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Derzeit läuft alles nach seinem Gusto: Félix Tshisekedi (in hellem Hemd).
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Derzeit läuft alles nach seinem Gusto: Félix Tshisekedi (in hellem Hemd).

Kongo

Von der Ente zum Adler

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Im Kongo überrascht Präsident Félix Tshisekedi die alten Seilschaften.

Félix Tshisekedi galt als klassische „lahme Ente“ – als Präsident, der kaum mehr ausrichten konnte, als seinen mächtigen Körper bei festlichen Ereignissen zur Schau zu stellen. Doch völlig unerwartet entwickelte der 57-jährige kongolesische Staatschef im Verlauf seiner zweijährigen Amtszeit beachtliches taktisches Geschick und manövrierte seinen mächtigen Gegenspieler, den einst 18 Jahre lang herrschenden Ex-Präsidenten Joseph Kabila, ins politische Abseits. Kenner:innen der Demokratischen Republik Kongo sprechen von der wundersamen Verwandlung einer lahmen Ente in einen scharfsinnigen Adler, der dem seit seiner Unabhängigkeit vor 60 Jahren wie kaum ein anderes Land der Welt geschundenen Staat im Herzen Afrikas endlich eine Chance geben könnte. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist allerdings noch fraglich.

Tshisekedis jüngster Schachzug fand in der vergangenen Woche statt und beraubte Kabila seiner wichtigsten Figur: Premierminister Sylvestre Ilunga, der auf Geheiß des Marionettenmeisters die Fäden gezogen hatte. Das Parlament entzog Ilunga das Vertrauen, obwohl Kabilas „Front Commun pour le Congo“ (FCC) im 500-sitzigen Abgeordnetenhaus über eine riesige Mehrheit verfügt. Zuvor hatte Tshisekedi Dutzende von Kabila-Getreuen dazu bewegt, ihrem Patron den Rücken zu kehren. Wie er das genau angestellt hat, ist nicht überliefert. Im Kongo ist jedoch alles käuflich, was die Hände frei hat.

Auch Tshisekedi war lediglich durch einen faulen Deal an die Macht gekommen. Bei der Wahl vor zwei Jahren, an der Kabila nicht mehr teilnehmen durfte, schnitt der von ihm ausersehene Kandidat dermaßen schlecht ab, dass er selbst durch massivste Stimmenmanipulation nicht zum Sieger erklärt werden konnte. Deshalb ließ Kabila die Stimmauszählung aussetzen und trat in geheime Verhandlungen mit Tshisekedi ein, der nach unabhängigen Berechnungen weit hinter dem Favoriten der Opposition, Martin Fayulu, lag. Kabilas Gespräche mit Tshisekedi führten zu der Vereinbarung, dass Letzterem die Präsidentschaft und Kabilas Bündnis FCC die Mehrheit im Parlament zugesprochen werden sollten: Entsprechend fielen dann auch die Ergebnisse des Urnengangs aus.

Gewiefter Taktiker

Tshisekedi ist der Sohn des verstorbenen Étienne Tshisekedi, der jahrzehntelang die Opposition – erst gegen Diktator Mobutu und dann gegen Vater und Sohn Kabila – angeführt hatte. Er galt als politisches Urgestein, den selbst Gefängnisaufenthalte nicht kleinkriegen konnten. Ähnliche Eigenschaften wurden seinem Sohn Félix nicht nachgesagt. Und doch erreichte er in den ersten zwei Jahren seiner Präsidentschaft wesentlich mehr, als ihm selbst Parteifreunde zugetraut hatten. Gegen den Willen Kabilas setzte Tshisekedi junior sein Recht durch, die wichtige Wahlkommission, das Höchste Gericht des Landes sowie den staatlichen Bergbaukonzern Gecamines mit seinen Kandidaten zu besetzen – und kündigte schließlich die Allianz mit Kabilas FCC ganz auf.

Zu dieser Zeit hatte Tshisekedi bereits Gespräche mit zahllosen Abgeordneten der FCC geführt. Und als er genügend Überläufer hinter sich wusste, wählte seine Partei gemeinsam mit Fayulus Abgeordneten zunächst die Parlamentssprecherin und dann den Regierungschef ab. Seitdem befindet sich Kabilas Lager in heller Aufregung: Der Pate selbst setzte sich in die Katanga-Provinz ab, wo seine Familie herkommt. Die bodenschatzreiche Region liebäugelt schon seit der Unabhängigkeit des Kongo mit ihrer Abspaltung. Darauf könne jetzt auch Kabila hinarbeiten, befürchten viele.

Tshisekedi nahm auch Gespräche mit dem eigentlichen Wahlsieger Fayulu auf. Doch diese scheiterten bereits an Fayulus Forderung, zumindest das Amt des Premierministers zugesprochen zu bekommen. Damit sei die zum Raubvogel erstarkte Ente nicht einverstanden, heißt es in Kinshasa: Tshisekedi regiere lieber mit seiner zusammengeschusterten Parlamentsmehrheit und einem Premierminister von seinen Gnaden weiter.

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