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Der Fall erregt Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Nigerias hinaus, weil es das erste Mal ist, dass Personen nach einem vor fünf Jahren in dem Land erlassenen Gesetz verurteilt werden sollen.

Homophobie

Voller Hass auf die gleichgeschlechtliche Liebe

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Homosexualität ist in Afrika fast überall verboten. Die Lage der Betroffenen verschlechtert sich zunehmend.

In Nigeria stehen derzeit fast 50 junge Männer wegen des Vorwurfs vor Gericht, mit Angehörigen des gleichen Geschlechts Zärtlichkeiten ausgetauscht zu haben. Die Angeklagten gehören zu 57 Männern, die im vergangenen Jahr in einem Hotel in der Hafenstadt Lagos festgenommen wurden. Ihnen wird vorgeworfen, einen Nachtclub für Homosexuelle gegründet zu haben. Nach eigenen Angaben haben sie jedoch lediglich einen Geburtstag gefeiert.

Der Fall erregt Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Nigerias hinaus, weil es das erste Mal ist, dass Personen nach einem vor fünf Jahren in dem Land erlassenen Gesetz verurteilt werden sollen. Dessen Paragrafen sehen vor, dass Homosexuelle, die eine Ehe schließen, mit einer Strafe von 14 Jahren rechnen müssen, während Männer, die ein „amouröses Verhältnis“ führten, zehn Jahre hinter Gitter kommen sollen.

Was unter einem „amourösen Verhältnis“ zu verstehen ist, haben die nigerianischen Gesetzgeber allerdings nicht definiert. Deshalb geht die Direktorin der „Initiative für gleiche Rechte“ in Lagos, Xeenarh Mohammed, von einem Scheitern des Verfahrens aus: „Die Vagheit der Bestimmung schließt aus, dass überhaupt ein Urteil zustande kommt.“

Freiheit gegen Bezahlung

Das neue Gesetz werde von der nigerianischen Polizei vor allem dazu benutzt, Schmiergelder von Beschuldigten zu erpressen, ist die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch überzeugt: Meistens kämen die Fälle erst gar nicht zur Anklage, weil die Ordnungshüter die Festgenommenen nach Zahlung von Bestechungsgeld wieder auf freien Fuß setzten. „Die Polizei nimmt uns fest, beschimpft uns und erpresst dann Geld von uns“, sagt Smart Joel, einer der in Lagos Festgenommenen, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Ich gehe davon aus, dass das Verfahren gleich wieder eingestellt wird.“ Durch das Gesetz habe sich die Lage von Homosexuellen in Nigeria weiter verschlechtert, klagt Human Rights Watch.

Unterdessen kündigten Parlamentarier in Uganda an, erneut eine Gesetzesnovelle einzubringen, die im schlimmsten Fall sogar die Todesstrafe für Homosexuelle vorsieht. Ein entsprechender Vorstoß war vor fünf Jahren am Einspruch des Höchsten Gerichtshof in Uganda gescheitert. Schon heute droht das Strafgesetz des ostafrikanischen Staats Homosexuellen mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe – und zwar auf der Grundlage eines noch aus der britischen Kolonialzeit stammenden Artikels, der homosexuellen Geschlechtsverkehr als „gegen die natürliche Ordnung“ bezeichnet.

Homosexualität ist in 34 der 54 afrikanischen Staaten ausdrücklich verboten, in zwei von ihnen – Mauretanien und dem Sudan – steht darauf die Todesstrafe. Staatschefs des Kontinents pflegen die drakonischen Maßnahmen gegen gleichgeschlechtliche Liebe damit zu begründen, dass sie „unafrikanisch“ sei: Der „Westen“ wolle dem Kontinent die Tolerierung der Homosexualität „aufzwingen“, meint Ugandas Präsident Yoweri Museveni. Anthropologen und Historiker gehen jedoch vom umgekehrten Sachverhalt aus: Während viele afrikanische Gesellschaften vor der Kolonialisierung ein eher ungezwungenes Verhältnis zur gleichgeschlechtlichen Liebe hatten, brachten christliche und muslimische Missionare deren Verbannung auf den Kontinent.

Erst vor wenigen Tagen eskalierte der Streit einmal mehr in Sambia, nachdem dort zwei Männer wegen ihrer Beziehung zu 15 Jahren Haft verurteilt wurden. US-Botschafter Daniel Foote äußerte sich „entsetzt“ über das Urteil, was wütende Reaktionen der sambischen Regierung hervorbrachte. Präsident Edgar Lungu rechtfertigte die Gesetze in einem TV-Interview: „Nicht einmal Tiere tun das. Warum sollten wir gezwungen werden, es zu tun? Weil wir nur so als klug, zivilisiert und fortschrittlich gelten können?“

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