: mit BR-Chefredakteur Christian Nitsche (l.), WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich (2.v.l.) und den Vertretern und Spitzenkandidaten der kleineren Parteien.
Die "Fünfkampf"-Runde der ARD: mit BR-Chefredakteur Christian Nitsche (l.), WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich (2.v.l.) und den Vertretern und Spitzenkandidaten der kleineren Parteien. © imago

Vereinfachungen und falsche Fragen: An zwei Tagen trafen sieben Kandidaten auf sechs Moderatoren. Die beiden Wahlkampf-Shows im Fernsehen im Vergleich.

Gleich zwei Fernsehrunden haben die Spitzenkandidaten der größeren Parteien vorgestellt, „Das Duell“ und „Der Fünfkampf“ boten jeweils eine Arena für Wahlkämpfer, die auf Fragen von Moderatoren antworten sollten. Üblicherweise bedeutet Moderation ja die Vermittlung zwischen Teilnehmern eines Gesprächs, in diesem Fall aber ging es eher darum, mit scharfen Fragen möglichst präzise Antworten zu bekommen – was wegen des Kampf-Charakters eher die Domestizierung der Streitenden bedeutete.

Dafür bot das bundesdeutsche Fernsehen die Vorzeigegesichter des politischen Journalismus auf: Sandra Maischberger; ARD, Maybrit Illner, ZDF, Peter Kloeppel, RTL und Claus Strunz, Sat.1 fragten am Sonntag beim „Duell“ zwischen Angela Merkel und Martin Schulz; Sonia Seymour Mikich, WDR, und Christian Nitsche vom BR waren beim „Fünfkampf“ zwischen FDP, Linke, Grünen, CSU und AfD die Fragenden.

Moderatoren-Quartett agiert undurchsichtig

Sie beschränkten sich allerdings, anders als ihre prominenteren Kollegen, nicht so sehr auf ihre Rollen als Stichwortgeber, sondern bemühten sich bei ihren Einlassungen um Differenzierung – obwohl ihnen 20 Minuten weniger Zeit zur Verfügung stand als den Duellanten.

Die Vorgaben gereichten dem „Fünfkampf“ zum Vorteil: „Es gibt keine starren Regeln“, erklärte Sonia Mikich zu Beginn. Und sie bemühte sich im Verlauf der Show bisweilen, ihr Vorgehen zu erklären. Das aber tat das Quartett am Sonntag nicht, und überhaupt war rätselhaft, wer warum was fragte. Die Folge: Ein ums andere Mal redeten die vier durcheinander.

Das war eine eher lässliche Sünde, verglichen mit der Qualität vieler Fragen. Über die präpotente Aufführung von Claus Strunz ist schon viel und zu Recht gelästert worden; er hatte sich offenbar vorgenommen, Stefan Raabs Rolle als böser Bube in der Runde zu spielen, aber über die „etwas flapsige“ Formulierung, ob es „klappt“ mit den Abschiebungen, wohl vergessen, über was für Schicksale er da sprach. Dass beim „Fünfkampf“ CSU-Mann Joachim Herrmann sich geradezu brüstete mit „10 000 Abschiebungen“, hätte das Moderatorenpaar ruhig kommentieren dürfen, waren sie doch sonst um Einwürfe und Widerspruch nicht verlegen.

Kein Raum für tiefergehende Erörterungen

So konnte Sonia Mikich denen eine Antwort geben, die sich gefragt hatten, was die Regierungspartei CSU in dieser Runde zu suchen hatte. Sie sprach die Verquickungen von CDU und den Managern der Autoindustrie wie Matthias Wissmann oder Eckart von Klaeden an und fragte nach der Dauer des „Abklingbeckens für Politiker“, die nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag in die Industrie wechseln. Illner hatte das beim Duell auch schon versucht, aber nur die „Verwobenheit“ prominenter Christdemokraten mit der Motor-Mafia angetippt – ohne dann nachzufragen.

Wie sich überhaupt der Mangel an tiefergehenden Erörterungen naturgemäß als das größte Manko beider Sendungen erwies, auch wenn der „Fünfkampf“ wesentlich lebendiger wirkte – nicht zuletzt ein Verdienst Mikichs und Nitschs, die auch mal dazwischenfuhren, etwa als AfD-Frau Alice Weidel über Flüchtlinge ohne Papiere schwadronierte und Nitsche fragte: „Die untergehen, auf dem Weg über das Mittelmeer?“

Aber gerade bei diesem komplexen Thema wurde die dem zeitlichen Korsett geschuldete Kurzatmigkeit erkennbar. Denn die inzwischen fast unisono geäußerte Forderung nach einem Einwanderungsgesetz, um Fachkräfte ins Land zu lassen, unterschlägt den damit verbundenen Raubbau an den Eliten der Länder Afrikas – Philosoph Richard David Precht nannte das jüngst einen neuen Kolonialismus.

Stattdessen gab es dann Fragen, die schlicht nicht seriös zu beantworten waren. Da tat sich Peter Kloeppel hervor, der von Martin Schulz wissen wollte, wie lange die Integration der Ankömmlinge dauern werde oder um wie viel Euro das Einkommen einer Familie unter seiner Kanzlerschaft steigen werde. Schulz’ Antworten machten den Unsinn dieser Frage klar. Politik lässt sich nicht mit Ein-Satz-Antworten erklären.

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