Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Tanzen für den großen Mann: Präsidentenanhänger in Bangui.
+
Tanzen für den großen Mann: Präsidentenanhänger in Bangui.

Leitartikel

Zentralafrikanische Republik: Im Hintergrund tobt ein Machtkampf zwischen Russland und Frankreich

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
    schließen

Die Zentralafrikanische Republik geht am Sonntag vor Weihnachten an die Urnen – mit Hilfe von Waffen und Fake News, mit kaum Vertrauen einflößenden Kandidaten – und mit alten Krokodilen. Der Leitartikel.

In Afrika fanden 2020 zehn Präsidentschafts- und 16 Parlamentswahlen statt. Eine Abstimmung war umstrittener als die andere. Das wird auch beim letzten Urnengang dieses Schreckensjahres nicht anders sein: In der Zentralafrikanischen Republik drohte der Volksentscheid wenige Tage vor dem Termin – kommender Sonntag – sogar ganz zu entgleisen. Gleich drei Rebellengruppen marschierten auf die Hauptstadt Bangui. Sie konnten erst zwischen 100 und 200 Kilometer von ihrem Ziel entfernt von Blauhelmen der UN-Mission Minusca, russischen Söldnern und einheimischen Soldaten gestoppt werden.

Der seit vier Jahren regierende Präsident des Ruinenstaats, Faustin Archange Touadéra, vermag sich schon lange nur mit auswärtiger Hilfe an der Macht zu halten. Einer der ärmsten Staaten der Welt, in dem mehr als die Hälfte der knapp fünf Millionen Menschen dort auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist, kann jeden Moment wieder in den Bürgerkrieg abzugleiten. Den Waffengang beendete eine französischen Interventionstruppe, abgelöst von 11.000 Blauhelmsoldaten. Seitdem stellt sich der notdürftig bewahrte Friede als zunehmend prekär heraus.

Damals, 2013, jagte das muslimische Bündnis Séléka den Präsidenten François Bozizé aus dem Amt: Der war zehn Jahre zuvor selbst durch einen Putsch an die Macht gekommen. Seine Regierung machte vor allem durch ihre unfassbare Korruption auf sich aufmerksam; seinen Abgang bereuten wenige in Zentralafrika. Nach sechs Jahren Exil kehrte Bozizé wieder in die Heimat zurück und wollte bei den jetzigen Wahlen kandidieren. Daran wurde er jedoch vom höchsten Gericht des Landes gehindert. Der inzwischen 74-Jährige erfülle nicht die Voraussetzung einer „guten Moral“ für das höchste Amt im Staat, lautete das Urteil mit Bezug auf die UN-Sanktionen gegen Bozizé, dem Hinrichtungen, Folterungen und andere Verbrechen vorgeworfen werden. Auch die Anklagebehörde des eigenen Landes will ihn wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Aufwiegelung zum Völkermord“ vor Gericht stellen. Allerdings ist Bozizé im Militär und bei den christlichen „Anti-Balaka“-Milizen weiterhin populär.

Vormarsch der Christen

Die jetzige Regierung wirft dem Ex-Präsidenten vor, hinter der Vereinigung von drei (christlichen) Rebellentruppen im Nord- und Südwesten des Landes zu stehen: Sie schlossen sich vergangene Woche zur „Koalition der Patrioten für einen Wandel“ zusammen und setzten sich in Richtung Bangui in Bewegung. Bozizé bestreitet seine Beteiligung daran. Das zivile Oppositionsbündnis „Koalition der Demokratischen Opposition“, dem er bis zu seinem Ausschluss von den Präsidentschaftswahlen vorstand, fordert jetzt eine Verschiebung: Gewählt werden sollte erst, wenn im Land wieder „Sicherheit“ herrscht, hieß es. Die Regierung lehnt das ab.

Für Aufsehen sorgt bereits seit Jahren die Unterstützung, die der amtierende Präsident aus Russland erfährt: Touadéra hat einen russischen Sicherheitsberater, seine Armee wird von russischen Soldaten trainiert, und die berüchtigte „Wagner-Truppe“ stellt russische Söldner. Nach den jüngsten Unruhen seien „Hunderte“ Russen mehr samt schwerer Waffen eingeflogen worden, gab ein Sprecher Touadéras bekannt – „auf Grund der bilateralen Vereinbarungen“ zwischen Russland und der Zentralafrikanischen Republik. Inzwischen schickte auch Ruanda „mehrere Hundert“ Soldaten ins Land: Sie sollen ihre in der Blauhelmtruppe dienenden Landsleute beschützen, hieß es.

Im Hintergrund des Konflikts spielt sich auch noch ein Machtkampf zwischen Russland und Frankreich ab. Die ehemalige Kolonialmacht fühlt sich in ihrem Einflussbereich bedroht: Die Zentralafrikanische Republik ist außer ihrer zentralen strategischen Lage auch ihrer Diamanten und seines Urans wegen interessant. Die Kontroverse zwischen den beiden Fremdmächten wird derzeit sogar virtuell ausgefochten: Facebook gab just die Schließung mehrerer Accounts bekannt, die sich mit zunehmender Schärfe und gefährlicher Desinformation bekriegten. Der Cyberkrieg werde von russischen und französischen Propagandisten geführt, hieß es. Wie unter solchen Bedingungen faire Wahlen zustande kommen sollen, weiß keiner.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare