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Viele Staaten sind willig - doch ihr Beitrag ist schwach

Die Pläne der USA, mit einer multinationalen Truppe den Frieden in Irak zu sichern, drohen zu scheitern

Von William J. Kole (Wien/ ap)

In Bulgarien stehen 450 Soldaten zum Abflug nach Irak bereit. Aserbaidschan kann 150 Mann entsenden. Polen soll seinem Auftrag entsprechend bis zu 2200 Militärs an den Tigris schicken, Italien bis zu 3000, Dänemark schickt wohl nur 380 Männer und Frauen, Estland lediglich 55 und Litauen bloß ein Dutzend Soldaten.

Die Anforderungen seien hoch, warnt Jonathan Stevenson, Experte des Londoner Instituts für Strategische Studien. Nach seinen Schätzungen werden 40 000 Soldaten benötigt, um den Frieden in Irak wirklich zu sichern.

Die wichtigsten Verbündeten der USA im Irak-Krieg - Großbritannien und Australien - haben bislang noch nicht entschieden, wie viele Militärs sie für den neuen Auftrag abstellen wollen. Zudem löst die Entsendung weiterer Soldaten Proteste in den beteiligten Ländern aus. In Ungarn greift die Opposition die Regierung scharf an, weil Budapest 300 Soldaten nach Irak schicken möchte. Abgeordnete verlangen dafür ein Mandat der UN, der Nato oder der EU. Wenn Ungarn Militär schicke, sei das Land unweigerlich Teilnehmer des Konflikts, kritisierte etwa Peter Karsai vom Demokratischen Forum.

Die gleiche Debatte entfaltet sich gerade in Portugal. Der sozialistische Präsident Jorge Sampaio fordert ebenfalls das Mandat einer internationalen Organisation. Dessen ungeachtet will der konservative Ministerpräsident José Manuel Durão Barroso die USA mit Soldaten unterstützen. Die Iraker brauchten jetzt Hilfe, da dürfe man sich nicht in philosophischen oder prozessualen Einzelheiten verlieren.

Auch die Regierung der Ukraine will helfen, aber zuvor müsste das Parlament dem Auslandseinsatz zustimmen. Ein solches Mandat gilt als rechtlich eigentlich nicht möglich ohne Führung durch die UN oder eine andere internationale Organisation.

Andere Staaten sind beunruhigt wegen der zu erwartenden Kosten eines Einsatzes. Polen, das 200 Soldaten in den Irak-Krieg entsandt hatte, soll nach dem Wunsch der USA nun einen der vier Verwaltungssektoren Iraks leiten. Allerdings sieht sich Warschau außer Stande, die dafür erforderlichen 90 Millionen Dollar pro Jahr aufzubringen, die die geplante Stationierung von 2200 Soldaten kosten würde.

Italien steht zu seinem Wort und will 3000 Sicherheitskräfte zur Wiederherstellung der Ordnung und für humanitäre Aufgaben schicken. Ihr Abflug wird für Juni erwartet. Auch Bulgarien hat dem Ansinnen der USA entsprochen und will Mitte Juni 450 Soldaten - statt der ursprünglich vorgesehenen 170 - an den Golf schicken. Ebenso haben sich Rumänien, die Tschechische Republik und die Niederlande zu einer Beteiligung an einer multinationalen Truppe durchgerungen.

Insgesamt betrachtet hoffte Washington jedoch auf eine viel umfangreichere Unterstützung aus dem Ausland. So hatte die US-Regierung Dänemark um 5000 Soldaten gebeten. Doch die Dänen lehnten die Bitte als unerfüllbar ab; sie sehen sich nur dazu in der Lage, 380 Soldaten nach Irak zu entsenden. So betrachtet, sagt Militärexperte Stevenson, ist es genau wie vor und während des Kriegs: Die Beiträge vieler an der "Koalition der Willigen" beteiligten Staaten werden auch dieses Mal rein kosmetischer Natur sein.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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