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Volksbefreiungsarmee - Geschichte, Aufgabe und Modernisierung von Chinas Militär

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Von: Sven Hauberg

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Chinas Volksbefreiungsarmee
Chinas Volksbefreiungsarmee © Tang Zhaoming / IMAGO

Rund zwei Millionen Soldatinnen und Soldaten sowie 500.000 Reservisten bilden die chinesische Volksbefreiungsarmee. Alle Infos über ihre Geschichte, die Dienstgrade und anstehende Modernisierungsmaßnahmen.

Peking – Das Hauptquartier der chinesischen Volksbefreiungsarmee – die eigentlich der bewaffnete Arm der Kommunistischen Partei Chinas ist – befindet sich in der Millionenstadt Peking, wo auch das Verteidigungsministerium angesiedelt ist. Jedoch fungiert der Verteidigungsminister nicht als Oberbefehlshaber der Armee, sondern Staatspräsident Xi Jinping. Er kommandiert rund zwei Millionen Soldatinnen und Soldaten, die zwischen 18 und 49 Jahre alt sind. Ausgenommen Offiziere, die bis zu ihrem 65. Lebensjahr im Dienst bleiben. Die Volksbefreiungsarmee verfügt zusätzlich über eine halbe Million Reservisten, die wie ihre aktiven Kolleginnen und Kollegen eine zweijährige Grundausbildung absolviert haben. Die über nukleare Kernwaffen verfügende Volksbefreiungsarmee Chinas ist dem internationalen Ranking nach die drittgrößte militärische Macht der Erde. Die Armee besitzt einen vielfältigen Aufgabenkatalog, ist aber zuvorderst darauf ausgerichtet, die Souveränität der chinesischen Volksrepublik zu sichern.

Chinas Volksbefreiungsarmee: Ihre Geschichte

Die Geschichte von Chinas Volksbefreiungsarmee begann am 1. August 1927. Seinerzeit firmierte die Befreiungsarmee noch unter dem Begriff „Rote Armee“, was sich im Jahr 1949 änderte. Geografisch und ideologisch orientierten sich die Chinesen ehemals an der Sowjetunion, die dabei half, der Volksbefreiungsarmee das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben. Erster Außeneinsatz der chinesischen Armee war der Koreakrieg (1950-1953), in dem die Chinesen dazu beitrugen, die Existenz Nordkoreas zu sichern, und gegen die von den USA angeführten Truppen kämpften.

In den 60er-Jahren folgte die Entwicklung hin zur nuklearen Streitmacht, wobei man sich verpflichtete, entsprechende Waffen lediglich defensiv und im Verteidigungsfall einzusetzen. Im Zuge der Reformpolitik der 80er-Jahre erfolgte eine Reduzierung der chinesischen Truppenstärke, die sich in den 90er-Jahren fortsetzte. Aus einstmals 4,5 Millionen Soldatinnen und Soldaten wurden 2,2 Millionen. Die Maßnahmen trafen auch die Feldarmeen, deren Anzahl von 35 auf 24 sank. Die Zahl der Militärbezirke sah sich um ein Drittel verringert.

Militärische Interaktion mit anderen Staaten

Geschuldet war der Prozess einer fortschreitenden Entspannungs- und Öffnungspolitik. Die einstmalige Abschottung ist inzwischen einer liberalen Kooperation zwischen Ost und West gewichen. So bescheinigt die Geschichte der chinesischen Volksbefreiungsarmee ihren Protagonisten die regelmäßige Teilnahme an internationalen Militäroperationen. Erstes großes „Joint Venture“ war in diesem Zusammenhang ein gemeinsam mit Frankreich durchgeführtes Flottenmanöver, das im Frühjahr 2004 über die Bühne ging. Ein Jahr später startete die chinesische Volksbefreiungsarmee eine militärisch fundierte „Friedensmission“ an der Seite Russlands. Insgesamt 20.000 Soldatinnen und Soldaten trainierten tagelang die Invasion einer strategisch wichtigen Küstenregion. Bei der nächsten Interaktion, durchgeführt im Dezember 2007, verbündeten sich die Chinesen mit der indischen Armee. Dem gesellschaftlichen Klima geschuldet, stand diesmal die nachhaltige Anti-Terror-Bekämpfung im Mittelpunkt der Bemühungen.

Chinas Volksbefreiungsarmee: Welche Modernisierungen anstehen

Die Bestrebungen zur Modernisierung der chinesischen Volksbefreiungsarmee nahmen in den 2010er-Jahren weiter Fahrt auf. Demnach wurden die Ausgaben für den Militärsektor unter Staatschef Xi Jinping deutlich erhöht. Die Investitionen begleiten eine umfangreiche Strukturreform, die ein wieder erstarktes Reich der Mitte anvisiert. Langfristiges Ziel ist das Jahr 2049, in dem die Volksrepublik China ihren 100. Geburtstag feiert. Bis zu diesem Zeitpunkt soll das Land einer militärischen Supermacht gleichen. Helfen soll dabei eine Reorganisation der zentralen Militärkommission. Generalstab und politische Hauptverwaltung sollen umgebaut werden. Ferner soll die Zahl der Militärbezirke sinken. Im Gegenzug soll ein modernes Kommandozentrum geschaffen werden. Von hier aus werden alle Streitkräfte zentral befehligt. Die zugehörigen Landstreitkräfte unterliegen nach dem Willen der chinesischen Regierung einer umfassenden Neugliederung, was auch für die Truppen und ihre spezifischen Ausrichtungen gilt.

Globale Einsatzkräfte am Werk

Reduktion ist für die Armee-Gruppierungen vorgesehen. Ihre Zahl soll von 18 auf 13 sinken. Gleichzeitig wird die Gesamtzahl der Soldatinnen und Soldaten vermindert. Ihre Zahl soll bei zwei Millionen (exklusive Reservisten) liegen. Darüber hinaus nimmt die Anzahl der Militärschulen und Akademien ab. Aus 77 werden 44 Bildungseinheiten. Gleichwohl entstehen am Rande neue Akademien für militärische Wissenschaft. Der Modernisierungsansatz der chinesischen Volksbefreiungsarmee schließt eine Expansion der Streitkräfte über die chinesischen Landesgrenzen hinaus ein. Globale Einsatzkräfte sollen die Interessen Chinas im Ausland wahren, unter anderem durch Seeleute, die rund um den Globus präsent sind. Zu diesem Zweck hat China bereits vor Jahren einen Flugzeugträger in Dienst gestellt. Dies darf als (indirekte) Reaktion auf die Osterweiterung der NATO sowie auf die unilateralen Beziehungen der USA gewertet werden. Zudem passen sich die Chinesen dem erhöhten Verteidigungsbudget Russlands an.

Eine Verteidigungszone in der Luft

Damit sind die modifizierten Bestrebungen von Chinas Volksbefreiungsarmee keineswegs beendet, denn auch der Luftraum soll zur militärischen Operationszone werden. Erste Gehversuche unternahmen die Chinesen bereits im Jahr 2013, als man über dem Ostchinesischen Meer eine ausgedehnte Luftverteidigungszone einrichtete. Da das Gebiet zum Teil an den japanischen Luftraum angrenzt, bleiben zeitweilige Konflikte nicht aus. So sind Provokationen und waghalsige Flugmanöver sowohl von chinesischer als auch japanischer Seite beinah an der Tagesordnung. Der Luftraum im westlichen Pazifik wird ebenfalls regelmäßig von Kräften der chinesischen Volksarmee frequentiert. Insbesondere das Gebiet um Taiwan ist wiederholt Austragungsort von Erkundungen, Manövern und taktischen Übungsflügen. Dies ist zugleich als Kontrollmaßnahme wie gezielte Ausspähaktion seitens der Chinesen zu verstehen.

Chinas Volksbefreiungsarmee: Die unterschiedlichen Dienstgrade

Die unterschiedlichen Dienstgrade in Chinas Volksbefreiungsarmee sind auf zwei Bereiche aufgeteilt: Marine und Landstreitkräfte. Beide Segmente sind bezüglich der Dienstgrade identisch und weisen keinerlei Differenzen auf. Unterscheidungen gibt es lediglich bei der Gruppe der Offiziere und Unteroffiziere. Demnach verteilen sich die Dienstgrade bei den Offizieren auf folgende Ränge:

Bei den Unteroffizieren gibt es folgende Dienstgrade:

Bis zum Jahr 1965 nutzte die chinesische Volksbefreiungsarmee die gleichen Rangabzeichen wie die sowjetischen Streitkräfte. Seitdem setzt man auf individuelle Dienstgrade und optische Erkennungszeichen. So nutzt die chinesische Marine im Gegensatz zum Heer und zur Luftwaffe Schulterklappen als visuelles Signum.

Chinas Volksbefreiungsarmee: Ausbildung

Wer eine Laufbahn bei der chinesischen Volksbefreiungsarmee anstrebt, hat mindestens eine von drei Ausbildungseinheiten zu besuchen: entweder die Akademie für militärische Wissenschaften, die Universität für Verteidigungstechnologie oder ein akademisches Ausbildungsinstitut. Während die beiden erstgenannten Einheiten die Ausbildung von Offizieren im Blick haben, konzentriert sich letztgenannte Einheit auf die Lehre der Teilstreitkräfte beziehungsweise der Nicht-Offiziere, die in ihren jeweiligen militärischen Teilsegmenten unterrichtet werden. Teilweise kommt es zur Durchmischung von Offizieren und Nicht-Offizieren, insbesondere bei Übungen und Exkursionen, die der Weiterbildung dienen. Egal, welchen Dienstgrad die Auszubildenden anstreben: Alle Azubis haben eine 24-monatige Ausbildungsphase zu durchlaufen. Inhaltlich geht es dabei um eine Verquickung von Theorie und Praxis. Die praktischen Übungen umschließen mehrtägige Manöver, die in der Mehrzahl auf eine ausgefeilte wie realistische Feinddarstellung setzen.

Chinas Volksbefreiungsarmee: Ärzte

Neben Soldatinnen und Soldaten bildet die chinesische Volksbefreiungsarmee auch Ärzte und Ärztinnen aus. Diese kommen meist bei militärischen Übungen und Manövern zum Einsatz. Auch hier ist die realistische Darstellung ärztlicher Notfälle ein wichtiger Teil der Ausbildung. Zuletzt kam die vorhandene Ärzteschaft bei einem echten Szenario zum Einsatz. So überwachten die Mediziner der chinesischen Volksbefreiungsarmee 2022 den coronabedingten Lockdown der Finanzmetropole Shanghai. Die zweimonatige Abschottung der Küstenstadt erforderte einen hohen logistischen wie organisatorischen Aufwand seitens der chinesischen Wissenschaftler. Corona-Patienten wurden in Krankenhäusern behandelt, die von der Volksbefreiungsarmee finanziert und verwaltet werden.

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