Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Taiga-Krimi um den Arzt Alexander Murachowski endete glimpflich. Evgeniy Sofiychuk/AP/dpa
+
Der Taiga-Krimi um den Arzt Alexander Murachowski endete glimpflich. Evgeniy Sofiychuk/AP/dpa

Russland

Vier Tage in der Taiga

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
    schließen

Vermisster Ärztechef aus Omsk ist wieder da. Alexander Murachowski hatte Nawalny behandelt.

Alexander Murachowski verschwand am vergangenen Freitag. Der Gesundheitsminister der Region Omsk war auf einem Vierradroller zum Jagen in die Taiga gefahren, das Fahrzeug wurde zwei Tage später gefunden, stecken geblieben im sumpfigen Unterholz, 6,5 Kilometer von dem westsibirischen Dorf Pospelowo entfernt. Internetnutzer:innen rätselten, warum der Topbeamte aus der 270 Kilometer entfernten Regionalhauptstadt Omsk überhaupt allein in den kaum zugänglichen Waldsümpfen unterwegs war. Oppositionskreise spekulierten schon, ob der Omsker Ärztechef ermordet worden sei. Denn im vergangenen August leitete Murachowski die Omsker Notfallklinik Nr. 1, wo Alexei Nawalny nach seiner Vergiftung lag.

Doch dieser Taiga-Krimi endete glimpflich. Murachowski, den mehr als hundert Polizist:innen, Helfer:innen und ein Hubschrauber suchten, ist gestern lebend in dem Dörfchen Basly aufgetaucht. Seine Frau bestätigte dem Kanal TV Doschd, sie habe mit ihm telefoniert.

Die Ängste um Murachowski sind nicht aus der Luft gegriffen. Im Februar starb sein früherer Stellvertreter in der Notfallklinik Nr. 1, Sergei Maksimischin, 55, an einem Herzinfarkt, einer der Ärzte, die Nawalny dort behandelt hatten. „Er wusste mehr als jeder andere über den Zustand Alexeis, deshalb kann ich nicht ausschließen, dass er keines natürlichen Todes gestorben ist“, sagte Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow damals CNN. Im März verschied Rustam Agischew, Abteilungsleiter der Unfallchirurgie der Klinik, 63, auch er hatte an Nawalnys Behandlung teilgenommen. Agischew starb an den Folgen eines Schlaganfalls, den er im Dezember 2020 erlitten hatte. Und nach Murachowskis Verschwinden in den Sümpfen schrieb das Nachrichtenportal tayga.info: „Mit den Mitarbeitern der Omsker Notfallklinik Nr. 1 passieren weiter sonderbare Dinge.“

Schon während Nawalnys Behandlung dort hatten Journalist:innen in Murachowskis Büro hohe regionale Polizei- und FSB-Beamt:innen gesichtet. Nawalnys Umgebung wirft Leitung und Ärzt:innen der Klinik seitdem vor, sie hätten auf Befehl des Inlandsgeheimdienstes versucht, seine Vergiftung zu vertuschen.

Allerdings sind tödliche Herz- und Schlaganfälle unter russischen Männern zwischen 55 und 63 Jahren keine Seltenheit. „Ohne Beweise macht es keinen Sinn, Verdächtigungen anzustellen“, sagt Alexandra Sacharowa, Sprecherin der unabhängigen „Allianz der Ärzte“ unserer Zeitung. „Im Fall Nawalny teilen sich die Meinungen der Ärzteschaft wie die der ganzen Gesellschaft.“

Murachowski sollte eigentlich am wenigsten zu befürchten haben. Im August hatte er Journalist:innen hartnäckig versichert, man habe in Nawalnys Blut keine Giftspuren entdeckt. Er weigerte sich tagelang, den Patienten für einen Transport nach Deutschland freizugeben, wo Ärzt:innen der Berliner Charité später eine schwere Vergiftung diagnostizierten.

Murachowski gab seinen Widerstand gegen die Überführung nach Berlin erst auf Weisung des Kremls auf. Offenbar wurde sein Verhalten dort gutgeheißen: Im Oktober übertrug man ihm die Leitung eines weiteren Krankenhaus, im November wurde er Omsker Gesundheitsminister.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare