Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In vielen schlecht bezahlten Berufen wie der Pflege arbeiten hauptsächlich Frauen.
+
In vielen schlecht bezahlten Berufen wie der Pflege arbeiten hauptsächlich Frauen.

Emanzipation

Corona-Krise: Nicht alle leiden darunter gleich

  • Valerie Eiseler
    VonValerie Eiseler
    schließen

Die Corona-Pandemie hat dem Kampf um Geschlechtergleichheit einen Rückschlag verpasst. Ein Blick auf die Lasten, die die Corona-Krise Frauen aufgeladen hat.

Frankfurt - Zu Beginn des vergangenen Jahres gab es den Gedanken, dass die Corona-Pandemie als eine Art Gleichmacher fungieren würde. Dass alle Menschen von der gleichen Krankheit betroffen sein und dementsprechend mehr Empathie füreinander haben würden. In der Realität haben Krisen eine Tendenz, bestehende Ungleichheiten noch zu verstärken. So hat die Corona-Pandemie seit Beginn vor allem Frauen überproportional stark belastet. Und während sich die Infektionslage inzwischen etwas stabilisiert hat, werden Frauen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie noch lange zu spüren bekommen.

Angefangen mit den „systemrelevanten Berufen“: Frauen stellen rund 80 Prozent der Arbeitskräfte in der Pflege des Gesundheitswesens, genauso viele im Einzel- und Lebensmittelhandel, rund 72 Prozent der Lehrkräfte an Schulen und 84 Prozent in Erziehung und Sozialarbeit. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung liegt der Frauenanteil im „systemrelevanten“ Bereich damit bei rund 75 Prozent. Arbeitende Frauen waren in diesen Jobs einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt oder im Einzelhandel massiv von Schließungen betroffen.

Corona-Krise und Frauen: Mehrbelastung durch Homeschooling und Pflege

Neben den durchschnittlich schlechter entlohnten Jobs übernehmen Frauen mehreren Studien zufolge auch heute noch einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit in der Familie. Die Pandemie hat diesen Effekt verstärkt: Zusätzlich zu Haushalt und Kindererziehung fiel für viele Familien noch die Herausforderung des Homeschoolings oder der Pflege kranker Angehöriger an. Alleinerziehende, von denen in Deutschland rund 90 Prozent Frauen sind, mussten diese Arbeit häufig allein schultern, während in Beziehungen zwischen Männern und Frauen oft konventionelle Rollenbilder weiter zementiert wurden.

Was bedeutet diese Krise also für den Fortschritt der Geschlechtergerechtigkeit? Dass diese Rückschritte auch nach Überwindung der gesundheitlichen Krise nicht einfach wieder verschwinden werden. Denn etwaige Jobverluste durch eine angeschlagene Wirtschaft oder eine stressbedingte Überbelastung können bei Frauen dramatische ökonomische Folgen haben.

Corona-Krise: Rückschritt für die Gleichberechtigung

Das Risiko, während der Pandemie den Job zu verlieren, stieg für sie um 44 Prozent. Der Gender-Pay-Gap, die geschlechterbedingte Lücke bei der Entlohnung, lag in Deutschland 2020 bei rund 18 Prozent, so das Statistische Bundesamt. Damit verdienten Männer mit einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 22,78 Euro rund vier Euro mehr als Frauen mit 18,62 Euro. Eine Frau mit Kind trägt zudem ohnehin das Risiko der sogenannten Motherhood Penalty: sinkende Löhne, Rentenansprüche und Karrierechancen nach der Geburt eines Kindes und etwaiger Teilzeit. Geringeres Einkommen, geringere Renten – all das erhöht für knapp die Hälfte der Bevölkerung das Risiko der Altersarmut. Deutschland lag laut einer OECD-Studie bereits vor der Corona-Krise hinter anderen Industrienationen zurück, wenn es um die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern ging.

Corona-Krise: Gewalt gegen Frauen hat zugenommen

Wirtschaftliche Nachteile sind allerdings nur ein Teil der Last, die Frauen zuletzt auferlegt wurde. Denn auch die Gewalt gegen Frauen hat in der Krise sowohl in Deutschland als auch weltweit deutlich zugenommen. In der häuslichen Quarantäne stieg das mehrheitlich von Partnern und Vätern ausgehende Gewaltrisiko. Währenddessen mussten Anlaufstellen und Notunterkünfte, die bereits unter normalen Umständen oft überfüllt sind, schließen oder die Anzahl ihrer Klientinnen reduzieren. Durch erzwungene Isolation vom sozialen Umfeld und die anhaltende Nähe zu Gewalt war es für viele Frauen somit schwieriger, Hilfe zu finden. Die Frauenorganisation der Vereinten Nationen bezeichnete die Zunahme der Gewalt gegen Frauen als „Schatten-Pandemie“.

Neben den Vereinten Nationen mangelt es nicht an Verbänden und Hilfsorganisationen und Betroffenen, die schon zu Beginn der Pandemie die Alarmglocken läuteten: Weder das überproportionale Infektionsrisiko noch die Zunahme von unbezahlter Sorgearbeit und Gewalt blieben unangekündigt. Nun, knapp anderthalb Jahre später, kehrt mit Impfungen und Schulöffnungen eine gewisse Normalität zurück. Doch die Warnungen sind deshalb nicht verklungen.

Nach der Corona-Krise: Systematische Ungerechtigkeit abbauen

Auch das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat die Rückschritte bereits beziffert. 2019 ging es nach dem Global-Gender-Gap-Bericht bei unveränderten Umständen von noch rund 95 Jahren bis zur Gleichstellung der Geschlechter aus (je nach Fokus auf bestimmte Bereiche liegt diese Schätzung höher). Durch die enormen Rückschläge der Corona-Krise liegt diese Schätzung inzwischen bei rund 136 Jahren bis zur Gleichstellung.

Das endgültige Ausmaß der Last, die Frauen in der Pandemie aufgebürdet wurde, wird sich erst in den kommenden Jahre zeigen. Doch viele Probleme sind bereits klar und deutlich identifiziert. Gerechte Entlohnung und bessere Strukturen bei der Unterstützung von Familien wären ein Anfang. Doch Lösungsansätze dürfen sich nicht wie ein verdeckendes Pflaster auf die jüngsten Rückschritte konzentrieren, sondern müssen endlich systematisch die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern abbauen. Da gibt es auch jenseits von Corona noch verdammt viel zu tun. (Valerie Eiseler)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare