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Corona

Vorbild Italien: Corona-Pass-Pflicht erhöht Impfbereitschaft

  • VonMirko Schmid
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Italien hat die Anwendung des sogenannten grünen Passes für Geimpfte und Getestete weiter ausgeweitet. Seither steigt die Zahl der Impftermine rasant.

Rom - Italiens Ministerpräsident Mario Draghi macht ernst. Wie schon in seiner Zeit als Chef der Europäischen Zentralbank, damals im Zusammenhang mit der Euro-Rettung, hat der italienische Ministerpräsident gegen eine erneut verheerende Corona-Welle das Motto ausgegeben: „Whatever it takes“. Um seine Bevölkerung zu schützen, haben er und sein überparteilich zusammengesetztes Kabinett die Ausweitung des sogenannten grünen Pass auf den Weg gebracht.

Konkret heißt das beispielsweise, dass Angestellte ab dem 15. Oktober auch im Privatsektor nach Hause geschickt werden können, wenn sie den grünen Pass am Arbeitsplatz nicht vorweisen können. Arbeiten sie nachweislich ungeimpft und sind auch nicht genesen oder getestet, drohen gar drastische Geldstrafen. Bereits aktuell gilt die Passpflicht für den öffentlichen und medizinischen Sektor und den Zugang zu Innenräumen von Restaurants, in Kinos oder Sportstadien, in Intercity-Zügen, Bussen und auf Inlandsflügen.

Mehr noch: Wer sich der Passpflicht verweigert, kann gar suspendiert werden. Schon jetzt meldet der nationale Ärzteverband 728 medizinische Angestellte, die vom Dienst suspendiert wurden, weil sie sich nicht impfen lassen wollten. Zwar kann der „grüne Pass“ auch per Test validiert werden, allerdings müssen die Tests selbst finanziert werden, die Regierung zahlt nur noch für jene, die sich attestiert aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

Mario Draghi, Premierminister von Italien, nimmt an einer Pressekonferenz zum Corona-Impfplan teil.

Corona: Seit der Einführung des „grünen Passes“ steigt die Impfbereitschaft in Italien deutlich

Die Entscheidung der Draghi-Regierung, den „grünen Pass“ nun auch auf Angestellte der Privatwirtschaft auszuweiten, betrifft rund 23 Millionen Menschen in Italien. Ausgenommen von der Impf- oder Testpflicht sind nun de facto nur noch Arbeitslose, Renter:innen und Hausmänner bzw. -frauen, die keiner bezahlten Arbeit nachgehen.

Und die neue Regelung zeigt bereits jetzt ihre Wirkung. Italien mausert sich langsam zum Impf-Vorbild, laut Behörden sei der Anstieg der Terminvereinbarungen für eine Erstimpfung signifikant und liege je nach Region zwischen 20 und 40 Prozent. Italien reagiert auch deswegen so konsequent auf die teilweise Impfmüdigkeit, da das Land von der ersten Corona-Welle besonders betroffen war.

LandItalien
HauptstadtRom
PräsidentSergio Mattarella
RegierungschefMario Draghi
Bevölkerung60,36 Millionen (Eurostat, 2019)
Corona-Fälle4,63 Millionen
Todesfälle130.000

Als erstes Land in Europa musste sich das Land zwischen Alpen und Stiefelspitze den Folgen der Pandemie stellen, mehr als 130.000 Menschenleben fielen dem Virus zum Opfer. Teilweise mussten Transporter des Militärs, etwa im norditalienischen Bergamo, eingesetzt werden, um die vielen Leichen abzutransportieren. Umso weniger Verständnis zeigt die Expertenregierung um Mario Draghi nun für diffuse Impfskepsis.

Deutschland: Politik gegen Impfpflicht, Bundesländer übernehmen Verantwortung

In Deutschland ist eine dermaßen konsequente Haltung bisher nicht in Aussicht. Aus den Reihen der Spitzenpolitik wird wenige Tage vor der Bundestagswahl 2021 wiederholt versprochen, dass es in Deutschland keine Impfpflicht geben werde, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vertritt diese Position. Während etwa Annalena Baerbock (Grüne) eine Impfpflicht am Arbeitsplatz für medizinische Berufe öffentlich angedacht hat, lehnt auch sie eine solche etwa für Lehrkräfte ab. Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) sich während mehreren TV-Auftritten dafür ausgesprochen, die Bevölkerung argumentativ für das Impfen zu begeistern, anstatt mit Pflichten zu agieren.

Darüber hinaus schwelt in Deutschland weiter eine Diskussion darüber, ob Geimpfte und Genesene anders als Ungeimpfte Erleichterungen im Alltag, etwa beim Zugang zur Gastronomie und Veranstaltungen wie Konzerten erhalten sollen. Unterdessen machen einige Bundesländer ernst, Hamburg etwa führte als erstes Bundesland flächendeckend die 2G-Regel ein. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Riccardo Antimiani/dpa

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