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Von der Langsamkeit des Krieges

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Von: Peter Rutkowski

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Nach den schweren Kämpfen um Kiew und Charkiw erwarten Fachleute bald weniger große Schlachten. Aber im Donbass wird stetig weitergekämpft und auf Odessa regnen Raketen.

Eine der Alltagsweisheiten der Fronterfahrung (ja, die gibt es) besagt, dass der Krieg zu neun Zehnteln aus Langeweile und zu einem Zehntel aus Panik, Hysterie, Hyperaktivität, schlicht aus Angst besteht. Westliche Fachleute sagen nun vermehrt, dass der Ukraine-Krieg in eine dieser Neun-Zehntel-Phasen eintritt. Die Soldatinnen und Soldaten, die an der Front stehen, werden dem von Fall zu Fall deutlich widersprechen – und selbstverständlich auch Recht damit haben. Aber es gibt noch ein anderes Argument gegen das zumindest zeitweise Abflauen der Kampfhandlungen: das Wetter.

In der Ukraine beginnt in der Regel jetzt der Sommer – nicht unähnlich wie just in Westeuropa. Und das Hauptkampfgebiet im Osten und Südosten des Landes besteht aus Waldsteppe oder Steppe. Oder militärisch ausgedrückt: sehr gutes Panzergelände. Aber der Tag 85 des Krieges war geprägt von russischen Artillerieschlägen und Luftangriffen, entlang der gesamten Front von südlich Charkiw bis hin zu Odessa, das (noch) nicht in Frontnähe liegt. Bei Slowjansk im Donbass konnten die Ukrainer einen russischen Angriff zurückschlagen, bei Charkiw soll ein weiteres Dorf befreit worden sein.

Angriffsziel Belgorod

Im grenznahen russischen Belgorod, wo am 1. April ein Treibstofflager plötzlich explodierte, beginnt man langsam, die eigene Stadt als Kriegsgebiet zu begreifen, wie der britische „Guardian“ am Donnerstag berichtete: Zuvor ferne Kampfgeräusche scheinen näherzukommen und gelegentlich werden Ziele in der Gegend jetzt angeblich von ukrainischer Seite beschossen. In dieser Woche soll es allein drei Angriffe mit einem Toten gegeben haben.

In Mariupol, wo alle Kampftätigkeit eingestellt wurde, ist die Lage immer noch verworren. Während der ukrainische Generalstab meldete, man kümmere sich weiterhin darum „unsere Helden“ (aus dem Asowstal-Werk) herauszuholen, überbieten sich russische Stellen und führende Donbass-Separatisten darin, wie viele Ukrainer sich ergeben haben: Mal ein paar Hundert, mal an die 2000, also doppelt so viele, wie es angeblich überhaupt in dem Stahlwerk gab.

Kämpfe im Donbass / Raketen auf Odessa

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