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Auch drinnen im Cock and Lion im Londoner Stadtteil Marylebone wird es wieder gemütlich.
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Auch drinnen im Cock and Lion im Londoner Stadtteil Marylebone wird es wieder gemütlich.

Corona

Lockerungen in Großbritannien: Vorsichtig dickköpfig

  • Sebastian Borger
    vonSebastian Borger
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Großbritannien hält an seinem ambitionierten Lockerungskurs fest – will sich aber auch wappnen gegen die neue Coronavirus-Variante. 

Manche mahnende Stimme aus der Wissenschaft lässt sich durchaus vernehmen ob der Verbreitung der neuen „indischen“ Variante des Coronavirus. Doch die britische Regierung unter Premier Boris Johnson bleibt auf ihrem Kurs: An diesem Montag tritt wie geplant die bisher weitestgehende Lockdown-Lockerung im Königreich in Kraft.

In England dürfen sich Freunde und Verwandte erstmals wieder in Privatwohnungen treffen, Pubs und Restaurant öffnen ihre Innenräume ebenso wie Kinos, Theater und Museen. Man wolle am vorsichtigen Öffnungskurs festhalten, versicherte Gesundheitsminister Matthew Hancock am Sonntag. „Aber wir behalten die Datenlage genau im Auge.“

Corona in Großbritannien: Annäherung erwünscht

Mit kleineren Abweichungen gelten die neuen Freiheiten auch in den Regionen Nordirland, Schottland und Wales. Sechs Personen aus sechs unterschiedlichen Haushalten oder alle Mitglieder zweier Haushalte können privat zusammenkommen „und sich umarmen“, wie es in den britischen Medien keusch heißt. In Parks und Privatgärten dürfen sich Gruppen von bis zu 30 versammeln. Londons Museen und Galerien feiern ihre Wiedereröffnung nach knapp fünf Monaten Lockdown mit faszinierenden neuen Ausstellungen. Erstes Highlight bildet die Schau aktueller Lockdown-Gemälde des derzeit in der Normandie lebenden Engländers David Hockney.

Die neuen Regeln entsprechen dem schrittweisen Plan „vorsichtiger, aber unumkehrbarer“ Lockerungen, den Premier Johnson Ende Februar verkündete. Noch zu Beginn vergangener Woche gab sich der Regierungschef „sehr positiv“ zu der Aussicht, am 21. Juni sämtliche Beschränkungen aufheben zu können, einschließlich der Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Gebäuden. Am Wochenende hingegen hörte sich das aus Regierungskreisen schon deutlich vorsichtiger an. So sprach Minister Hancock davon, man werde notfalls nicht vor Verschärfungen zurückscheuen.

Begründet wird dies in der Öffentlichkeit mit dem verstärkten Auftreten der Variante B1.617.2 von Sars-CoV-2. Diese erstmals in Indien aufgetretene Mutation wird seit Mitte April auch auf der Insel nachgewiesen. Ihre Übertragbarkeit scheint nochmals deutlich höher zu sein als die der „Kent-Variante“, die im Spätherbst und Winter zur katastrophalen Zuspitzung der Lage in britischen Spitälern gesorgt hatte. Hingegen scheint die Mortalität ähnlich wie bei bisherigen Formen von Covid-19. Bis Mitte vergangener Woche waren erst vier Menschen in Großbritannien nachweislich nach Infektion mit der indischen Variante gestorben.

Unter diesem Eindruck hat die Regierung ihre Impfkampagne leicht verändert. War der Abstand zwischen erster und zweiter Dosis bisher zwölf Wochen, so sollen künftig über 50-Jährige sowie medizinisch Vorbelastete den zweiten Pieks bereits nach zwei Monaten erhalten. Bisher haben 36,3 Millionen (53,5 Prozent der Bevölkerung) eine Dosis erhalten, 29 Prozent haben zwei.

Corona in Großbritannien: Disziplin gefordert

Dass die verfügbaren Impfstoffe auch der neuen Variante standhalten, legen Daten aus dem nordenglischen Bolton im Großraum Manchester nahe, einem Hotspot von Infektionen mit einer Inzidenz von 193 je 100 000 – landesweit liegt die bei 21. Bei den über 60-Jährigen war die Inzidenz zuletzt nur unwesentlich von 29 auf 37 gestiegen; hingegen lag sie bei jüngeren Erwachsenen bei 238, unter Kindern zwischen zehn und 14 Jahren sogar bei 394. Freilich bleiben die Zahlen insofern unvollständig, weil die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen mit B1.617.2 lediglich 1300 beträgt.

Wie es in England weitergeht, dürfte entscheidend vom Verhalten der Bevölkerung in den nächsten Tagen abhängen. Dass Infektionen und Einweisungen deutlich ansteigen werden, gilt unter Fachleuten als ausgemacht. Je nachdem, um wie viel ansteckender die indische Variante ist, erläutert der höchste Gesundheitsbeamte Christopher Whitty, werde die Welle „ziemlich erheblich“ ausfallen – oder eben nicht.

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