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Friedensnobelpreis für die Journalistin Maria Ressa.
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Friedensnobelpreis für die Journalistin Maria Ressa.

Philippinen

Von zwei Seiten unter Druck

  • VonFelix Lill
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Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte schüchtert die Presse ein. Für die Medien sind zudem die vielen Fake News ein Problem.

Maria ist in Oslo angekommen“, sagt Miriam Grace Go, die für das philippinische Onlinemedium Rappler arbeitet, über ihre Chefin. „Jedes Mal, wenn Maria das Land verlassen will, muss sie beim Gericht um Erlaubnis bitten. Aber jetzt kann sie immerhin persönlich ihren Preis empfangen.“ Lange Zeit hatte es geheißen, es bestehe Fluchtrisiko. „Aber Maria ist mehrmals ausgereist und jedes Mal zurückgekommen.“

Maria Ressa wird an diesem Freitag mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Als Gründerin der Nachrichtenseite Rappler, die immer wieder kritisch über die philippinische Regierung berichtet hat, wurde Ressa im vergangenen Jahr zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. „Allen Journalisten der Welt“ widmete Ressa ihre Auszeichnung, als sie im Oktober davon erfuhr. Wobei dies ganz besonders den unabhängigen Medien in ihrem Heimatland gelten dürfte. Dort befindet sich die Presse seit einigen Jahren arg unter Beschuss. Im Index der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegen die Philippinen auf Rang 138 von 180 Ländern.

„In den sozialen Medien werden sie dämonisiert, belästigt und bedroht“

Ein Grund für die Platzierung sind systematische Einschüchterungen von Journalist:innen, die nicht zuletzt von der Regierung ausgehen. Es gebe immer mehr Attacken auf Journalist:innen, sagt Maria Diosa Labiste, Professorin für Kommunikationswissenschaften an der University of the Philippines in der Hauptstadt Manila. „In den sozialen Medien werden sie dämonisiert, belästigt und bedroht.“ Wie die Zeitung „Manila Standard“ und das Nachrichtenportal Rappler in der Nacht zu Donnerstag berichteten, ist erneut ein Journalist auf den Philippinen ermordet worden. Jesus Jess Malabanan, der über den brutalen „Anti-Drogen-Krieg“ von Präsident Rodrigo Duterte berichtete, wurde demnach erschossen.

Die Attacken sind zum Großteil eine Folge der Präsidentschaftswahl vor sechs Jahren. Im Mai 2016 gewann der Populist Rodrigo Duterte mit lauter Tabubrüchen. Zahlreiche Oppositionelle und Presseleute wurden verhaftet. „Später gab Duterte zu, dass er 200 000 US-Dollar an Hunderte Influencer gezahlt hatte, damit sie Informationen weiterverbreiten, die Duterte positiv darstellen und seine Kontrahenten negativ“, so Labiste. „Die Influencer erhielten 60 Dollar am Tag für Copy-Pasting. Kritische Stimmen haben sie belästigt und bedroht.“ So habe sich der Eindruck verbreitet, dass Duterte sehr populär und akzeptabel sei.

„Es sieht so aus, als hätte Marcos eine richtig große Trollarmee“

Fake News wurden für die Medien zum großen Problem. Und sind es jetzt wieder. Denn im Mai 2022 wählen die Philippinen einen neuen Präsidenten. Favorit ist Ferdinand Marcos junior, Sohn des einstigen Diktators Ferdinand Marcos, dessen Familie mit Rodrigo Duterte befreundet ist. Als Vizepräsidentin an Marcos’ Seite geht Sara Duterte ins Rennen, die Tochter des derzeitigen Präsidenten, dessen Mandat ausläuft.

„Es sieht so aus, als hätte auch Marcos schon eine richtig große Trollarmee, die in den sozialen Medien Stimmung für ihn macht“, sagt Ellen Tordesillas vom Faktencheckportal Vera Files. Aber der Stil sei jetzt ein anderer. „Lauter Accounts, die Duterte unterstützten, beleidigten und bedrohten andere Personen. Irgendwann blockierte Facebook sie dann. Die Unterstützer von Marcos behaupten zwar auch falsche Dinge, benehmen sich aber besser. Für Facebook ist es dann schwieriger, sie zu blockieren.“ Und so können sie von allen Unehrlichkeiten Marcos’ ablenken.

Medienschaffende geben sich trotzdem vorsichtig optimistisch

Medienschaffende geben sich trotzdem vorsichtig optimistisch, was die Zukunft der Pressefreiheit angeht. „Wir müssen es sein“, sagt Miriam Grace Go. „Wähler nutzen immer mehr soziale Medien. Wenn wir es uns nicht zutrauen genau draufzuschauen, können wir von den Wählern auch nicht erwarten, dass sie kluge Entscheidungen treffen.“ mit epd

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