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Wahl in Brasilien: Bolsonaro kopiert erneut Trumps Wahltaktiken

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Von: Sandra Kathe

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Brasiliens Präsident warnt vor den Risiken manipulierter Wahlmaschinen, kritisiert „Fake News“ und kündigt mögliche Ausschreitungen im Fall einer Niederlage an.

Brasilia – Am 2. Oktober gehen die Brasilianerinnen und Brasilianer zum ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl und Amtsinhaber Jair Bolsonaro lässt keinen Zweifel daran, dass er entschlossen ist, sein Amt zu behalten: komme was wolle. Auch wenn der Rechtspopulist in den Umfragen zur Brasilien-Wahl im Vergleich zu seinem linken Herausforderer, dem Ex-Präsidenten Lula da Silva, seit Monaten deutlich hinten liegt.

Die Strategie, die Bolsonaro dabei vorm ersten Wahlgang am 2. Oktober zu verfolgen scheint, erinnert sehr an das Verhalten des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump bei der US-Wahl 2020. Schon Monate vor der Wahl sprach Trump damals von den unsicheren Abstimmungsgeräten, Versuchen von Wahlmanipulation seitens der Demokraten sowie drohenden Ausschreitungen im Falle seiner Abwahl, was letztlich am 6. Januar 2021 in einem Putschversuch extremistischer Trump-Fans in der US-Hauptstadt Washington D.C. gipfelte.

Ähnlich wie der ehemalige US-Präsident Donald Trump schwört Jair Bolsonaro seine Anhänger:innen seit Monaten auf Wahlbetrug und Gewaltausbrüche ein.
Ähnlich wie der ehemalige US-Präsident Donald Trump schwört Jair Bolsonaro seine Anhänger:innen seit Monaten auf Wahlbetrug und Gewaltausbrüche ein. (Symbolfoto) © Andre Borges/AFP

Vor Brasilien-Wahl: Würde Bolsonaro eine mögliche Wahlniederlage akzeptieren?

Auch Bolsonaro hat früh angedeutet, im Falle seiner Wahlniederlage das Ergebnis nicht zu akzeptieren. Bei einer Rede vor Anhänger:innen aus der evangelikalen Szene in Brasilien im Sommer 2021 sprach er von drei möglichen Szenarien nach der Brasilien-Wahl: Er werde entweder inhaftiert, ermordet oder wiedergewählt. Und auch wenn er inzwischen angekündigt hat, sich im Falle einer Wahlniederlage aus der Politik zurückzuziehen, scheint er nach wie vor mögliche Narrativen vorzubereiten, um die Übergabe der Amtsgeschäfte an Lula doch noch zu verhindern.

Wie etwa das US-Nachrichtenportal Grid berichtet, beginnt das damit, dass Bolsonaro einiges versucht, um seinen politischen Opponenten in den Schmutz zu ziehen. So habe er Lula im Wahlkampf etwa als Gegner der Kirche bezeichnet oder dem Ex-Präsidenten vorgeworfen, mit gewalttätigen Gangs unter einer Decke zu stecken. Lula wolle außerdem den Kommunismus in Brasilien einführen. Negativschlagzeilen über seine eigene Person kanzelte Bolsonaro dagegen immer wieder als „Fake News“ ab.

Bolsonaros Taktik vor der Brasilien-Wahl: Amtsinhaber sät Zweifel an Sicherheit der Wahl

Dazu sät Bolsonaro, ebenfalls analog zu Donald Trump, bereits seit Monaten Zweifel an der Sicherheit der Geräte, an denen die Menschen in Brasilien am ersten Wahlgang am 2. Oktober sowie voraussichtlich auch bei einer Stichwahl am 30. Oktober ihre Stimme abgeben werden. Fachleute dagegen bezeichnen das Wahlsystem in Brasilien immer wieder als verlässlich und sicher.

Auch vor Gewaltausbrüchen warnt Bolsonaro und greift damit dem womöglich gestiegenen Risiko vor, dass gewalttätige oder sogar bewaffnete Bolsonaro-Anhänger unabhängig von dessen Akzeptanz einer Wahlniederlage zu drastischen Maßnahmen greifen könnten. Einem Bericht des Fernsehsenders ntv zufolge habe sich die Anzahl an Menschen, die in Brasilien eine Waffe besitzen, seit Bolsonaros Amtsantritt im Jahr 2019 verfünffacht und liege derzeit bei weit über einer halben Million. (ska)

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