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60 JAHRE DANACH

Volkssturm

Valentina Hirsch schreibt auf, was ihr Vater Kurt ihr "wieder und wieder erzählt" hat. Es geht darum, wie selbst 14-Jährige noch zum Kämpfen gezwungen werden sollten. Schon 1944 sei ihr Vater mit 14 Jahren "zur Verteidigung des Westwalls gezwungen" worden. Er konnte aber fliehen.

Es war Anfang März, kurz vor meinem 15. Geburtstag, als der Ortsdiener mit der Schelle durch meinen Heimatort Walldorf ging. Alle Jungen ab 14 Jahren sollten sich zum "Volkssturm" am HJ-Heim melden. Wer das nicht tue, würde erschossen. Das war eine Drohung, die alle ernstnahmen.

An der Sammelstelle in der Nähe des heutigen Bahnhofs angekommen, wurden wir mit Panzerfäusten, Karabinern und Pistolen ausgerüstet. Längst nicht alle bekamen eine Waffe, es gab nicht genügend. Uniformen gab es gar nicht. Mehrere Wehrmachtssoldaten führten unseren armseligen Zug an, wohin es ging wussten wir nicht. Sich zu weigern mitzugehen, auf diese Idee kam niemand - die Erschießungsandrohung schwebte noch immer über uns, wir hatten einfach Angst.

Nach kurzem Fußmarsch kamen wir in ein Waldstück nahe der A5 - auf der anderen Seite hörte man Schüsse. Das Geräusch der pfeifenden Querschläger höre ich heute noch. Spätestens jetzt begriffen wir, wie ernst es war. Die Soldaten gaben uns eine Schnelleinweisung in die Waffen. Dass mit uns Kindern kein "Volkssturm" zu machen war, wurde ihnen wohl spätestens da klar. Ob ihnen auch die Sinnlosigkeit der ganzen Aktion klar war, weiß ich nicht, jedenfalls ließen sie uns gehen, als wir behaupteten, wir wollten mal genauer schauen, was an der "Front" los sei.

Mein Schulkamerad Karl und ich nahmen die Beine in die Hand und liefen Richtung Walldorf zurück. Plötzlich sahen wir aus dem Ort heraus Soldaten kommen. Wir versuchten herauszufinden, was für Soldaten es waren. "Du, die babbele so komisch", an diesen Satz von Karl kann ich mich noch erinnern. Es waren Amerikaner. Wir gingen schließlich mit erhobenen Händen auf sie zu. Ein Dolmetscher befragte uns, was wir hier zu suchen hätten - wir erzählten einfach die Wahrheit. Sie diskutierten und dann sagte der Dolmetscher - das werde ich nie vergessen -: "Buben, geht heim."

Kurt Hirsch, Walldorf (Hessen)

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