Viele Studierende haben durch die Corona-Krise ihren Nebenjob verloren.
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Viele Studierende haben durch die Corona-Krise ihren Nebenjob verloren.

Corona

Viele Studierende gehen leer aus

  • Franziska Schubert
    vonFranziska Schubert
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Hohe Ablehnungsquote bei Anträgen für Corona-Nothilfe: Hunderttausende junge Menschen haben dennoch zu wenig Einkommen.

Viele Studierende, die Corona-Nothilfen beantragt haben, erhalten die finanzielle Unterstützung nicht. Das geht aus einer Antwort des Bundesbildungsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Jens Brandenburg hervor. Demnach wurden im Juni insgesamt rund 82 000 Anträge auf die sogenannte Überbrückungshilfe gestellt. Davon seien (Stand: 15. Juli) knapp 65 000 von den Studentenwerken bearbeitet worden, mit rund 32 500 Zusagen und 26 000 abgelehnten Anträgen. Die Zahlen seien eine Momentaufnahme, da die Bearbeitung der Anträge für Juni noch nicht abgeschlossen sei, hieß es weiter.

Studierende in Not können seit Juni über eine zentrale Webseite Finanzhilfen beantragen. Je nach Kontostand des Betroffenen kann es 100 bis 500 Euro pro Monat geben. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden. Nachgewiesen werden muss, dass bestimmte Einkünfte – beispielsweise durch einen Job im Restaurant – seit dem Frühjahr auf dem Konto nicht mehr eingegangen sind. Gezahlt wird der Zuschuss für maximal drei Monate (Juni, Juli, August). Der Antrag muss jeden Monat neu gestellt werden. Neben der Nothilfe gibt es auch Studienkredite bei der staatlichen Förderbank KFW, die vorübergehend zinsfrei gestellt werden.

„Die hohe Ablehnungsquote zeigt, wie intransparent die Förderansprüche offensichtlich sind“, kritisierte Brandenburg das Verfahren. Die Bundesregierung müsse jetzt sicherstellen, dass wirklich alle Studierenden in Not auf ihre Hilfe zugreifen könnten. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) teilte mit, man sei dabei, mit den zuständigen Studentenwerken zu klären, woran es liege.

Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau betonte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde, dass die Nothilfeanträge den Nutzern eine gute Menüführung böten und nicht schwer auszufüllen seien. Für ihn liegt das Problem anderswo: „Der Grund, warum mehr als die Hälfte der Anträge abgelehnt werden, ist, dass die Studierenden zwar nicht genug Geld auf dem Konto haben – allerdings nicht infolge der Pandemie.“

Viele Antragsteller könnten nicht nachweisen, dass sie wegen Corona ihren Job verloren haben, die elterliche Unterstützung zurückgegangen ist oder sie als Selbstständige Einkommenseinbußen erlitten haben. „Viele Betroffene, deren Anträge abgelehnt werden, sind durchaus in einer Notlage, aber nicht wegen der Pandemie.“

Es gebe aber auch Fälle, in denen Studierende schlichtweg zu viel Geld hätten, etwa auf dem Sparkonto. So seien nur diejenigen berechtigt, die am Banktag vor der Antragsstellung weniger als 500 Euro auf dem Konto hätten. Anderenfalls muss zunächst das eigene Vermögen zur Überbrückung der Notlage verwendet werden.

Dass es aber auch ohne Corona-Pandemie sehr viele arme Studierende gibt, die im Monat mit einem Einkommen unter 700 Euro auskommen müssen, das hat die Sozialerhebung von 2016 des Deutschen Studentenwerks deutlich gemacht: Rund 675 000 Studierende oder 27 Prozent waren es 2016, davon hatten sogar rund 125 000 (oder umgerechnet fünf Prozent) weniger als 500 Euro monatlich auf dem Konto.

Generalsekretär Meyer auf der Heyde weist in diesem Zusammenhang auf ein strukturelles Defizit hin, das seit Jahren andauere: Eine so hohe Zahl von Studierenden aus dem unteren Einkommenssektor „offenbart ein Riesenproblem in der staatlichen Studienfinanzierung. Aus unserer Sicht ist daher eine grundlegende Reform erforderlich“, betont der Generalsekretär.

Er nennt auch ein Beispiel, warum so viele junge Menschen nicht von der Förderung wie dem Bafög profitieren: In der unteren Mittelschicht gibt es Eltern, die zu viel Geld verdienen, damit ihre Kinder staatliche Zuschüsse zur Studienfinanzierung erhalten. „Allerdings verdienen diese Eltern wiederum zu wenig Geld, um ihren Kinder tatsächlich das Studium zu finanzieren.“ Die Betroffenen sind dann mit erheblichen finanziellen Sorgen konfrontiert. Gerade in der Corona-Krise zeige sich, dass viele Studierende zu wenig Geld haben und dadurch in eine finanzielle Notlage geraten, betont Meyer auf der Heyde im Gespräch mit der FR. 

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