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Russische Polizisten pa­t­rouil­lie­ren mit Mundschutz in Moskau

Corona-Krise in Russland

Volle Kontrolle in Moskau?

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Der Shutdown in Moskau geht mit Forderung nach totaler Überwachung einher. Russische Hauptstadt wegen Corona unter Quarantäne.

Das ist eine reale Bedrohung für die gesamte menschliche Zivilisation.“ Mit diesen Worten wandte sich Dmitri Medwedew, Putin-Vertrauter, Ex-Premier und stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates, gestern im Internet an die russische Nation.

Am Sonntag hatten die Behörden der Stadt Moskau und der Region eine Quarantäne ausgerufen, die einer Ausgangssperre gleichkommt. Die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur noch verlassen, um zur Arbeit oder zum Notarzt zu fahren, Lebensmittel oder Arzneien einzukaufen. Joggen ist nicht gestattet, Hunde darf man nur im Umkreis von hundert Metern des eigenen Hauses ausführen.

Nach offiziellen Angaben sind in Moskau nur 1226 Menschen infiziert, in ganz Russland 1836, bis gestern gab es zwölf Tote. Allerdings glauben viele Russen, angesichts geringer Testkapazitäten seien diese Angaben viel zu niedrig. „Die Behörden ergreifen diese harten Maßnahmen offenbar, weil ihnen inzwischen selbst klar ist, dass das Unglück in Wirklichkeit viel größer ist als ihre eigenen Zahlen“, sagt Ilja Jaschin, ein oppositioneller Moskauer Politiker, unserer Zeitung. Regierungschef Michail Mischustin rief die Gebietsgouverneure auf, dem Moskauer Beispiel zu folgen.

Trotz der Verbote herrschte am Montag auf Moskaus Straßen noch reger Verkehr, in Parks waren Spaziergänger zu beobachten. Bürgermeister Sergei Sobjanin kündigte eine totale digitale Erfassung der Hauptstädter und ihrer Wege an. „Ich hoffe, wir besitzen am Ende der Woche Informationssysteme, die es uns erlauben, die Bewegungen der Bürger vollständig zu kontrollieren“, zitiert ihn die Zeitung Iswestija. Der Oppositionelle Jaschin befürchtet, dass die Staatsmacht solch neue Überwachungstechnologien nach dem Ende der Pandemie nicht oder nur teilweise ausschalten wird. „Wo ist die Garantie, dass sie später nicht eingesetzt werden, um Andersdenkende und ihre Aktivitäten zu überwachen?“

Von Stefan Scholl

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