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Rekrut berichtet von miserablen Zuständen in Russlands Armee: „Es ist schrecklich“

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Von: Tim Vincent Dicke

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Mit der Teilmobilmachung will Putin das Blatt im Ukraine-Krieg wenden. Doch wie ist die Realität? Ein russischer Rekrut berichtet von miserablen Zuständen.

Moskau – Hunderttausende russische Männer müssen wegen der Teilmobilmachung in den Ukraine-Krieg ziehen. Doch die Moral der eingezogenen Soldaten ist schlecht. Ein nun veröffentlichtes Video zeigt, wie miserabel die Bedingungen für russische Zwangsrekruten sind.

In dem Clip berichtet ein unbekannter Mann, der vor Kurzem ins russische Militär eingezogen wurde, von seinem Lager, das er mit vielen anderen Männern teilt. Der Rekrut behauptet, die Armee von Kreml-Chef Wladimir Putin habe kaum Kleidung zur Verfügung gestellt, außerdem sei die Hälfte der Männer krank. Julia Davis hat die Aufnahme am Sonntag (16. Oktober) auf Twitter gepostet. In ihrem Blog Russian Media Monitor analysiert sie regelmäßig Videos aus Russland.

Mobilisierte russische Soldaten
Trotz Teilmobilmachung verläuft der Ukraine-Krieg für Russland weiterhin nur schleppend. (Archivbild) © Mikhail Tereshchenko/imago

Russland: Rekruten für Ukraine-Krieg müssen sich „selbst durchschlagen“

„Währenddessen in Russland: Schauen Sie sich an, wie die neu mobilisierten Rekruten behandelt werden“, schrieb Davis auf dem Kurznachrichtendienst. „Ein namentlich nicht genannter Mann beschwert sich, dass ihm seine Schuhe, sein Geld und seine Matratze gestohlen wurden. Er sagt, das sei nun einmal so. Alle sind krank geworden, weil sie die Zelte kaum heizen können. Grauenhaft.“

Das rund 90 Sekunden lange Video zeigt das verwahrlost wirkende Zeltlager, in dem der Rekrut stationiert ist. Zunächst beschwert er sich über fehlende Kleidung. Weder ziviles, geschweige denn militärisches Equipment wäre der Truppe zur Verfügung gestellt worden. „Ich habe weder Tennisschuhe noch taktische Stiefel“, sagt der Mann. Überprüfen ließen sich die Angaben nicht.

„Alle hier kommen aus Chanty-Mansijsk. Alle unsere Jungs“, erklärt der Soldat. Chanty-Mansijsk ist eine Stadt mit rund 80.000 Einwohner:innen und liegt zentral in der Russischen Föderation. Unterstützung oder Anweisungen der Militärführung würde es kaum geben: „Wir müssen uns selbst durchschlagen. Anders geht‘s nicht.“

Russische Kämpfer bestehlen sich gegenseitig

Dann betritt der Rekrut das Zelt, in dem er und viele weitere Soldaten den Angaben zufolge schlafen würden. Er beklagt sich darüber, dass es nur einen kleinen Ofen für den gesamten Schlafplatz gebe. „Das hat überhaupt nichts gebracht. Man kann hören, wie kratzig meine Stimme ist, es ist schrecklich. Die Hälfte der Jungs hat sich erkältet“, erläutert der Rekrut, der offenbar bald im Ukraine-Konflikt kämpfen wird.

Zusammenhalt gibt es zwischen den Soldaten der Darstellung nach nicht. Innerhalb der Truppe würden ständig Matratzen, Kleidungsstücke und andere Gegenstände gestohlen werden, schildert der Kämpfer die Situation. Diebstahl sei die einzige Möglichkeit, „hier zu überleben“, sagt er und fügt hinzu: „Verlässt du einmal das Zelt, wird sogar dein Ofen gestohlen.“ Seine persönlichen Sachen hätten auch schon die Besitzverhältnisse gewechselt: Geld und Tennisschuhe hätte ein Unbekannter geklaut.

Und die Vorgesetzten? Von ihnen gibt es offenbar gar keine Hilfe. „Bin ich deine Mama oder dein Papa?“, hätten diese auf die Diebstahlmeldung reagiert. Er solle seine Sachen selbst finden, so die Reaktion. (tvd)

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