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US-Präsident Donald Trump spricht vor dem Kongress.

Donald Trump

Vier Phasen bis zum Finanz-Desaster

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Volkswirte befürchten langfristige Schäden durch Siegeszug der Populisten à la Trump.

An den Finanzmärkten sorgte Donald Trump mit der für seine Verhältnisse versöhnlichen Rede für Erleichterung. So konnten es die Anleger verschmerzen, dass der Republikaner konkrete Aussagen zur Steuerreform oder seinen Ausgabenplänen vermied. Führende Volkswirte hingegen warnen davor, die Bedrohung der Weltwirtschaft durch Trump zu unterschätzen.

In einer Studie setzt sich eine internationale Forschergruppe um Yale-Professor John Driffill und Harold James von der Princeton-Universität in New Jersey mit dem Siegeszug der Populisten in Amerika, aber auch in Europa auseinander. „Populisten machen schlichte Aussagen. Die sind meist falsch, weil die Welt kompliziert ist“, fasste Ifo-Präsident Clemens Fuest, einer der Autoren, bei der Vorstellung des Berichts es zusammen. Typisch seien Trumps Pläne für Strafzölle. „Die negativen Seiten der Globalisierung werden stark überzeichnet.“ Ignoriert würden die Kosten, die Eingriffe in den Handel an anderer Stelle erzeugten.

Bei allen Unterschieden kennzeichnen laut der Studie einige Gemeinsamkeiten die Wirtschaftspolitik von Populisten, egal ob sie in Nordamerika, Lateinamerika oder auch in Europa wie in Frankreich, den Niederlanden und vielen anderen EU-Staaten auftreten. So geben die Vertreter vor, sich für bestimmte Bevölkerungsgruppen einzusetzen, die um ihren Status bangen und den sozialen Abstieg fürchten. Sie setzen auf kurzfristige Impulse und ignorieren die langfristigen Kosten – wie beispielsweise höhere Verschuldung.

Lateinamerikanische Vorbilder

In vielerlei Hinsicht betreten die Ökonomen mit dieser Untersuchung Neuland, weil ihre Zunft den Aufstieg der Populisten als Forschungsthema bislang immer den Politologen überließ. Als einer von ganz wenigen Wirtschaftsprofessoren hat sich der prominente deutsch-amerikanische Ökonom Rudiger Dornbusch schon vor Jahrzehnten mit dem Phänomen auseinandergesetzt. Zusammen mit einem Kollegen analysierte er die Wirtschaftspolitik lateinamerikanischer Populisten und beschrieb deren zumeist desaströsen Ergebnisse. Vieles daraus lässt sich für heute lernen.

Dornbusch identifiziert vier typische Phasen für die wirtschaftliche Entwicklung: So kurbeln fast immer populistische Regierungen kurzfristig die Konjunktur an. Sie senken die Steuern massiv und erhöhen die Ausgaben, genau wie Trump es ankündigt. Die negativen Folgen für die öffentlichen Haushalte – also die höheren Schulden – fallen zunächst nicht auf. Dafür baut sich Inflation auf.

Völlig fehl am Platz

Exakt das befürchten viele Experten für die USA. Die Wirtschaft läuft dort bereits auf Hochtouren, die Arbeitslosigkeit ist extrem niedrig. Trumps Konjunkturprogramm ist in dieser Lage vollkommen fehl am Platz. Vielmehr dürfte es vor allem dazu führen, dass die Preise steigen. Dies wiederum zwingt die US-Notenbank Fed, die Zinsen zu erhöhen, um die Inflationsgefahr einzudämmen. All dies zeichnet sich bereits ab. Und durch den Zinsanstieg wertet der Dollar auf, was der ohnehin schwächelnden Industrie in den Vereinigten Staaten zu schaffen macht. In Phase zwei treten die Konsequenzen deutlich zu Tage.

Darauf reagieren Populisten Dornbusch zufolge mit einer härteren Gangart, etwa einem radikalisiertem Protektionismus. Sie versuchen also, mit noch mehr Zöllen und anderen Importhindernissen der Industrie zu helfen, der sie zuvor geschadet haben. In Phase drei bricht die Konjunktur richtig ein, bis schließlich in Phase vier eine andere Regierung übernimmt und den Schlamassel beseitigen muss.

Das zu befürchtende Resultat beschreibt die Forschergruppe in der aktuellen Analyse so: „Die realen Löhne und der Lebensstandard sind deutlich niedriger als vor dem populistischen Experiment. Und sie bleiben es für eine lange Zeit.“

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