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Reichlich Aufregung herrscht derzeit im Amberger Rathaus.

NPD

Viel Hetze im Netz, wenig Bürgerwehr in Amberg

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Das oberpfälzische Amberg wehrt sich gegen Berichte über rechtsextreme Umtriebe in der Stadt.

Amberg in der Oberpfalz beeindruckt durch gute Luft, dreißig Brauereien, fünf Klöster und ein Militärmuseum. Seit Jahresbeginn kommt ein dunkler Schatten dazu, der sich über die malerische Altstadtidylle legt. Und ein schlimmer Verdacht. „Die NPD patrouilliert durch Amberg“, titelt die „Mittelbayerische Zeitung“. Der „Spiegel“ schreibt von „Rechtsextremisten“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ von „rechten Bürgerwehren“.

Hintergrund ist ein Vorfall vom vergangenen Samstag, als vier junge, betrunkene Asylbewerber Passanten anpöbelten und zum Teil verprügelten. Als Reaktion veröffentlichten Nürnberger Mitglieder der rechtsextremen NPD Fotos auf Facebook. Sie zeigen vier Personen in roten Schutzwesten, wie sie an Neujahr angeblich durch Amberg zogen. In dem Post heißt es: „Wenn wir sagen ,Schafft #Schutzzonen in #Amberg‘, dann meinen wir das auch so. Ein Video folgt in den nächsten Tagen.“ Augenzeugen wollen die Gruppe gesehen haben, angeblich auch vor dem Asylbewerberheim. 

Stadtsprecher Thomas Grammel weist am Donnerstag die Medienberichte über „rechte Bürgerwehren“ vehement zurück. „Es hat im Stadtbild nie eine solche Patrouille und auch keine rechte Bürgerwehr gegeben“, sagt er auf Anfrage. Die vier NPD-Mitglieder seien am Sonntag aus Nürnberg mit dem Zug nach Amberg gekommen, einige Minuten in ihren roten Westen durch die Stadt spaziert und dann wieder mit der Bahn nach Nürnberg gefahren. „Anschließend hat sich eine riesige Medienwelle über die Stadt ergossen. Wir werden völlig zu Unrecht als rechte Hochburg stigmatisiert. Hätten Fußballfans randaliert, hätte es keine Berichte gegeben. Über diverse Prügeleien zwischen Deutschen in der Silvesternacht schrieb niemand auch nur eine Zeile.“

Tatsächlich benutzen einige Rechtsextreme den Amberger Vorfall, um im Netz gezielt Hass und Hetze gegen Ausländer zu verbreiten. Und sie haben damit medial maximalen Erfolg. Selbst Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ließ wissen, er sei „sehr aufgewühlt“. Doch hinter der Gruppe steht allenfalls eine Handvoll NPD-Sympathisanten aus Nürnberg, die schon mehrfach in Erscheinung traten.

So kursiert seit den Krawallen von Chemnitz Ende August ein Internetvideo mit dem Titel „Schutzstreife Nürnberg“ im Netz. Zu sehen ist ein stadtbekannter NPD-Parteifunktionär, der rote Warnwesten mit der Aufschrift „Wir schaffen Schutzzonen“ an vier junge Männer verteilt. Anschließend absolviert die selbst ernannte „Bürgerwehr“ einen kurzen Fußmarsch durch die Innenstadt von Nürnberg und verteilt Broschüren an Passanten. Zum Höhepunkt folgt der Aufruf zum Mitmachen, damit „so etwas wie in Chemnitz“ nicht noch einmal passiere. Anschließend endet das Internetvideo genauso unspektakulär wie es begonnen hat. Das Muster ist das gleiche wie jetzt in der Oberpfalz.

Jeder Achte wählt die AfD

Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny, der sich am Mittwoch noch „schockiert“ über die Patrouillen gezeigt hatte, sagte am Donnerstag: „Eine echte rechte Szene haben wir in Amberg nicht.“ Einzelne Rechte seien bekannt und hätten an rechten Demonstrationen wie in Chemnitz teilgenommen. Auch habe die AfD in der Stadt stärkere Ergebnisse. Laut Internetseite der Stadt kam die AfD bei der Landtagswahl hier auf 13,1 Prozent der Zweitstimmen. 

Die Polizei teilte mit, sie prüfe die Presseberichte, befand aber auch: „Die Sicherheitslage in Amberg ist gut.“ Demos waren für die kommenden Tage nicht angemeldet. Jedoch meldeten am Donnerstagnachmittag mehrere bayerische AfD-Politiker an, nach Amberg zu kommen. Schließlich war Landtags-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner tatsächlich da und gab der Presse zu Protokoll, das Asylrecht müsse verschärft und die Zahl der Polizeistreifen im Freistaat erhöht werden. (mit afp/dpa)

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