+
Schwarzer Rauch steigt nach den Angriffen aus der größten Ölraffinerie Saudi-Arabiens.

Öl-Anlagen angegriffen

Waffen bei Attacken in Saudi-Arabien stammten aus dem Iran

  • schließen

Die Krise am Golf spitzt sich zu. Der Iran beschlagnahmt erneut ein ausländisches Schiff und in der CDU wird laut über eine Wiederaufnahme der Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien nachgedacht.

Bei den Angriffen auf zwei Öl-Anlagen in Saudi-Arabien sind nach Angaben der im Jemen kämpfenden Militärkoalition unter saudi-arabischer Führung Waffen aus dem Iran zum Einsatz gekommen. Bei der noch laufenden Untersuchung deute alles darauf hin, „dass die Waffen, die bei bei den Angriffen genutzt wurden, aus dem Iran stammten“, sagte der Sprecher Koalition, Turki al-Maliki, am Montag vor Journalisten in Riad. Nun werde untersucht, von wo aus die Waffen abgefeuert wurden.

US-Präsident Donald Trump hat seinen Verbündeten in der Region erneut wirtschaftliche wie militärische  Unterstützung der USA zugesagt. Amerika sei inzwischen ein so großer Energieproduzent, dass Öl und Gas aus dem Nahen Osten nicht mehr gebraucht würden, schrieb Trump am Montag auf Twitter. „Aber wir werden unseren Verbündeten helfen“, schrieb er - ohne dabei Saudi-Arabien direkt beim Namen zu nennen. 

Trump droht mit Vergeltung

Trump hatte am Sonntag bereits mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Die USA stünden Gewehr bei Fuß, warteten aber auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Angriff verantwortlich mache, erklärte er. Außenminister Mike Pompeo hatte die Angriffe zuvor bereits dem Iran zur Last gelegt, Trump äußerte sich nicht eindeutig. Wörtlich hatte Pompeo erklärt: „Der Iran hat einen beispiellosen Angriff auf die globale Energieversorgung verübt.“

Am Wochenende hatten sich vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen im Jemen zu den Angriffen bekannt. Die Huthis hatten 2014 große Gebiete des Jemens unter ihre Kontrolle gebracht, darunter die Hauptstadt Sanaa. Saudi-Arabien führt ein Militärbündnis an, das die Huthis im Jemen unter anderem mit Luftangriffen bekämpft. Die Huthis ihrerseits greifen Saudi-Arabien regelmäßig mit Drohnen und Raketen an. 

News-Ticker zum Iran: Alle Informationen zum Angriff auf die Ölraffinerie

Unterdessen wurde bekannt, dass der Iran erneut ein ausländisches Schiff im Persischen Golf beschlagnahmt hat. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben das Schiff nach eigenen Angaben gekapert, da es mit 250.000 Litern illegalem Öl beladen sein soll. Alle Schmuggler am Bord seien festgenommen worden, teilten die IRGC  in einer Presseerklärung auf ihrer Website weiter mit. Die Schmuggler hatten das Öl demnach von mehreren Schlepperschiffen in der Sang-Salameh-Region auf das Schiff geladen, seien aber von der IRGC-Küstenwache gestoppt, festgenommen und der Polizei übergeben worden. Details über das Schiff und Nationalität der Besatzungsmitglieder gaben die IRGC nicht bekannt. 

Im Persischen Golf gibt es immer wieder Schiffe und Boote, die illegal Öl und Gasöl in die benachbarten arabischen Golfstaaten schmuggeln. Zwar werden einige von ihnen von der iranischen Küstenwache oder den Revolutionsgarden erwischt und festgesetzt, aber viele kommen auch immer wieder durch. 

Hardt will Wiederaufnahme von Rüstungsexporten

Die Krise am Golf hat auch Auswirkungen bis in die Bundesrepublik: Nach den Angriffen auf die beiden Öl-Anlagen hat der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt ein Ende des Rüstungsexportstopps nach Saudi-Arabien gefordert. Es zeige sich, „dass der Selbstschutz Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate auch in unserem eigenen Stabilitätsinteresse liegt“, sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. „Deshalb sollten wir unsere Rüstungskooperation einer neuerlichen Überprüfung unterziehen.“ Weiter sagte Hardt, eine Aufhebung der Exportsperre „für defensive Waffensysteme ist in unserem strategischen Interesse“. 

Der Rüstungsexportstopp nach Saudi-Arabien läuft am 30. September aus. Er war vergangenen Herbst nach dem Mord an dem saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi in der saudiarabischen Botschaft in Istanbul verhängt worden. Hardt forderte außerdem eine Überprüfung der deutschen Iran-Politik. Es liege kein „klarer Beweis für die direkte iranische Beteiligung am Luftschlag“ auf die saudiarabische Raffinerie vor, „aber die enge Kollaboration der jemenitischen Huthi-Miliz mit dem Iran liegt auf der Hand“, sagte der CDU-Politiker. Der jetzige Angriff auf die saudiarabischen Ölanlagen sei „ein Anschlag auf die Weltwirtschaft“. 

Hardt erinnerte an die iranische Ankündigung, erneut Uran anzureichern und an das willkürliche Festsetzen internationaler Schiffe in der Straße von Hormus. Wenn der Iran „nicht umgehend von dieser Eskalationsdynamik“ Abstand nehme, dann müsse die Frage sein, „ob wir das gefährliche Verhalten des Irans schärfer sanktionieren müssen“. Der CDU-Außenpolitiker forderte, Deutschland müsse die Krise zum Thema im UN-Sicherheitsrat machen. Die Bundesregierung solle dort „eine Initiative zur lückenlosen Aufklärung der Drahtzieher und Unterstützer“ der Angriffe auf saudiarabische Öleinrichtungen anstoßen. 

Grüne und FDP wollen Sicherheitsrat einschalten

Auch Grüne und FDP forderten die Bundesregierung auf, den UN-Sicherheitsrat mit dem Thema zu befassen. Anders als die CDU ließen sie allerdings die Verbindung zum Iran als Urheber der Anschläge offen. Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, sagte den RND-Zeitungen, die gegenseitigen Vorwürfe seien „brandgefährlich und können schnell zu einer militärischen Eskalation“ führen. 

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff warnte vor voreiligen Schlüssen auf die Urheber des Anschlags. Auch wenn die Huthi-Rebellen offiziell die Verantwortung für den Vorfall übernommen hätten, sei „völlig unklar, ob dies auch der Wahrheit entspricht“, sagte Lambsdorff den RND-Zeitungen. Außenminister Heiko Maas (SPD) müsse „das Thema umgehend auf die Tagesordnung des UN-Sicherheitsrats setzen“. 

Aktuell kriselt es nicht nur zwischen dem Iran auf der einen und Saudi-Arabien und den USA auf der anderen Seite, auch der Konflikt zwischen dem Iran und Israel hat sich in den letzten Wochen verschärft: Neuerdings attackiert Israel auch iranische Ziele im Irak und dem Libanon. Israel versichert außerdem, Beweise für geheime Forschungsstätten des Iran zu haben.

tom/dpa/AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion