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Ukraine-Krieg: Russische Armee setzt mysteriöses Gerät ein – „So etwas noch nie gesehen“

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Von: Lukas Rogalla

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Test einer russischen Iskander-M-Rakete, die auch im Ukraine-Krieg eingesetzt wird.
Test einer russischen Iskander-M-Rakete, die auch im Ukraine-Krieg eingesetzt wird. Sie sollen mit neuartigen Täuschkörpern bestückt sein. (Archivfoto) © Russian Defence Ministry/Imago

Im Ukraine-Krieg setzt Russland offenbar auf bisher unbekannte Technologie. Ein US-Geheimdienstbeamter glaubt zu wissen, was dahinter steckt.

Kiew/Moskau – Im Ukraine-Krieg* erhob der Polizeichef einer kleinen Stadt westlich von Luhansk jüngst schwere Vorwürfe. Die russische Armee soll Phosphorbomben eingesetzt haben, deren Einsatz gegen Zivilpersonen verboten ist, behauptet Oleksij Bilotschyzky. Doch auch ein bisher unbekanntes Gerät kommt wohl zum Einsatz. Der US-Geheimdienst soll eine überraschende Entdeckung gemacht haben.

Offenbar benutzt Russland* im Krieg Raketen mit Täuschkörpern, die den Radar und Abwehrraketen austricksen – und so noch nie gesehen wurden. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf einen Geheimdienstbeamten.

Ukraine-Krieg: Russland setzt neuartigen Täuschkörper ein –„So etwas noch nie gesehen“

Nach Angaben des Beamten, der anonym bleiben möchte, feuert die russische Armee Iskander-M-Raketen jenseits der Grenze von mobilen Startrampen ab. Die Raketen, die Ziele in bis zu 500 Kilometern Entfernung erreichen können, seien mit Täuschkörpern bestückt, die freigesetzt werden, wenn sie von Luftverteidigungssystemen ins Visier genommen werden. Diese seien etwa 30 Zentimeter lang, pfeilförmig, weiß und mit einem orangefarbenen Ende. Jeder Täuschkörper sei mit Elektronik ausgestattet und produziere Radiosignale, um ukrainische Radare zu stören. Eigentlich sollen die Radare die Iskander-M-Raketen orten. Zudem enthalten die Körper Wärmequellen, um ankommende Raketen anzulocken. Der Gebrauch dieser Köder könnte erklären, wieso die ukrainische Luftverteidigung Schwierigkeiten hat, russische Iskander-Raketen abzufangen.

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In den sozialen Medien machten Fotos dieser Täuschkörper die Runde. Richard Stevens, der 22 Jahre für die britische Armee diente und anschließend als ziviler Bombenspezialist tätig war, teilte Bilder des Körpers auf der Seite CAT-UXO, die er vor elf Jahren ins Leben gerufen hatte. Bei der Seite handelt es sich um eine Datenbank für Explosionskörper. Selbst der erfahrene Stevens sagte: „So etwas habe ich noch nie gesehen“ – ebenso wie andere Nutzer der Seite.

Ukraine-Krieg: Täuschkörper an russischen Raketen erinnern an „Penetrationshilfen“ aus dem Kalten Krieg

Laut Stevens ähneln die Körper sogenannten „Penetrationshilfen“, die bereits aus dem Kalten Krieg seit den 1970er-Jahren bekannt waren. Die begleiteten Atomsprengköpfe sollten Raketenabwehrsysteme umgehen, sodass die Sprengköpfe ihr Ziel finden konnten. Laut des anonymen Geheimdienstmitarbeiters habe es bis jetzt keine Dokumentation zum Einsatz von den neuen russischen Täuschkörpern an Waffen wie den Iskander-M-Raketen, die mit regulären Sprengköpfen ausgestattet sind, gegeben.

Jeffrey Lewis, Professor für Nichtverbreitung von Atomwaffen am Middlebury Institute of International Studies in Kalifornien, nennt der New York Times Gründe, wie es zum Einsatz der offenbar noch nie gesehenen Täuschkörper kommt. Zum einen zeige die Verwendung ein gewisses Maß an Nachlässigkeit der russischen Armee. Russland wisse nämlich, dass die Objekte unweigerlich von westlichen Geheimdiensten untersucht würden. Andererseits könne man in ihrem Einsatz auch eine Dringlichkeit der Militärführung erkennen, den Krieg zu gewinnen. Es sei zudem höchst unwahrscheinlich, dass die mit dem Täuschkörper bestückten Iskander-Raketen von Russland ins Ausland verkauft worden seien, da man die Technologie wohl in der Nähe behalten wolle. „Ich denke, dass es gerade ein paar sehr aufgeregte Leute bei den US-Geheimdiensten gibt“, sagt er. (lrg) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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