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Ansprache am frühen Morgen: Putsch-Offizier Ondo Obiang Kelly fordert seine Landsleute zum Widerstand auf. (Video-Screenshot)

Gabun

Vier Stunden Putsch

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In dem zentralafrikanischen Staat versuchen fünf Offiziere, Staatschef Bongo zu entmachten.

Im Kleinstaat Gabun in Zentralafrika ist am Montag ein Militärputsch vereitelt worden. Nachdem fünf junge Offiziere am frühen Morgen um 5.30 Uhr Ortszeit in die staatliche Rundfunkanstalt in Libreville eingedrungen waren und einer von ihnen eine Erklärung verlesen hatte, fuhren in den Straßen der Hauptstadt Panzer auf, in der Luft kreisten Helikopter. Augenzeugen zufolge waren auch einzelne Schüsse zu hören. Rund vier Stunden nach der Besetzung der Radiostation erklärte Regierungssprecher Guy-Bertrand Mapangou schließlich, dass der Putschversuch gescheitert und vier junge Offiziere festgenommen worden seien. Ein fünfter Offizier befinde sich noch auf der Flucht. „Die Lage ist unter Kontrolle“, sagte Mapangou: „Alles ist wieder wie immer.“

Clan 52 Jahre an der Macht

In seiner live ausgestrahlten Rundfunkansprache hatte der von zwei mit Schnellfeuergewehren bewaffneten Soldaten flankierte Leutnant Ondo Obiang Kelly die Absetzung der Regierung und die Bildung eines „Nationalen Restaurations-Rats“ angekündigt. „Der langersehnte Tag ist gekommen, an dem sich die Armee auf die Seite des Volkes stellt, um Gabun vor dem Chaos zu bewahren“, sagte der Leutnant. Er forderte die Bevölkerung auf, öffentliche Gebäude, Kasernen und den Flughafen in Libreville zu besetzen: „Steht auf, weckt eure Nachbarn auf und geht auf die Straße!“ 

Während rund 300 Menschen dem Aufruf des jungen Offiziers zunächst folgten, stellte sich die Führung der Streitkräfte offensichtlich gegen die Putschisten. Soldaten lösten die Menschenansammlung vor dem Radiosender mit Tränengas auf. Einheimische Journalisten verweisen darauf, dass vor allem die für die Sicherheit des Staatschefs zuständige Präsidentengarde als weitgehend loyal gilt: Ihre Mitglieder kommen fast alle aus der Region, aus der auch Ali Bongo stammt. 

Der 59-jährige Präsident hält sich bereits seit mehr als zwei Monaten nicht in Gabun auf. Ende Oktober erlitt er während einer Konferenz in Saudi-Arabien einen Schlaganfall und wurde mehr als einen Monat lang in einem saudischen Krankenhaus behandelt. Anfang Dezember reiste er schließlich zur Rekonvaleszenz nach Marokko, wo er erstmals auch wieder zur Verlesung einer Neujahrsansprache im Fernsehen auftrat. Dabei wirkte seine Sprache jedoch schleppend, sein rechter Arm schien noch immer gelähmt zu sein. In seiner gestrigen Radioansprache bezeichnete Leutnant Kelly den Fernsehauftritt des Präsidenten als „nationale Schande“. 

Bongo steht dem nur knapp zwei Millionen Einwohner zählenden erdölreichen Staat seit dem Tod seines Vaters im Jahr 2009 vor – dieser hatte die ehemalige französische Kolonie seit 1967 regiert. Der Familie wird vorgeworfen, sich an dem Holz- und Erdölreichtum des Landes schamlos bereichert zu haben: Gegen die Bongos lief sieben Jahre lang ein Korruptionsverfahren in Frankreich, das schließlich eingestellt wurde. 

Manipulation bei Wahl 2016

Vor drei Jahren führte Ali Bongos umstrittene Wiederwahl das Land an den Rand eines Bürgerkriegs. Der Präsident kam auf lediglich 6000 Stimmen mehr als sein Herausforderer Jean Ping, der einst der Kommission der Afrikanischen Union (AU) vorstand. Ping warf Bongos Regierung massive Wahlfälschung vor: In der Heimatregion des Präsidenten sollen 99,93 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen gegangen sein, von denen 98 Prozent ihre Stimme Bongo gegeben hätten. Die landesweite Wahlbeteiligung lag bei knapp 60 Prozent.  

Während Ping eine zweite Auszählung der Stimmen forderte und dabei auch von Vertretern der EU und USA unterstützt wurde, ließ Bongo den Parteisitz Pings von Soldaten stürmen, wobei mehrere Menschen getötet wurden. Kelly bezeichnete den Vorfall in seiner Radioansprache als „feiges Attentat auf unsere Mitbürger“.

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