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Wagner-Gruppe: Alles über Russlands brutale Söldner

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Von: Lia Stoike

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Die Wagner-Gruppe, auch „Schattenarmee“ oder „Russlands Söldner“ genannt, war einst geheim. Seit 2022 kämpft sie offen mit Russlands Streitkräften im Ukraine-Krieg.

Frankfurt - Die Wagner-Gruppe ist eine paramilitärische Organisation aus Russland, die bekannt ist für ihre Brutalität und Skrupellosigkeit: Regelmäßig sorgen die Söldner mit Videos von grausamen Hinrichtungen oder Folterungen für Schlagzeilen. Sie unterliegen keiner militärischen Hierarchie. Rekrutiert werden die Söldner seit spätestens 2022 unter anderem in Lagern für Strafgefangene, mit Versprechen auf Straferlass. Zuvor hatten sich überwiegend ehemalige Soldaten der Söldner-Truppe angeschlossen. Obwohl sie per Gesetz in Russland verboten ist und Moskau jegliche Verbindung abstreitet, gibt es Berührungspunkte mit der russischen Regierung.

Name:Gruppe Wagner
Synonyme:Putins Schattenarmee, Russlands Söldner
Gründung:2014
Wichtige Kommandeure:Dmitri Utkin, Jewgeni Prigoschin

Wagner-Gruppe: Gewalt und Brutalität sollen abschrecken

Ein Mann, der blutüberströmt am Boden liegt – um ihn herum stehen vermeintliche Soldaten in grüner Militäruniform, einer schlägt mit einem Hammer auf den Verletzten ein. Es ist eine grausame Szene, aus einem 2017 veröffentlichten Handyvideo der Wagner-Gruppe, das zeigt, wie Söldner einen Deserteur der syrischen Armee foltern, hinrichten und anschließend verbrennen.

Seitdem ist der Vorschlaghammer ein Symbol, das für die Gewaltbereitschaft der Söldner steht. Dieses Verbrechen ist nicht das einzige, dass die Gruppe veröffentlicht. Sowohl gegen eigene Leute als auch gegnerische Truppen und die Zivilbevölkerung: Die Gewalt der Söldner soll einschüchtern und abschrecken.

Wichtige Drahtzieher der Söldner-Truppe: Dmitri Utkin und Jewgeni Prigoschin

Als Drahtzieher der Wagner-Gruppe im Hintergrund gelten Dmitri Utkin und Jewgeni Prigoschin. Der Name der Söldner-Truppe soll auf Utkins Vorliebe für den deutschen Komponisten Richard Wagner zurückgehen. Die politische Gesinnung des Neonazis ist auf seinen Körper tätowiert: Es sind SS-Runen. Der ehemalige Wagner-Kommandant war beim Geheimdienst, hat offenbar eine gute Verbindung zum Präsidenten Wladimir Putin und wurde 2016 als Held des russischen Vaterlandes geehrt.

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Ein Mitglied der Wagner-Gruppe in den zerstörten Straßen von Soledar, Ukraine. © IMAGO/SNA

Doch der wahre Kopf, Finanzier und Strippenzieher der Wagner-Gruppe ist Jewgeni Prigoschin. Laut der Internet-Plattform Meduza wurde er 1979 im Alter von 18 Jahren wegen Diebstahl zu einer Bewährungsstrafe, 1981 dann wegen Raub, Betrug und anderer Delikte zu 13 Jahren Haft verurteilt. Er verbüßte neun Jahre seiner Strafe und kam 1990 frei.

Durch Catering-Unternehmen: Wladimir Putin macht Ex-Häftling Prigoschin zum Millionär

Prigoschin ist auch als „Putins Koch“ bekannt, da sein Catering-Unternehmen in der Vergangenheit Schulen, Kindergärten, aber auch die russische Armee mit Essen versorgte. Im September 2022 räumte Prigoschin erstmals öffentlich ein, die Wagner-Gruppe gegründet zu haben. Er habe die Einheit 2014 für den Einsatz auf russischer Seite im ukrainischen Donbass gebildet, erklärte Prigoschin auf der Internet-Seite seines Unternehmens Konkord.

Die Brutalität gehört zum Markenzeichen der Gruppe Wagner und soll abschreckende Wirkung entfalten. Gegen eigene Leute ebenso wie gegen gegnerischen Truppen und die Zivilbevölkerung.

Margarete Klein, Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) gegenüber SRF

„Die Gruppe Wagner bekommt ihre gesamte Ausrüstung von der Regierung“, sagte Marat Gabidulin, ein ehemaliges Mitglied der Gruppe Wagner, gegenüber dem ZDF-Politmagazin „Frontal“. Rekruten seien Reservisten der Armee, zudem stelle das russische Verteidigungsministerium sowohl den Transport als auch die Logistik, um die Söldner-Truppe an Einsatzorte zu bringen. „Es ist definitiv ein Zweig der Regierung, eine Einrichtung des Staates“, betont Gabidulin. Und es ist nicht zu bestreiten: Wladimir Putin braucht die Söldner-Truppe.

Perfide Masche: Russland zieht durch die Wagner-Gruppe seinen Kopf aus der Schlinge

Wagner-Söldner werden der Militärexpertin Margarete Klein zufolge für militärische Aufgaben sowie Spezialaufträge in den Kampf geschickt. Wie Klien dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) gegenüber ausführte, kommen die Wagner-Söldner vor allem bei personalintensiven Aktionen, wie zum Beispiel den Angriff auf Soledar in der Ukraine, zum Einsatz. Zudem gehe es darum, Zahlen zu verfälschen: Mitglieder der Wagner Gruppe würden in den Statistiken zu Gefallenen nicht aufgeführt. Deswegen seien sie auch oft nichts anderes als „Kanonenfutter“.

Rolle der Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg

Berichten der US-Regierung zufolge befanden sich im Dezember 2022 knapp 50.000 Angehörige der Wagner Gruppe im Kampfeinsatz in der Ukraine. Überwiegend seien die Kämpfer aus russischen Gefängnissen heraus für den Einsatz im Ukraine-Krieg rekrutiert worden. Die Wagner-Gruppe behauptete unter anderem, die ukrainische Stadt Soledar im Alleingang erobert zu haben. Belegen lässt sich das nicht.

Jewgeni Prigoschin ließ ein Hauptquartier für die Wagner Gruppe in St. Petersburg bauen. Das „PMC Wagner Center“ von Medien, Bloggern, Entwicklern von Militärtechnologien, Organisationen für patriotische Bildung und militärischer Ausbildung genutzt werden
Jewgeni Prigoschin ließ ein Hauptquartier für die Wagner Gruppe in St. Petersburg bauen. Das „PMC Wagner Center“ soll neben Medien und Bloggern auch Entwicklern von Militärtechnologien, Organisationen für patriotische Bildung und militärischer Ausbildung dienen. © IMAGO/Maksim Konstantinov

John Kirby, der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses in den USA, berichtet im Dezember 2022, Wagner-Kopf Prigoschin drehe Menschen in der Ukraine „buchstäblich durch den Fleischwolf“. Rücksicht auf Menschenleben nehme er nicht, erst recht nicht auf ukrainische. „Aber ich würde so weit gehen zu sagen, auch nicht auf russische.“ 

Die Wagner-Gruppe agiert weltweit in diversen Ländern

Bekannt sei außerdem, dass Nordkorea Waffen an Wagner liefere. Die Söldner-Truppe bezahle dafür. Aus den US-Berichten geht auch hervor, dass Wagner-Söldner in bestimmten Fällen Kommandos über Soldaten der russischen Armee übertragen bekommen haben. Außer in der Ukraine ist die Gruppe Wagner auch in anderen Ländern aktiv: Belegt sind Einsätze in Madagaskar, Mosambik, Sudan, der Zentralafrikanischen Republik, in Syrien und in Libyen. (Lia Stoike)

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