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Verzögerter Schock

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Von: Peter Rutkowski

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Frankfurter Skyline.
Frankfurter Skyline. © Arne Dedert/dpa

Wie haben FR-Autorinnen und -Autoren den Tag der Anschläge erlebt? Erinnerungen von Peter Rutkowski, stellvertretender Ressortleiter Politik.

Der Horror fällt aus. Erstmal. Mit der zusammengestoppelten post-studentischen PC-Ausrüstung bin ich auch medial absolut unterbelichtet für dramatische Live-Ereignisse. An Fernsehen denken meine Freundin und ich an diesem 11. September erst gar nicht. Der Computer ist halt an.

Das Bisschen, das wir mitkriegen, ist so wenig und so jenseits unserer Vorstellungskräfte, dass der Schock ausbleibt. Oder vielleicht eher verspätet kommen wird.

Dank meinen Verpflichtungen als rasender freier Mitarbeiter der Stadtteilausgabe der FR kann ich mich ohnehin nicht so recht auf das Geschehen in den USA konzentrieren: Ein erster Termin, dann schreiben, ein zweiter Termin, dann schreiben, ein dritter... Mache ich mir aber wenigstens nach Schreibschluss über das Geschehene Gedanken? Ich weiß es nicht mehr. Wahrscheinlich sitze ich wie unzählige andere verdattert vorm Fernseher.

Mein 9/11 kommt noch: Ich bin wieder kreuz und quer in Frankfurt unterwegs zu Lokalterminen, achte auf den Verkehr und auf die Uhrzeit, alles wie üblich. Plötzlich aber bleibe ich mit meinem Fahrrad stehen. Grundlos? Ich höre das Triebwerksgeräusch eines Verkehrsfliegers. Ich liebe Flugzeuge. Und das Fliegen. Fast nichts ist schöner als ein sonniges Wolkenmeer. Ich schaue hoch. Da ist der Jumbojet. Und da verschwindet er hinter einem der Frankfurter Bankentürme. Ich komme sehr viel zu spät zu meinem Termin.

Peter Rutkowski ist Stellvertreterinnen Ressortleiter Politik.

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