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Tag der Vorentscheidung

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Super-Dienstag in den USA: In mehr als 20 Staaten wird heute über die Berwerber für die Präsidentschaft entschieden. Vier Favoriten sind noch im Rennen: Clinten und Obama bei den Demokraten, McCain und Romney bei den Republikanern.
Super-Dienstag in den USA: In mehr als 20 Staaten wird heute über die Berwerber für die Präsidentschaft entschieden. Vier Favoriten sind noch im Rennen: Clinten und Obama bei den Demokraten, McCain und Romney bei den Republikanern. © dpa

Einmalig in der US-Geschichte: Am "Superdienstag" 2008 entscheidet fast die Hälfte der Bundesstaaten gleichzeitig über die Kandidaten der Republikaner und Demokraten für die Präsidentenwahl.

Von DIETMAR OSTERMANN

Washington. Der Name sagt alles. "Tsunami-Dienstag" und "Super-Duper Tuesday" haben sie den 5. Februar getauft. Es wird also ernst im Rennen der US-Präsidentschaftsbewerber: Von Alaska bis Alabama, von Kalifornien bis New York erleben die USA heute zum ersten Mal eine Art wahrhaft nationale Vorwahl. Fast die Hälfte der 50 Bundesstaaten stimmt zeitgleich darüber ab, wer bei Demokraten und Republikanern Präsidentschaftskandidat werden soll. Gegeben hat es das in dieser Dimension noch nie.

Entsprechend nervös sind die Kandidaten und ihre Strategen. Kreuz und quer düsten sie bis zuletzt durchs Land. Von Kalifornien nach Kansas, von Missouri nach Arizona und New Mexico: Wie der Demokrat Barack Obama tauchten sie überall dort kurz auf, wo sie sich ein paar Prozente mehr versprechen, und waren Stunden später wieder verschwunden. Andere Bundesstaaten sahen nur die TV-Spots der Kandidaten im Fernsehen. Die Zeit des Händeschüttelns und Schulterklopfens, der Ochsentour durch Dörfer, Wohnzimmer und Cafés ist vorbei. Nach dem wahlkämpferischen "Nahkampf" folgte jetzt der "Luftkrieg" via Medien und Mattscheibe.

Denn wer am "Tsunami Tuesday" gewinnen will, kann sich nicht mehr auf wenige Staaten konzentrieren. Die Kandidaten müssen möglichst in vielen Regionen punkten: Im tiefen Süden ebenso wie an den liberalen Küsten, im "Herzland" am Mississippi-Strom, in den Präriestaaten, in den Bergen der Rocky Mountains. Weil es klare Favoriten in beiden Parteien noch immer nicht gibt, tritt der Kampf in eine neue Phase: Nicht mehr um einzelne Siege geht es, sondern um die Zahl der errungenen Delegierten für die Nominierungsparteitage.

Schwergewicht Kalifornien

Die Republikaner wählen am "Super Tuesday" 1113 Delegierte (1191 braucht ein Kandidat zum Sieg), die Demokraten sogar 2075 (hier sind 2025 erforderlich). Allein das Schwergewicht Kalifornien entsendet mehr Vertreter zu den Nominierungsparteitagen als alle Bundesstaaten, die vor dem 5. Februar abgestimmt haben.

Bei den Demokraten ist mit John Edwards der letzte Herausforderer der Megastars Barack Obama und Hillary Clinton ausgestiegen. Jetzt kommt es am 5. Februar zum vielleicht vorentscheidenden Duell. Umfragen sehen Hillary Clinton in New York und Massachusetts klar vorn. Obama kann auf Siege in seiner Heimat Illinois und in Georgia hoffen, wo viele Schwarze abstimmen. Zuletzt hatten die sich im benachbarten South Carolina zu 80 Prozent auf seine Seite geschlagen. In den meisten anderen Bundesstaaten sind die Umfragen knapp.

Um mit Hillary Clinton landesweit mitzuhalten, müsste Obama seinen Anteil unter weißen Wählern wieder deutlich steigern. Die hatten dem Sohn eines afrikanischen Gaststudenten und einer Weißen aus Kansas zwar in Iowa zu einem überraschenden Auftaktsieg verholfen. Zuletzt aber hatte in South Carolina nur noch jeder vierte und in Florida jeder fünfte Weiße für Obama gestimmt. Ebenfalls verbessern müsste er sich bei den vor allem im Südwesten wichtigen Hispanics.

Bei den Republikanern kommt es zum Zweikampf zwischen Senator John McCain und dem Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. McCain hat nicht nur wegen seines wichtigen Siegs in Florida Rückenwind, sondern auch weil ihn der ausgestiegene Mitbewerbers Rudy Giuliani und Kalifornien-Gouverneur Arnold Schwarzenegger unterstützen.

McCains Chancen sind gut

In der Partei scheint man sich zunehmend mit dem Gedanken an einen Präsidentschaftskandidaten McCain anzufreunden. Der vor allem beim konservativen Flügel umstrittene Senator wäre laut Umfragen der stärkste Republikaner für die Wahl im November. Einige Umfragen sehen McCain, der auch bei unabhängigen Wählern hohes Ansehen genießt, im direkten Vergleich gar vor Hillary Clinton und fast gleichauf mit Obama.

Am "Super Tuesday" will sich McCain nun zunächst des letzten ernsthaften Parteirivalen entledigen. Ein wichtiger Schritt wäre ein Sieg über Romney in New York, wo die Republikaner die 101 Delegierten nach dem "Winner takes all"-Prinzip vergeben. Romney wiederum hofft auf einen Sieg im Mormonenstaat Utah sowie in mehreren kleineren Bundesstaaten, in denen McCain wegen knapper Finanzen keinen Wahlkampf machen kann. Aufgeholt hat Romney in Umfragen in Kalifornien.

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