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Der Angeklagte Adem Yilmaz am Mittwoch im Gericht.
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Der Angeklagte Adem Yilmaz am Mittwoch im Gericht.

Sauerland-Prozess

Vier freundliche verhinderte Massenmörder

Die Staatsanwaltschaft betont in ihren Plädoyers Gefährlichkeit der Sauerland-Gruppe: Die Angeklagten hätten mit ihrem Vorhaben "dem Islam geschadet". Von Marianne Quoirin

Von Marianne Quoirin

Düsseldorf. "In diesem Verfahren wurde nicht über den Islam gerichtet, sondern über Islamisten. Die Angeklagten haben mit ihrem Vorhaben dem Islam geschadet." Mit diesem Satz beendet Bundesanwalt Volker Brinkmann seine Einleitung zu den Plädoyers der Ankläger, die erst am Donnerstag ihre Anträge für die Strafen gegen die so genannte Sauerland-Gruppe verkünden wollen.

Fritz Gelowicz, Daniel Schneider, Adem Yilmaz und Atilla Selek wollten nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft einen "Massenmord" an US-Soldaten verüben und hätten den Tod von Zivilisten in Kauf genommen. Die Pläne lösten, so Brinkmann, heute noch Schaudern aus; allein die erste Fuhre von Wasserstoffperoxyd in drei Fässern hätten eine Sprengwirkung von 100 Kilo TNT entwickeln können. Bei den Anschlägen von London im Juli 2005 seien nur wenige Kilo verwendet worden.

Volker Brinkmann, als Ankläger in Terroristen-Prozessen wie kaum ein anderer erprobt, spricht von einem in vieler Hinsicht "ungewöhnlichen Verfahren": 530 Ordner, jetzt im Saal 1 der Trutzburg des Oberlandesgerichts Düsseldorf aufgereiht, dokumentieren die Fülle des Beweismaterials. Hätte man die 3,6 Terabyte Vernehmungen von 134 Zeugen auch noch verschriftet, könnte das Gebäude darunter verschwinden. Der Ankläger erinnert daran, wie aus einem "diffusen nachrichtendienstlichen Hinweis" eines der größten Ermittlungsverfahren deutscher Geschichte wurde. "Die Nachrichtendienste sind unverzichtbar bei der Bekämpfung des Islamismus", folgert Brink mann - an ihrer Trennung von den Strafverfolgungsbehörden müsse aber festgehalten werden.

Der Bundesanwalt hebt den Seltenheitswert der "weitgehenden Eingeständnisse" in einem Islamisten-Prozess hervor. Als Grund nennt er die erdrückende Beweislage und die Hoffnung auf Strafrabatt. "Auch nicht der heiligste Gotteskrieger will im Gefängnis sitzen und den Dschihad an sich vorbeiziehen lassen." Trotz der Freundlichkeit der Vier dürfe man nicht das "verquere religiöse Denken", die "Freude am beabsichtigten Massenmord" und den "unbändigen Hass auf Amerikaner" vergessen.

Oberstaatsanwältin Cornelia Zacharias beschreibt noch ein mal Strukturen und Ziele der Islamistischen Dschihad Union (IJU), der sich die vier Angeklagten eher aus Zufall anschlossen. Denn ihnen blieb der Weg in den Irak und nach Tschetschenien versperrt. Die IJU habe die Chance gesehen, in Deutschland mit weniger Auf wand mehr Amerikaner als in Afghanistan zu töten. Wie diese Pläne umgesetzt werden sollten, wer welchen Anteil an den Vorbereitungen für mindestens drei Anschläge mit Autobomben hat, erläutert Staatsanwalt Ralf Setton in seinem Teil des Plädoyers.

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