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DAS PORTRÄT

Vielzüngig

  • Karl Grobe
    VonKarl Grobe
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John D. Negroponte

Die offizielle Biografie, die von seinem Dienstherrn vor zwei Jahren verbreitet wurde, fällt dafür überraschend kurz aus. Das Weiße Haus erwähnte drei seiner Auslandsjobs und seine Tätigkeit im Nationalen Sicherheitsrat der USA in den letzten Reagan-Jahren. Wann John Dimitri Negroponte geboren wurde, kann man diesen kargen Angaben nicht entnehmen. Es war im Jahre 1939, sein Vater war ein in London tätiger griechisch-amerikanischer Schifffahrtsmagnat.

Eigentlich hatte Negroponte den Staatsdienst 1997 verlassen, doch dann machte ihn George W. Bush zum Botschafter bei den Vereinten Nationen. Da gab es Merkwürdiges zu beobachten. Im März 2001 schlug Bush ihn vor. Mitte September erst bestätigte ihn der US-Senat; aber ein ausführliches Hearing hatte es gar nicht gegeben. Der Senat hatte es freilich eilig am 14. September: Nach den Anschlägen in New York und Washington musste der UN-Posten rasch besetzt werden. Die Stimmung war nicht so, dass die Senatoren Bush etwas hätten abschlagen mögen.

So kam eher beiläufig zur Sprache, was in seiner vierjährigen Amtszeit in Honduras (1981 bis 1985) geschah und was ihm keinesfalls verborgen geblieben sein kann: die US-Unterstützung von Todesschwadronen und die Ausbildung des honduranischen Bataillons 3-16, das die Linke terrorisierte, Gefangene, "wenn sie nicht mehr nützlich waren, umbrachte und in namenlosen Massengräbern begrub", wie die Baltimore Sun berichtete. Negroponte schrieb damals, Nachrichten über Todeskommandos in Honduras seien einfach unwahr. Die US-Mittel für die dortige Regierung, welche die Contras im benachbarten Nicaragua heftig unterstützte, flossen in Negropontes Amtszeit reichlich. Die Jahresüberweisung stieg von knapp vier auf mehr als 77 Millionen Dollar. Es war die Zeit, in der sich CIA-Chef William Casey auf seine Art um den bewaffneten Kampf gegen die nicaraguanischen Sandinisten verdient machte. Doch von dessen "Iran-Contra-Affäre" wusste Negroponte offiziell ebenso wenig wie von den Todesschwadronen. Freilich ist diese Affäre unter George W. Bush kein Makel mehr. Damals - zur Amtszeit von George Bush (Vater) - wegen der Affäre Verurteilte sind unter George W. Bush (Sohn) wieder in Amt und Würden.

Negroponte war damals nicht angeklagt. Die Honduras-Geschichte haben ihm jedoch lateinamerikanische Regierungen und vor allem Menschenrechtsgruppen immer wieder vorgehalten. Seinem Ruf als verbissener Verfechter der außenpolitischen Interessen seines Landes hat das nicht geschadet.

Auch die Sache mit dem Bericht der Irak-Waffeninspektoren nicht. Negroponte schaffte es Anfang des Jahres, dass seine Regierung den 12 000 Seiten langen Bericht eher kannte als der Auftraggeber, der UN-Sicherheitsrat. Den überzeugt er jetzt von der Irak-Politik der USA.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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