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In Kairo eskaliert die Gewalt. Nach der Räumung der Protestlager der Islamisten kommt es zu heftigen Straßenkämpfen.
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In Kairo eskaliert die Gewalt. Nach der Räumung der Protestlager der Islamisten kommt es zu heftigen Straßenkämpfen.

Ägypten

Vizepräsident ElBaradei tritt zurück

Die Gewalt in Ägypten eskaliert. Nach Angaben der Regierung sterben bei Straßenkämpfen landesweit mindestens 149 Menschen. Präsident Mansur ruft den Notstand und eine nächtliche Ausgangssperre aus, kurze Zeit später reicht Vizepräsident ElBaradei seinen Rücktritt ein.

Die Gewalt in Ägypten eskaliert. Nach Angaben der Regierung sterben bei Straßenkämpfen landesweit mindestens 149 Menschen. Präsident Mansur ruft den Notstand und eine nächtliche Ausgangssperre aus, kurze Zeit später reicht Vizepräsident ElBaradei seinen Rücktritt ein.

Der ägyptische Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei hat nach den schweren Ausschreitungen am Mittwoch seinen Rücktritt eingereicht. Dies ging aus einem Brief an den Übergangspräsidenten hervor. «Ich habe meinen Rücktritt eingereicht, weil ich nicht die Verantwortung für Entscheidungen, mit denen ich nicht einverstanden bin, tragen kann», sagte er nach einem Bericht des Nachrichtensenders Al-Arabija.

Nach den blutigen Straßenschlachten zwischen Islamisten und der Polizei verhing die Regierung eine nächtliche Ausgangssperre . Danach darf sich in Kairo und zehn anderen Provinzen zwischen 19.00 Uhr und 6.00 Uhr niemand auf den Straßen bewegen.

Bei den Ausschreitungen wurden landesweit mindestens 149 Menschen getötet und 1403 verletzt. Das meldeten die staatlichen Medien unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden. Es wurde jedoch eine weiter steigende Zahl der Opfer befürchtet. Die meisten Opfer gab es demnach nicht in den von der Polizei geräumten Protestlagern von Anhängern des islamistischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo. Laut Gesundheitsministerium wurden im Zeltlager im Stadtteil Nasr-City 36 Menschen getötet, im Protestlager im Bezirk Giza waren es den Angaben zufolge 12 Menschen.

Die Polizei hatte am Mittwoch kurz nach Sonnenaufgang die beiden Protestlager von Islamisten in Kairo gestürmt. Nach Beginn der Räumung kam es in mehreren Provinzen zu gewalttätigen Übergriffen radikaler Islamisten. Auf dem Sinai stürmten bewaffnete Männer mehrere öffentliche Gebäude. In Oberägypten griffen Islamisten nach Darstellung christlicher Aktivisten vier Kirchen an. In der Innenstadt von Luxor protestierten rund 300 Demonstranten gegen die Polizeigewalt. In Marsa Matruh geriet nach Informationen des Nachrichtenportals youm7 das Justizgebäude bei Straßenschlachten zwischen Mursi-Anhängern und der Polizei in Brand.

Das Innenministerium ordnete die Einstellung des Zugverkehrs von und nach Kairo an, offensichtlich um die Bewegungsfreiheit von Protestgruppen einzuschränken. Die Islamisten hatten die Zeltlager in Kairo vor fünf Wochen errichtet, um Mohammed Mursis Wiedereinsetzung zu erzwingen. Das Militär hatte den Präsidenten am 3. Juli nach Massenprotesten abgesetzt.

Die Muslimbrüder erklärten, die Zahl der Todesopfer sei höher als von den Behörden angegeben. Ein Helfer im Lazarett der Demonstranten vor der Rabea-al-Adawija-Moschee sagte der Nachrichtenagentur dpa, bis zum Mittag seien alleine dort 22 Demonstranten getötet worden.

Ein Großteil der Demonstranten hatte sich in Sicherheit gebracht, als am Morgen ein Großaufgebot der Polizei mit Tränengas-Granaten anrückte. Andere Mursi-Anhänger leisteten jedoch Widerstand. Ein dpa-Reporter sah, wie Demonstranten im Viertel Nasr-City auf Polizisten feuerten, die daraufhin das Feuer erwiderten und mit gepanzerten Fahrzeugen weiter in das Zeltlager vordrangen.

Islamisten stürmen Gouverneursgebäude

Die Kundgebung auf dem Al-Nadha-Platz in Giza löste sich nach drei Stunden auf. In Nasr-City leistete ein harter Kern am Nachmittag weiter Widerstand. In der Hafenstadt Alexandria stürmten Islamisten das provisorische Gouverneursgebäude. Zu Ausschreitungen kam es auch in Assiut, Suez, Beni Sueif, Al-Scharkija und Al-Minia.

«Nachdem das ägyptische Innenministerium entschieden hat, die Sit-Ins der Muslimbrüder in Kairo aufzulösen, haben Unterstützer der Muslimbrüder in Oberägypten einen Rachefeldzug gegen koptische Christen begonnen», schrieb die Organisation Maspero Jugendunion im sozialen Netzwerk «Facebook». Anwohner in der Stadt Al-Arisch auf dem Sinai beobachteten, wie Demonstranten die historische Mar-Guirgis-Kirche zerstörten.

Der Vorsitzende der salafistischen Partei des Lichts, Junis Machiun, erklärte: «Wir fordern die Führung dieses Landes auf, die Gewalt gegen die Protestierenden und friedlichen Demonstranten einzustellen.» Die radikale Partei des Lichts und die gemäßigte Islamistenpartei Starkes Ägypten sind die einzigen unter den größeren Islamistenparteien, die sich nach Mursis Sturz nicht mit den Muslimbrüdern solidarisiert hatten.

Westerwelle zeigte sich am Mittwoch extrem besorgt. Erst vor zwei Wochen hatte er als erster westlicher Außenminister nach Mursis Sturz in Kairo mit Vertretern der Übergangsregierung und der Muslimbrüder gesprochen. «Wir fordern alle Seiten auf, umgehend zu einem politischen Prozess zurückzukehren, der alle politischen Kräfte einschließt», sagte Westerwelle. Auch die islamisch-konservative Führung der Türkei kritisierte den Einsatz der Sicherheitskräfte scharf. «Was heute in Ägypten passiert, ist völlig inakzeptabel», zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den Staatspräsidenten Abdullah Gül am Mittwoch.

Auswärtiges Amt aktualisiert Reisewarnung

Nach den Ausschreitungen mit mindestens 95 Toten hat das Auswärtige Amt seine Teilreisewarnung für Ägypten aktualisiert. «Es ist weiterhin mit Demonstrationen und Einsätzen der Sicherheitskräfte zu rechnen, die auch einen gewalttätigen Verlauf nehmen können», hieß es am Mittwoch auf der Internetseite des Ministeriums. «Die Lage bleibt im Moment sehr unübersichtlich.»

Das AA rät von Reisen in das nordafrikanische Land dringend ab, insbesondere in das Nildelta, nach Kairo, Oberägypten und auf den Sinai. Dies gelte derzeit nicht für die Touristengebiete am Roten Meer und auf der Sinai-Halbinsel im Küstenstreifen zwischen Scharm el Scheich und Nuwaiba.

Reisende werden vom Bundesaußenministerium allgemein um besondere Vorsicht gebeten und aufgefordert, die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen. Es wird zudem dringend empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen grundsätzlich weiträumig zu meiden. (dpa)

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