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Kampfjet: F-117 "Nighthawk"
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Kampfjet: F-117 "Nighthawk"

überblick

Die Waffen der US-Armee

Töten auf High-Tech-Niveau: "Kluge Bomben", unsichtbare Flugzeuge, computergelenkte Raketen, mausgesteuerte Kampftruppen

Von Daniel Herrmann (Frankfurt a. M.)

Ein Krieg scheint programmiert. Diese Worte bekommen beim Waffengang gegen Irak eine völlig neue Bedeutung. Schon früher entwarfen US-Generäle ihre Schlachtpläne am Computer, simulierten Gefechtssituationen auf der Festplatte. Doch anschließend ergingen Befehle an die Truppe auf herkömmlichem Weg. Diesmal setzt die US-Armee ein neues Computersystem ein, das so genannte Force XXI Battle Command, Brigade-and-Below (FBCB2). Damit wird es erstmals möglich, die Einheiten im Feld in Echtzeit per Maus zu befehligen. Ständig kann der US-Oberkommandierende Tommy Franks aktuelle Bilder vom Schlachtfeld abrufen. Sämtliche Kommunikationswege - ob Funk oder Satellit - stehen dem General per Tastendruck offen. Außerdem ist ein Nachschubsystem integriert. Einfach ausgedrückt: Feuert ein Panzer eine Rakete ab, geht bei der Herstellerfirma die Bestellung für neue Munition ein.

Die Waffenschmieden in den USA haben den US-Kampfpanzer M1A2 Abrams weiterentwickelt. Schon bislang war der Abrams den irakischen Panzern aus russischer Fertigung unendlich weit überlegen. Schwachstelle des US-Panzers war seine Elektronik. In der neuen Version sind nun alle elektronischen Systeme redundant ausgelegt, das heißt doppelt vorhanden.

Gerüchte ranken sich um die Entwicklung von so genannten Mirkowellenwaffen oder auch E-Bomben. Mit ihnen sollen elektrische Geräte in einem großen Umkreis zum Kurzschluss gebracht werden. Die Technik dieser Bomben ist mit der des Mikrowellenherds vergleichbar. Nur dass dieser mit rund 2000 Watt eine Tasse Milch in einer Minute zum Kochen bringt, die militärische Version aber in einem Bruchteil einer Sekunde einen Impuls von mehreren Gigawatt freisetzt. In einer Studie des Center for Strategy and Technology Air War College heißt es, Wissenschaftler der U.S. Air Force arbeiteten an Mikrowellen-Geräten, die gerade noch 22 Kilogramm wiegen und einen Impuls von bis zu einem Gigawatt freisetzen. Versionen mit einer Leistung von 20 Gigawatt seien ebenfalls geplant. Die Studie rechnet vor, das entspreche der Energiemenge, die ein Staudamm an einem Tag produziert. Mikrowellenwaffen müssen nicht unbedingt als Bombe abgeworfen werden. Entsprechende Transmitter könnten auf Panzer oder Geländewagen montiert werden, um so anrückende Truppen zu stoppen. Oder sie werden von Spezialeinheiten in der Nähe strategisch wichtiger Anlagen installiert und bei Bedarf aktiviert. Menschen sollen durch die kurzen Mikrowellenblitze übrigens nicht verletzt werden. Der üblicherweise gut informierte Washingtoner Think-Tank Global-Security geht davon aus, dass die US-Armee E-Bomben in Irak einsetzen wird. Vor allem gegen das chemische und biologische Arsenal Saddams seien die Mikrowellen wirksam, weil nur die Bombenelektronik zerstört, die tödlichen Kampfstoffe aber nicht freigesetzt würden.

Häuserkampf gilt den Militärs als der Alptraum schlechthin. Die Einnahme der Fünf-Millionen-Metropole Bagdad halten viele Experten für den neuralgischen Punkt der US-Schlachtpläne. Doch den Kampf um jeden Straßenzug führen die US-Marines mit technischer Unterstützung. Die gerade mal zwei Kilogramm schwere Drohne "Dragon Eye" wird die Vorhut bilden. Das Drachenauge gleicht einem Modellflugzeug, mit 65 Kilometern in der Stunde kreist die Minidrohne in rund 100 Metern Höhe über dem Einsatzgebiet. Knapp eine Stunde bleibt sie in der Luft und liefert in dieser Zeit gestochen scharfe Bilder von den gegnerischen Stellungen. Die US-Truppen wollen so der Gefahr von Hinterhalten entgehen.

Während "Dragon Eye" aus der Hand gestartet werden kann und deswegen vor allem für kleine und mobile Einheiten geeignet ist, dient die "Shadow 200"-Drohne der Gefechtsfeldüberwachung für Kommandeure. Das unbemannte Kleinstflugzeug mit einer Spannweite von 3,70 Metern hat ebenfalls hochauflösende Kameras an Bord, kann aber bis zu 72 Stunden in der Luft bleiben. Die "Shadow 200" soll erstmals über Irak ihre Runden drehen. Ihren Jungfernflug haben Drohnen wie die "Predator" oder die "Global Hawk" längst absolviert. Die "Predator" kann mit Raketen ausgerüstet werden, so dass identifizierte Ziele sofort zerstört werden können. Damit ist die Drohne erstmals ganz nach dem Geschmack von Militärs einsetzbar. Bislang hatten sie bemannte Kampflugzeuge bevorzugt, weil Piloten sofort entscheiden können, ob sie ein erkanntes Ziel bekämpfen wollen. Bei der Aufklärung mit einer Drohne lagen zwischen dem Erkennen von Angriffszielen und der Bombardierung oft Stunden.

Erstmals im Kampfeinsatz sind auch die Truppentransport-Schiffe "Shughart", "Gordon" und "Bob Hope". Sie gehören zur Klasse der Roll-on/Roll-off-Schiffe und sind jeweils rund 300 Meter lang. Sie sind damit deutlich größer als zivile Fährschiffe.

Die F-117 Nighthawk war weltweit das erste Flugzeug im Tarnkappen-Design. Die rund 115 Millionen Euro teuren Maschinen, von denen die U.S. Air Force 54 Stück besitzt, sind für das feindliche Radar fast nicht zu orten. Damit werden die F-117 die ersten Angriffswellen auf Irak fliegen, um den konventionellen Düsenjägern vom Typ F-14, F-15, F-16 und F-18 das Terrain zu bereiten. 1989 flogen F-117 in der Auseinandersetzung um den Panama-Kanal erstmals Kampfeinsätze.

Am vergangenen Wochenende flog ein B-1B-Bomber einen Angriff auf zwei Radarstellungen in Südirak. Dabei feuerte die Maschine nach US-Militärangaben jeweils eine lasergesteuerte Rakete auf die Bodenstationen ab. Militärtechnisch hat solch ein Einsatz keinen Sinn. Die B-1B-Bomber haben bis zu zwölf Präzisionsbomben an Bord. Außerdem werfen die knapp 90 Tonnen schweren Flugzeuge auch die gefürchteten Clusterbomben oder konventionelle "Bombenteppiche" ab. Einzelne Laserbomben könnten kleinere Kampfjets mit weniger Aufwand ins Ziel bringen. Der Einsatz vom Wochenende ist nur verständlich, wenn man ihn mit dem nahenden Krieg in Zusammenhang bringt: Offenbar sollten sich die US-Piloten mit dem Gelände vertraut machen.

Die U.S. Air Force hat außerdem B-2- Tarnkappenbomber (siehe Grafik) in die Region verlegt - wahrscheinlich warten die für feindliches Radar nahezu unsichtbaren Maschinen im Indischen Ozean auf dem Stützpunkt Diego Garcia auf ihren Einsatz. Die pro Stück etwa zwei Milliarden Dollar teuren Maschinen tragen bis zu 80 Präzisionsbomben, darunter die "Bunker-Buster" genannten BLU-113 Penetrator. Die schlagen zuerst tief in feindliche Ziele ein, bevor 1800 Kilogramm Sprengstoff gezündet werden. Der Stückpreis dieser Bomben liegt bei rund 137000 Euro.

"Bunker-Buster" sind angesichts der neuesten Entwicklungen aus US-Schreckenslabors wahre Leichtgewichte. In der vergangenen Woche testete das US-Militär die Massive Ordnance Air Blast Bomb - kurz Moab. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der "Daisy Cutter", mit der sich die US-Truppen in Vietnam Hubschrauberlandeplätze in den Dschungel bombten. Doch während die "Daisy-Cutter" mit 6,8 Tonnen Sprengstoff auskam, fliegen bei der Moab knapp zehn Tonnen Sprengstoff in die Luft. Nicht nur Hitze und Druckwelle löschen dabei alles Leben in weitem Umkreis aus, die Explosion verbraucht auch sämtlichen Sauerstoff in der Nähe. Wer die Explosion tatsächlich überleben sollte, der erstickt. Sowohl die "Daisy-Cutter" also auch die Moab sind zu groß für die größten US-Bomber. Deswegen werfen Transportmaschinen vom Typ C-130 Herkules die Riesenbomben über ihre Laderampen ab. Die US-Armee pflegt einen derben Humor; die Soldaten hatten für die Moab schnell einen neuen Namen parat: "Mother of all Bombs" erinnert an Saddams Wort von der "Mutter aller Schlachten". Doch Bomben vom Format einer Moab sind in Irak nur begrenzt einsetzbar - wegen der zu befürchtenden zivilen Opfer. Offenbar plant das Pentagon daher "nur" den Abwurf in der Nähe irakischer Truppen, um die Soldaten zu schocken und zu verängstigen.

Gerade in der irakischen Hauptstadt aber wird die US-Luftwaffe wohl eher auf so genannte Smart Weapons setzen. Im ersten Irak-Krieg machten Präzisionsbomben noch einen Anteil von 7,4 Prozent aus. Diesmal sollen 80 Prozent von Computern ins Ziel gesteuert werden. Die Airforce hat ihre Bomben dabei mit drei verschiedenen Systeme aufgerüstet: Lasergelenkte Bomben verschossen im ersten Golf-Krieg vor allem F-117. Damals konnten noch nicht alle Bomber Laserbomben abwerfen, weil entsprechende Zieleinrichtungen an den Flugzeugen fehlten. Eine Weiterentwicklung stellten ab 1985 Bomben dar, die per Kamera oder Infrarotsensor ihren Weg ins Ziel finden. Bilder dieser Bomben wurden im ersten Golf-Krieg nahezu täglich vom US-Militär veröffentlicht, um damit die angeblich chirurgische Präzision der Bombardements zu beweisen. Die neuesten Waffen im US-Arsenal sind GPS-gelenkte Bomben, die teilweise erst seit wenigen Jahren verfügbar sind.

Richard B. Langley von der kanadischen University of New Brunswick wies erst vor wenigen Tagen in einer Studie darauf hin, dass eine russische Firma GPS-Störsender vertreibt. Zum Kundenkreis hätten auch irakische Militärs gehört. Überhaupt sei es relativ einfach, das GPS-Signal zu stören. Gleichwohl schalteten GPS-Bomben in diesem Fall auf ein internes Navigationssystem um. Zudem seien Störsender leicht zu lokalisieren und auszuschalten.

Seit 1983 sind Tomahawk Marschflugkörper eine feste Größe bei den Planungen der US-Strategen. Die Raketen werden von Kreuzern, Zerstörern und U-Booten abgefeuert und finden über eine Distanz von bis zu 1100 Kilometern selbstständig ihr Ziel. Weil die jeweils knapp 470000 Euro teuren Tomahawks deutlich kleiner sind als Flugzeuge und extrem niedrig fliegen, bleiben sie für feindliches Radar nahezu unsichtbar. Aus dem ersten Golf-Krieg wird berichtet, dass die Raketen sogar Straßenzüge in Bagdad entlangflogen. Damals sollen 288 Marschflugkörper gestartet worden sein. In der viertägigen Desert-Fox-Operation von 1999 feuerte die US-Armee 330 Tomahawks ab.

Dossier: Krieg gegen Irak?

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