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Lachen mit Orbán: Applaus für Ungarns Rechtsnationalen in Berlin

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Von: Moritz Serif

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Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (M) spricht mit Alexander Marguier, Chefredakteur des Magazins Cicero, und mit Holger Friedrich (r), Unternehmer, Verleger und Besitzer der Berliner Zeitung.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (M) spricht mit Alexander Marguier, Chefredakteur des Magazins Cicero, und mit Holger Friedrich (r), Unternehmer, Verleger und Besitzer der Berliner Zeitung. © Britta Pedersen/dpa

Die Berliner Zeitung und das Magazin Cicero laden Ungarns Ministerpräsident Orbán zu einem öffentlichen Interview ein.

Berlin – Es passiert nicht alle Tage, dass deutsche Medien den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu einem „Verlegergespräch“ einladen. Die Berliner Zeitung und das Magazin Cicero entschieden sich dafür: Und so stand Orbán, der die Pressefreiheit in seinem Land nahezu abgeschafft hat, im Berliner E-Werk Rede und Antwort.

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung nutzten einige der größtenteils älteren männlichen Gäste ihre Chance zum Vernetzen. Man kennt sich. Es herrschte eine lockere Atmosphäre. Auch der hochumstrittene rechte Politiker Hans-Georg Maaßen (CDU), ehemals Präsident des Verfassungsschutzes, war vor Ort.

Viktor Orbán in Berlin - das Publikum applaudiert Ungarns Ministerpräsidenten

Als die Gäste Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung, gleichzeitig einer der Moderatoren des Abends, erspähten, wurde es still im Saal. Friedrich betrat gemeinsam mit Marquier, Chefredakteur des Cicero und Orbán die Bühne. „Das Gespräch soll der Auftakt für eine kontroverse Debatte sein“, betonte Friedrich. Man wolle eine ostdeutsche Perspektive auf den Ukraine-Krieg und die Energiekrise ermöglichen.

„Der ganze Diskurs des Krieges ist zu sehr auf Putin konzentriert“, sagte Orbán gleich zu Beginn. Ihn interessierten lediglich Ungarn und Europa. „Daher möchte ich mich nicht an diesem Putin-Kurs beteiligen“, ergänzte er. Orbán kam mit seiner direkten Art gut an. Das Publikum applaudierte.

Viktor Orbán in Berlin: Steht Ungarn an Seite der Ukraine?

Cicero-Chefredakteur Marguier bohrte nach: „Nach der Invasion ist der Eindruck entstanden, dass Ungarn nicht an der Seite der Ukraine, sondern an der Seite Russlands stehen würde. Der ungarische Verteidigungsminister war nicht bereit, das als Invasion zu bezeichnen. Warum waren Sie so zögerlich?“, wollte er von Orbán wissen.

Orbán wiegelte ab. „Ich hab das am ersten Tag als eine Aggression bezeichnet“. Dazu gebe es keinen gesonderten Standpunkt. Allerdings stehe er auf der Seite der Ungarn. „Ich bin nicht bereit, den Ukrainern derart zu helfen, dass ich Ungarn zugrunde richte“, sagte Orbán. Es sei keinem geholfen, wenn die ungarische und deutsche Wirtschaft zerstört würde, so Orban, der sich damit eine Position zu eigen machte, die in Deutschland vor allem die AfD vertritt.

Orbán vertritt in Energiekrise AfD-Position

Außerdem klagte Orbán über die Sanktionen gegen Russland. „Diese Sanktionen bringen uns um. Auch Deutschland“, so der ungarische Ministerpräsident. Man müsse sie „intelligenter gestalten“. Die Energiepreise seien auch deshalb himmelhoch. „Was verstehen Sie darunter, Sanktionen intelligenter zu gestalten?“, fragte Marquier. Orbán antwortete, dass Zwerge keine Riesen sanktionieren sollten, betonte jedoch, dass die Sanktionen auch nicht zurückgenommen werden dürften.

Bis dahin plätscherte die Veranstaltung etwas vor sich hin, Orbán aber hatte noch eine Forderung parat, die für Raunen im Publikum sorgte: Er verlangte eine „Feuerpause“ zwischen den USA und Russland, obwohl die USA gar nicht direkt am Krieg beteiligt sind.

Orbán: „Die Hoffnung für den Frieden heißt Donald Trump“

Ohnehin sei US-Präsident Joe Biden einfach zu weit gegangen, man müsse auf andere Protagonisten der US-Politik setzen. „Die Hoffnung für den Frieden heißt Donald Trump“, so Ungarns Ministerpräsident. Applaus im Publikum und strahlende Gesichter: Das Publikum lachte mit Orbán.

Der ungarische Ministerpräsident präsentierte sich in Berlin als begabter Redner. Der Staatschef sprach gerne in Metaphern, bediente sich philosophischer Sprichwörter und wich den wenigen kritischen Fragen gekonnt aus. So nutzte der nachweisliche Feind der Pressefreiheit die Bühne, die ihm deutsche Medien in Berlin boten, geschickt für eigene Zwecke. (Moritz Serif)

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