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Vielfalt in Gefahr

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Von: Gerd Braune

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Jeder Flügelschlag zählt, wenn es um Aufmerksamkeit für den Artenschutz geht. Schmetterlinge gelten als Seismographen für Biodiversität. istock
Jeder Flügelschlag zählt, wenn es um Aufmerksamkeit für den Artenschutz geht. Schmetterlinge gelten als Seismographen für Biodiversität. istock © Getty Images/iStockphoto

Eine Million Tier- und Pflanzenarten sind bedroht: In Montreal ringt die Welt um ein Artenschutzabkommen, das diesen Namen verdient.

Auf der UN-Weltnaturkonferenz in Montreal ringt die Staatengemeinschaft weiter um ein Weltnaturabkommen, das den dramatischen Verlust an Artenvielfalt stoppen soll. Trotz einiger Fortschritte bei wichtigen Verhandlungspunkten war am Sonntag bis Redaktionsschluss noch nicht abzusehen, ob der Durchbruch hin zu einem effektiven und ambitionierten Artenschutz gelingen wird.

Erwartet wurde, dass die chinesische Präsidentschaft im Verlaufe des Sonntags einen Vorschlag für ein Abschlussdokument vorlegen wird, der einen Schritt hin zur Einigung auf ein Abkommen bringen könnte. Ob die Konferenz wie geplant am Montag endet oder bis in den Dienstag verlängert werden muss, war ebenfalls noch unklar. Zu den Streitpunkten gehört die Finanzierung des Naturschutzes und die genaue Definition der angestrebten Schutzgebiete.

Der chinesische Umweltminister Huang Runqiu hatte sich am Samstag optimistisch gezeigt, dass es zu Einigungen kommen wird. „Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Ambitionen aufrechterhalten und einen Konsens erzielen.“ Ähnlich äußerte sich der kanadische Umweltminister Steven Guilbeault: „Konsens ist möglich. Die ganze Welt beobachtet uns.“ Seit Beginn des Ministertreffens am Donnerstag seien erhebliche Fortschritte gemacht worden, etwa bei der Bereitstellung von Geld für den Naturschutz. „Wir nähern uns dem Ziel, aber wir sind noch nicht ganz da“, sagte Guilbeault.

Die deutsche Umweltministerin Steffi Lemke und Entwicklungs-Staatssekretär Jochen Flasbarth gaben in Montreal eine Initiative mit Kolumbien und anderen Ländern bekannt, die die Entwicklungsländer bei der schnellen Umsetzung der Ziele beim Erhalt der Biodiversität unterstützen soll. Dafür stellt die Bundesregierung 29 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir brauchen endlich die Trendwende beim Verlust der biologischen Vielfalt und beim weltweiten Artenaussterben. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Mit der heute ins Leben gerufenen Partnerschaft können wir unmittelbar nach Beschluss der neuen globalen Vereinbarung für die biologische Vielfalt mit der Umsetzung starten“, sagte Lemke.

Am Samstag kursierten in Montreal Dokumente, die die Richtung einer möglichen Einigung vorgaben. Danach sollen jährlich 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr international für den Naturschutz zur Verfügung gestellt werden. Dieses Geld soll von nationalen Budgets, aus privaten Quellen und von internationalen Organisationen kommen. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte zu Konferenzbeginn bereits angekündigt, dass sich Deutschland mit 1,5 Milliarden Euro beteiligen will. Die Entwicklungs- und Schwellenländer – darunter Brasilien und zahlreiche afrikanische und südamerikanische Länder – fordern, dass sich die Industriestaaten mit etwa 100 Milliarden Dollar an der Finanzierung beteiligen. Gegenwärtig stellen Industrieländer jährlich etwa zehn Milliarden US-Dollar für den Erhalt der Biodiversität in Ländern des globalen Südens bereit. Nach den bisherigen Zusagen könnte dieser Betrag auf 20 Milliarden erhöht werden.

Zu den wichtigen Verhandlungspunkten gehört die Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden, der Abbau von Subventionen und die Einigung auf einen Mechanismus mit Kontrollkriterien und Berichtspflichten. Die Umweltschutzorganisation WWF bezeichnete am Samstag die Zwischenergebnisse nach dem offiziellen Ende des Ministertreffens allerdings als besorgniserregend. „Mehr politischer Wille und internationale Solidarität sind nötig, um ein Scheitern der Verhandlungen zu verhindern“, meinte Florian Titze, Experte für internationale Politik beim WWF Deutschland. „Die Lage ist dramatisch.“

Alle Augen auf die „COP 15“, wie die Biodiversitäts-Konferenz im kanadischen Montreal heißt. Lars hagberg/AFP
Alle Augen auf die „COP 15“, wie die Biodiversitäts-Konferenz im kanadischen Montreal heißt. Lars hagberg/AFP © Lars Hagberg/afp

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