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Brandschäden an der Atomanlage Natans: Steckt Israel dahinter?

USA

Viele Stiche gegen den Iran

Die USA bedrängen ein Flugzeug, in der Atomanlage Natans brennt es – und trotzdem hält sich Teheran mit Vergeltung zurück. Warum?

Das Urteil fällt rasch. „Das war nicht nur eine Bedrohung, sondern de facto ein Angriff der Zionisten (Israel) auf die iranische Maschine“, sagt ein Reporter des iranischen Staatsfernsehens Irib. Er war an Bord von Flug 1152 der iranischen Mahan Air nach Beirut, die vergangene Woche über Syrien von zwei Kampfflugzeugen bedroht worden sein soll. Die Passagiermaschine musste Irib zufolge abrupt in den Sinkflug gehen, mehrere Insassen wurden verletzt. Wenig später teilte das US-Militär mit, eine amerikanische F-15 habe sich dem Flugzeug genähert, um es zu identifizieren.

Iran spricht inzwischen von zwei US-amerikanischen Maschinen, die für den Vorfall verantwortlich seien, und erwägt rechtliche Schritte gegen Washington: „Belästigung einer Passagiermaschine in einem neutralen Luftraum (Syrien) ist ein klarer internationaler Verstoß gegen die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs“, sagte Vizepräsidentin Laja Dschonejdi am Freitag laut Nachrichtenagentur Isna. Daher könnte der Iran den Fall der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation sowie dem Internationalen Gerichtshof melden.

Israel hinter Feuer vermutet

Die Maschine landete später sicher in Beirut und ist längst wieder in Teheran angekommen. Dennoch scheint der Vorfall wie ein Rückfall in alte Zeiten: Unmittelbar nach einem sicherheitsrelevanten Ereignis wird von iranischer Seite der Erzfeind Israel verantwortlich gemacht. Dabei war gerade dies zuletzt noch vermieden worden – nach einer mysteriösen Brand- und Explosionsserie im Juni und Juli. Mal brennt es zum Beispiel in der Atomanlage in Natans, mal fackeln sieben Schiffe ab, ein anderes Mal explodiert eine Pipeline. Die Ursachen sind meist unklar. Auch ob die Vorfälle miteinander zusammenhängen, ist ungewiss.

Israel hat eine Beteiligung daran weder bestätigt noch dementiert. „Nicht jeder Vorfall im Iran steht notwendigerweise mit uns in Verbindung“, sagt Verteidigungsminister Benny Gantz Anfang Juli. Außenminister Gabi Aschkenasi sagt zeitgleich: „Wir ergreifen Maßnahmen, über die man besser nicht sprechen sollte.“

Der Iran-Experte Raz Zimmt geht davon aus, dass einige der Vorfälle Sabotage waren, die meisten wohl eher Pannen und Unfälle. Für den Forscher vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) an der Universität Tel Aviv ragt der Brand in Natans aber heraus. „Er steht wahrscheinlich in Verbindung mit einem ausländischen Geheimdienst, sei es ein israelischer, ein amerikanischer oder ein anderer.“ Der Brand sei definitiv absichtlich herbeigeführt worden.

Das zerstörte Gebäude, in dem Hightech-Zentrifugen zur Urananreicherung hergestellt wurden, ist ein wichtiger Teil des Atomprogramms des Irans, das Israel als Bedrohung ansieht. Auch die USA halten es für gefährlich. Daher wird gemutmaßt, es könne in Natans einen Cyberangriff gegeben haben wie 2010, als Israel und die USA mit dem Schadprogramm Stuxnet dort annähernd 1000 Zentrifugen zerstört haben sollen. Die Spekulationen reichen aber auch von einem Angriff mit Raketen, die von Radar nicht erfasst werden können, bis zu von Menschen platzierten Bomben. Experten im Iran wissen noch nichts Genaues über die Explosion. Außer den Mitarbeitern der iranischen Atomorganisation habe niemand Zugang, „daher kann man da nur spekulieren“, sagt ein Politologe in Teheran.

Für Raz Zimmt aus Tel Aviv ist es „sehr naheliegend, Israel als möglichen Verdächtigen zu betrachten“. Israel sei am stärksten wegen nuklearer Fortschritte des Iran besorgt, insbesondere weil dieser sich seit 2019 von seinen Verpflichtungen aus dem Atomabkommen lossage. Der Iran sei derzeit wahrscheinlich nur noch drei bis vier Monate davon entfernt, genügend spaltbares Material für eine Atombombe zu produzieren.

Iran hofft auf die US-Wahl

Aus Sicht von Zimmt ist die Hauptfrage, ob der Iran für Natans Vergeltung üben wird. Doch obwohl Israel seit über 40 Jahren die Hauptrolle in allen iranischen Verschwörungstheorien spielt, ist in Teheran von einer israelischen Verwicklung bislang keine Rede. Eindeutige Schuldzuweisungen werden vermieden. Würde die Regierung in Teheran dies tun, sähe sie sich möglicherweise zu einer Reaktion gezwungen, sagt Iran-Experte Zimmt.

Er erwartet in nächster Zeit keine große Aktion und verweist auf die US-Wahl in vier Monaten. Der Demokrat Joe Biden hat Chancen, sich gegen den Republikaner Trump durchzusetzen. Im Oktober soll zudem im UN-Sicherheitsrat über das Ende des Waffenembargos gegen den Iran entschieden werden. Eine falsche Aktion „könnte zu zwei Eigentoren führen (...): Fortsetzung das Waffenembargos und Wiederwahl von Trump“, so der Teheraner Politologe. (Sebastian Engel, dpa)

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